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Region Schwandorf
Donnerstag, 20. September 2018 26° 1

Tourismus

Die Kugel bringt es ins Rollen

Rund um den Steinberger See wird fleißig investiert. Einen „Ausverkauf“ wird es aber nicht geben, sagt der Bürgermeister.
Von Reinhold Willfurth

Während in der Gastronomie der Innenausbau erfolgt, wartet das Betonfundament der Holzkugel auf die Montage der Leimbinder. Foto: Willfurth
Während in der Gastronomie der Innenausbau erfolgt, wartet das Betonfundament der Holzkugel auf die Montage der Leimbinder. Foto: Willfurth

Steinberg am See.Ein echter Gäste-Ansturm: Was das heißt, konnte ein Steinberger Zimmervermieter kürzlich persönlich erleben. 60 Anrufer hätten nachgefragt, ob sie bei ihm übernachten könnten, berichtete er aufgeregt Bürgermeister Harald Bemmerl. Seine beiden Fremdenzimmer waren dann schnell ausgebucht.

Für den Ansturm waren Yoga-Begeisterte aus ganz Deutschland verantwortlich. Einige hundert Menschen kommen im Juni zum Yoga-Festival am See. Das ist in etwa die Dimension, mit der auch die Betreiber des „Inmotion Parks“ rechnen – und das täglich. Die größte begehbare Holzkugel der Welt, die an Pfingsten eröffnen soll, sorgt für Nachfolge-Investitionen am See, die an der Magnetwirkung der Kugel teilhaben wollen. Manchen Stammgästen und Bürgern, die die Ruhe und Naturnähe am Steinberger See schätzen, treibt allerdings auch die Sorge um, dass es um die Idylle dort bald geschehen sein könnte.

„Kein Remmidemmi am See“

Bürgermeister Harald Bemmerl Foto: Willfurth
Bürgermeister Harald Bemmerl Foto: Willfurth

Dass es nicht so weit kommen wird, dafür legt Bürgermeister Harald Bemmerl seine Hand ins Feuer. Auf die Kritik an der „Kommerzialisierung“ des Sees rät Bemmerl, die Kirche im Dorf zu lassen. Zum einen sei das Freizeitangebot mit der Holzkugel in erster Linie auf Familien zugeschnitten. „Und die machen kein Remmidemmi“. Auch die neuen Angebote im Fahrwasser der Kugel seien vor allem für Familien attraktiv. Zum anderen setzt Bemmerl bei neuen Investitionen auf die alteingesessenen Unternehmen und Vereine am See sowie auf die angestammten Vermieter im Oberpfälzer Seenland – mit einer Ausnahme: „Ein Hotel könnten wir noch gebrauchen“. Spaziergänger, Radler und Walker seien weiterhin hoch willkommen – und rund ein Drittel des Seeufers im Südwesten bleibe unbebaut.

„Ein Hotel könnten wir noch gebrauchen.“

Bürgermeister Harald Bemmerl

Was die Übernachtungsmöglichkeiten anbelangt, hofft der Bürgermeister auch auf seine Steinberger. Dort ist die Kugel-Euphorie bei potenziellen Vermietern noch nicht so recht angekommen. Der neuformierte Tourismusverein Wackersdorf-Steinberg am See soll Potenziale erschließen, auf Bürger zugehen. Überhaupt gilt Bemmerls Hauptaugenmerk – Kugel-Euphorie hin oder her – „meiner Gemeinde“. Die Vermarktung des touristischen Potenzials des gemeindeeigenen Sees funktioniere nur im Verbund mit den Gemeinden des Oberpfälzer Seenlands.

Parken am See kostet künftig

  • Gebühren:

    Wildes Parken am Steinberger See gehört bald der Vergangenheit an. Bis zu 1000 von der Gemeinde und Anliegern gebaute Parkplätze warten dann auf die Besucher. Bei großem Besucheransturm im Sommer sind einige Reserveparkplätze auf Wiesen von örtlichen Landwirten eingeplant. Die Parkplätze sind mit Schranke und Parkautomat bestückt. Maximal vier Euro soll das Tagesticket kosten.

  • Die Standorte im Einzelnen:

    Holzkugel (300 Stellplätze), Gasthaus Haller, Wakeboard-Anlage (180), Liegewiese beim Movin‘ Ground (100)m, Südufer und Damm zwischen Knappensee und Steinberger See

Im Verein mit dem Zweckverband Oberpfälzer Seenland will Bemmerl auch eine Beschilderung in möglichst einheitlichem Design durchsetzen – und damit einem weiteren Argwohn begegnen: das erhöhte Verkehrsaufkommen, das die touristische Aufwertung des Sees mit sich bringt. Schon jetzt klagen Anwohner der Knappenseestraße, dass ihre Wohnstraße als Schleichweg zum See oder zur Industriestraße missbraucht wird. Bemmerl zeigt Verständnis. Das Bürgerbegehren, das die Anwohner in Gang gesetzt haben, sei freilich rechtlich nicht zulässig. Nach einer Verkehrsschau mit der Polizei schlägt der Bürgermeister vor, einen 1,40 Meter breiten Streifen der Straße für Fußgänger, Radler und Kinderwagenfahrer abzutrennen.

„Parkgebühren müssen sein“

Dass die Gemeinde künftig Gebühren fürs Parken am Seeufer verlangt, verteidigt Bemmerl vehement: „Es kann nicht sein, dass die Gemeinde im Alleingang die Kosten für die Entwicklung des Sees stemmen soll“. Außer den bescheidenen Pachtgebühren nehme die Gemeinde nichts ein, habe aber viel Arbeit für Planung und Pflege des Ufers.

Das Gastronomiegebäude ist komplett aus Holz gefertigt. Foto: Willfurth
Das Gastronomiegebäude ist komplett aus Holz gefertigt. Foto: Willfurth

Die jetzigen Seeanlieger haben das neue touristische Potenzial durch den Bau der Holzkugel erkannt. So bauen Chrystelle und Steffen Wild in ihrer Wakeboardanlage die Gastronomie aus – und einen „Adventuregolf“-Platz gleich neben dem Kugel-Parkplatz. Dieter Schmidt, der am Freitag die Tore für seinen Freizeitpark „Movin’ Ground“ zur neuen Saison öffnet, pachtet den Wohnmobil-Stellplatz nebenan von der Gemeinde. Die 40 Stellplätze werden parzelliert und erhalten Stromanschlüsse. „Die Leute, die zur Kugel kommen, sollen auch angemessen campen können“, so Schmidt im MZ-Gespräch. „Familien, die bislang nur ein Wochenende hierherkamen, sollen Lust darauf bekommen, auch mal eine Woche oder zwei zu bleiben“.

Blick aus dem Gastrogebäude auf den See Foto: Willfurth
Blick aus dem Gastrogebäude auf den See Foto: Willfurth

Bewegung gibt es auch auf dem Areal neben dem Yachtclub. Hier sollen sechs neue Ferienhäuser entstehen. Und Michael Gradl, Betreiber der Segelschule, will mittelfristig, so Bemmerl, sein Gebäude erweitern und dort Übernachtungen anbieten.

Und schließlich könnte sich das Dauerproblem „Campingplatz“ nach langen Jahren des Wartens noch in diesem Jahr lösen. Mit drei Bewerbern, alle aus der Region, führe er derzeit Gespräche, „darunter zwei vielversprechenden“, sagt der Bürgermeister. Bis Mai sollen sie ihre jeweiligen Konzepte vorlegen. Fest stehe schon jetzt, dass ein naturnaher Campingplatz geplant sei, mit weniger Plätzen als bisher angedacht.

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