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Studie

Die Klimaschützer vom Müllkraftwerk

Zum Abschluss des ZMS-Jubiläumsjahres legten Forscher der Verbandsversammlung Zahlen zur Umweltfreundlichkeit der Anlage vor.
Von Bettina Mehltretter

Der Prognose zufolge dürften bis Jahresende im Müllkraftwerk in Schwandorf 439 000 Tonnen Müll verbrannt worden sein. Foto: Dietmar Zwick
Der Prognose zufolge dürften bis Jahresende im Müllkraftwerk in Schwandorf 439 000 Tonnen Müll verbrannt worden sein. Foto: Dietmar Zwick

Schwandorf.Wer an Müll denkt, denkt an Dreck. Zum Finale seines Jubiläumsjahres hat sich der Zweckverband Müllverwertung Schwandorf (ZMS) nun aber mit einer schönen Seite beschäftigt. In den vergangenen 40 Jahren habe die Arbeit des ZMS auch im Zeichen des Umweltschutzes gestanden, betonte der Zweckverbandsvorsitzende, Landrat Thomas Ebeling, bei der Verbandsversammlung in Schwandorf.

So viel CO2-Äquivalente spart das Müllkraftwerk ein

Für das Jubiläumsjahr haben zwei Wissenschaftler – Prof. Dr. Mario Mocker von der OTH Amberg-Weiden und Dipl.-Ing. Werner P. Bauer – die klimarelevante Komponente analysiert. Ihr Ergebnis: In den 40 Jahren konnte die ZMS rund 8,3 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente gegenüber der früher üblichen Deponierung des Mülls einsparen. Einkalkuliert haben Mocker und Bauer die Effekte, die zum Beispiel durch die weitgehende Verlagerung des Mülltransports von der Straße auf die Schiene oder auch die Schließung der Hausmülldeponien entstanden sind. Die Nutzung von Deponien war in Deutschland zwar noch bis 2005 zulässig. Die ZMS-Mitglieder allerdings befüllten ihre schon deutlich eher nicht mehr. Einen erheblichen Anteil an der Einsparung von CO2 hat augenscheinlich auch der Umbau des damaligen Kohlekraftwerks der Vereinigten Aluminiumwerke AG (VAW) in das Müllkraftwerk, ein abfallbetriebenes Heizkraftwerk.

Müll-Zweckverband

  • Gründung:

    Neun Landkreise und fünf kreisfreie Städte hatten sich 1979 zu einem Zweckverband zusammengeschlossen, um gemeinsam ihren Restmüll umweltschonend und wirtschaftlich zu beseitigen. Dafür errichteten sie das Müllkraftwerk in Schwandorf. Heute hat der ZMS 17 Verbandsmitglieder.

  • VAG:

    Die bei der Verbrennung gewonnene Energie kam zunächst den Vereinigten Aluminiumwerken zugute, die bis dahin selbst ein Öl-Kohle-Kraftwerk betrieben hatten.

Bei der Verbandsversammlung ging Verbandsvorsitzender Thomas Ebeling auch auf aktuelle Themen ein – unter anderem auf die weiter angespannte Situation bei der Entsorgung von Gewerbemüll, also auf die Engpässe, die neben dem Zweckverband Müllverwertung Schwandorf auch alle anderen 13 kommunalen Müllverbrennungsanlagen in Bayern betreffen. „Wir haben es aber geschafft, eine leichte Entspannung herbeizuführen“, so Ebeling. Zum einen seien viele Gespräche geführt worden, unter anderem mit IHKs und den Handwerkskammern sowie den Entsorgungsbetrieben im Verbandsgebiet. Positiv – zumindest im Hinblick auf die Entsorgungssituation – wirke sich auch die leichte konjunkturelle Abkühlung aus.

Bei der Verbandsversammlung blickten die Verbandsräte auf ein umfangreiches Zahlenwerk. Foto: Bettina Mehltretter
Bei der Verbandsversammlung blickten die Verbandsräte auf ein umfangreiches Zahlenwerk. Foto: Bettina Mehltretter

Nichtsdestotrotz seien die Verbrennungskapazitäten in Bayern längst nicht mehr ausreichend. Und mittelfristig, betonte Ebeling, könnte sich die Entsorgungssituation sogar noch weiter verschärfen. Große Teile des Gewerbemülls, der bislang aus Süddeutschland zur thermischen Behandlung in die Schweiz exportiert worden war, werde ab 2021 dort nicht mehr angenommen. Zudem stehen den Verbrennungsanlagen in Bayern 2020 einige harte Tage bevor: Denn Bayerns größte Anlage in München muss dann für eine Woche wegen Umbaumaßnahmen abgeschaltet werden.

Einblicke ins Schwandorfer Müllkraftwerk

Erfreulich sei, dass nun seit Oktober die Sperrmüllsortieranlage in Bodenwöhr behördlich abgenommen und im vollen Einsatz sei. Dort werden aus dem Sperrmüll Rohstoffe gewonnen, die noch vermarktet werden können. 50 Prozent der sortierten Materialien können inzwischen verwertet werden. Auch das hilft dem Müllkraftwerk in der derzeit angespannten Lage. Im Jahr 2022 sollen in Bodenwöhr dann sogar pro Jahr 50 000 Tonnen Sperrmüll sortiert werden, im Zwei-Schicht-Betrieb.

Die Müllsortieranlage in Bodenwöhr läuft im Testbe

Zudem appellierte Ebeling bei der Versammlung an die Bürger: 2019 sei es wegen der Sorglosigkeit mancher in zahlreichen Sortieranlagen in Deutschland zu Bränden gekommen. Einerseits waren immer wieder gefährliche Stoffe wie Lithium-Ionen-Batterien im Hausmüll entsorgt worden, andererseits noch glimmende Aschen aus Holzöfen. Hier sei mehr Vernunft gefragt.

Entsorgung

Hier werden aus Sperrmüll Wertstoffe

Die Sortieranlage in Bodenwöhr geht nach acht Monaten in den Normalbetrieb. Hausmüll soll dort nicht mehr gelagert werden.

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