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Die „Grube Austria“ wird saniert

Die ehemalige Deponie des Eisenwerkes im Städtedreieck soll 2019 gesichert werden. Die Kosten betragen drei Millionen Euro.
Von Norbert Wanner

Vor Ort (v. l.): Stefan Adam (Immobilien Freistaat Bayern), Gerhard Schustek und Roman Beer (beide Staatliches Bauamt Amberg-Sulzbach) auf dem „Berggipfel“ – 25 Meter ragt die Austria maximal auf. Foto: Wanner
Vor Ort (v. l.): Stefan Adam (Immobilien Freistaat Bayern), Gerhard Schustek und Roman Beer (beide Staatliches Bauamt Amberg-Sulzbach) auf dem „Berggipfel“ – 25 Meter ragt die Austria maximal auf. Foto: Wanner

BURGLENGENFELD.In den vergangenen Wochen tauchte für viele, die von Maxhütte gen Ortsteil Roding fuhren oder umgekehrt, die Frage auf: „Was ragt da plötzlich für ein Berg auf?“ Wer jemand kannte, der alteingesessen ist und nicht zur jüngeren Generation zählt, der erfuhr, dass es sich bei dem neuen Berg um die „Grube Austria“ der ehemaligen Maximilianshütte des Eisenwerkes handelt, benutzt als Deponie. Die 25 Meter aufragende Wand ist auch alles andere als neu, sie war schon seit Jahrzehnten da, nur, dass im Laufe der Zeit Bäume und Buschwerk das Ganze so überwucherte, dass nicht mehr zu sehen war, was sich da verbirgt.

Deponie überwacht

Gerhard Schustek, Abteilungsleiter des Staatlichen Bauamtes Amberg-Sulzbach, sein Kollege Baudirektor Dipl.-Ing. Roman Beer und Stefan Adam von der Regionalvertretung Oberpfalz, der Immobilien Freistaat Bayern, hatten gestern zum Ortstermin geladen, um zu erklären, warum man den Berg plötzlich sieht, alles abgeholzt wurde und eine neue Zufahrt von der Gemeindeverbindungsstraße aus zur aufragenden Wand entstanden ist. Mit einem Kostenaufwand von drei Millionen Euro soll die ehemalige Deponie so gesichert werden, dass davon keine Gefahr für das Trinkwasser mehr ausgehen kann, denn die Austria liegt in der Zone III A des Trinkwasserschutzgebietes der Stadt Burglengenfeld und das Raffa ist nah.

Lange Zeit war von der Deponie Austria nichts zu sehen. Über die Jahrzehnte ist dort ein regelrechter Dschungel entstanden, der für die Sanierung beseitigt werden musste. Foto: Wanner
Lange Zeit war von der Deponie Austria nichts zu sehen. Über die Jahrzehnte ist dort ein regelrechter Dschungel entstanden, der für die Sanierung beseitigt werden musste. Foto: Wanner

Insofern war die Botschaft, die das Trio mitgebracht hatte, eine gute: Bis Mai 2020 soll die Grube in einem Zustand sein, dass davon keinerlei Bedrohung mehr für das Wasser der Burglengenfelder ausgeht – wie Schustek mehrfach und wiederholt betonte ein Zustand, der auch bisher geherrscht habe. Außerdem werde die Deponie laufend durch feste, rundum eingerichtete Grundwassermessstellen, überwacht. Dass bisher keine Zwischenfälle auftraten, bestätigen die Stadtwerke Burglengenfeld der Mittelbayerischen Zeitung ebenfalls. Pressesprecher Michael Hitzek teilte auf Anfrage mit: „Probleme mit Sickerwässern aus der Grube sind den Stadtwerken bislang nicht bekannt.“ Erster Schritt, dass dieser auch weiter gilt, waren eben die Rodungen, um die notwendigen Arbeiten durchführen zu können, erläuterte Schustek.

Geschichte der Grube Austria

  • Abhandlung:

    Zum Nordgautag 2002 in der Stadt Maxhütte-Haidhof gab es vom damaligen Vorsitzenden der Arbeitsgemeinschaft Bayerischer Rohtongruben, Dipl.-Ing. Hans Georg Baumgart, eine Abhandlung zur Geschichte der Grube Austria. Die Eisenwerks-Gesellschaft Maximilianshütte sicherte sich 1876 das Bergwerkseigentum an diesem Braunkohlen-Grubenfeld. Bereits 1887 war mit dem Abbau wieder Schluss.

  • Deponie:

    Der enorme Brennstoffmangel nach dem 2. Weltkrieg führte dazu, dass alle Braunkohleressourcen der Oberpfalz einer Gewinnung zugeführt wurden. 1971 wurde die Rohstoffförderung erneut und diesmal endgültig beendet. Westlich des Tagebaus und nördlich der zuletzt angelegten Abraumhalde hatte die Maxhütte in den 1950er Jahren mit der Anlage einer betrieblichen Abfalldeponie begonnnen. (bxh)

Am Ende wird das Gelände neu modelliert sein, die Grube mit einer Kunststoffdichtungsbahn absolut wasserdicht abgedeckt sein und Rasen auf der ehemaligen Deponie wachsen. Unklar blieb die Frage, warum die Sanierung gerade jetzt stattfindet. Hatte es doch schon 1999 bis 2001 Untersuchungen der Austria durch die Landesgewerbeanstalt Bayern im Auftrag der Regierung der Oberpfalz gegeben – laut Schustek schon damals mit dem Ergebnis, dass saniert werden muss. Erst 2011 kam es zur Wiederaufnahme des Verfahrens durch das Bauamt im Auftrag der Regierung. „Was dazwischen war, weiß ich nicht“, sagte Schustek.

Die Unterlagen zum Nordgautag 2002 in Maxhütte-Haidhof offenbaren, warum der Steuerzahler die Sanierung bezahlen muss: „Der Konkurs der Maxhütte 1987“, heißt es im Begleitband. Genau ermittelt wurde vor der Sanierung, was sich alles in der Deponie befindet. Insgesamt 13 Bohrungen fanden laut Schustek statt, außerdem gibt es die Werte der Messstellen. „Im Deponiekörper nachgewiesen wurden Abraum aus dem Braunkohleabbau, Hüttenschutt, Schlacke und ölhaltige Schlämme“, dazu noch Gewerbeabfälle, die aus dem Eisenwerk stammten. Bedeckt hielt sich der Abteilungsleiter des Bauamtes bei der Frage, was denn nun von den Messstellen genau in welcher Konzentration im Wasser nachgewiesen wurde. Auf Nachfrage sagte Schustek dazu, dass es „üblicherweise um Schwermetalle“ gehe. Diese lägen „bis auf einen Ausreißer“ im Bereich der „Hilfswerte 1 und 2“, was heiße „nicht stark verunreinigt“. Was der Ausreißer ist und die Frage nach der tatsächlichen Belastung blieb beim Termin vor Ort offen.

Nachbarn froh über Sanierung

Insgesamt schlummere in der Austria, die eine Fläche von rund 4,5 Hektar hat, bei einer maximalen Länge von 400 Metern und einer maximalen Breite von 140 Metern ein Abfallvolumen von 750 000 Tonnen beziehungsweise einem Volumen von rund 400 000 Kubikmetern. Im vom Schustek vorbereiteten Pressepapier hieß es, „die Untersuchungen ergaben für den Wirkungspfad Boden-Grundwasser ein hohes Schadstoff- und Emissionspotenzial. Für den Wirkungspfad Boden-Mensch und Boden-Nutzpflanzen wurden kein Schadstoff- und Emissionspotenzial nachgewiesen.“

Froh über die Sanierung sind auf jeden Fall die „Nachbarn“ der Grube, sprich die Städte Burglengenfeld und Maxhütte-Haidhof. „Wir begrüßen generell jede Maßnahme, die dem Schutz des Trinkwassers dient“, heißt es in Sachen bevorstehende Sanierung, so Hitzek. Auch in Maxhütte-Haidhof wird die Sanierung erfreut zur Kenntnis genommen. „Das ist sehr zu begrüßen“, so Bürgermeisterin Dr. Susanne Plank. Bisher seien zum Glück keine negativen Auswirkungen zu spüren gewesen.

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