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„Die menschliche Seite ist gefragt“

Die evangelische Gemeinde in Burglengenfeld gewährt einem tschetschenischen Paar seit einer Woche Kirchenasyl und benötigt nun Helfer und Spenden.
Von André Baumgarten

Pfarrer Gottfried Tröbs (rechts) gewährt einem Paar aus Tschetschenien derzeit Kirchenasyl in Burglengenfeld. Unterstützt wird er von Marion Puhle (links) vom Regensburger Flüchtlingsforum.

Burglengenfeld. Seit vielen Jahren schon haben sie keine Heimat mehr, sind auf der Flucht – vor einem Regime, dass laut Einschätzungen von Amnesty International selbst vor Erschießungen Andersdenkender nicht zurückschreckt. Was Diana Hasanova und Timur Hasanov aus Tschetschenien auf ihrer Suche nach einem Leben in Freiheit durchleben mussten, ist für die meisten kaum vorstellbar. Die Angst ist so groß, dass sie weder ihre richtigen Namen nennen, noch sich fotografieren lassen wollen.

Die 32-Jährige musste mit ansehen, wie Militärs in ihrer Heimat Grosny Männer auf offener Straße erschossen. Auch sie wurde mehr als einmal zum Ziel – als Scharfschützen durch ein Fenster auf sie schossen und ein Militärfahrzeug sie anfuhr und dabei schwer verletzte. Auch ihr Ehemann lernte das System kennen, als ihm der zugesagte Wiederaufbau seines im Krieg mit Russland zerstörten Hauses verwehrt wurde und er Kritik übte. Aus Angst vor den Schergen des Regimes, die seine Familie daheim aufsuchten, flüchtete er zu Freunden.

Auf der Flucht haben sie geheiratet

Wohl der einzige Lichtblick für die beiden Tschetschenen: Sie haben sich 2010 auf ihrer Flucht in Dagestan kennen und lieben gelernt. 2011 heirateten sie. Diana ist schwanger; im Juli erwarten sie ein Kind – aber auch eine ungewisse Zukunft. Obwohl sie seit August 2011 in Österreich sind, hat die Angst nicht abgenommen. Davor, was sie erwartet, wenn sie in das Land ihrer persönlichen Alpträume zurückgeschickt werden. Denn der Asylantrag in Österreich wurde abgelehnt. Für nicht zuständig erklärte sich Deutschland (siehe Info), wo sie seit Februar 2013 sind. Selbst die Eingabe an den Petitionsausschuss des Landtags, den Marion Puhle vom Regensburger Flüchtlingsforum für sie gestellt hat, brachte keinen Erfolg.

Vorerst in Sicherheit sind sie nun bei der evangelischen Gemeinde in Burglengenfeld. Pfarrer Gottfried Tröbs gewährt den beiden Tschetschenen seit vergangenem Mittwoch Kirchenasyl. Der Geistliche hatte auf ein Schreiben des Dekans hin Hilfe angeboten. Einstimmig sagte der Kirchenvorstand zu, das Paar aufzunehmen und zu unterstützen. „Aus Menschlichkeit, nicht weil wir die Asylbehandlung werten“, betonte Tröbs. Man war sich einig, dass hier zuallererst christlicher Beistand gefragt ist. Auch im Wissen, das dies einen „Akt zivilen Ungehorsams“ darstellt. Diana solle in Ruhe und Sicherheit ihr Kind zu Welt bringen können. „Das wollen wir den beiden hier ermöglichen.“

Kleidung und Babyzubehör nötig

Dabei sei auch Hilfe von Burglengenfeldern gefragt. Für die Erledigung von Einkäufen, die nötigen Fahrten zu Ärzten, die allesamt unentgeltlich die Betreuung übernehmen, und natürlich den Kontakt zu Menschen aus ihrer früheren Heimat. „Die menschliche Seite ist jetzt gefragt“, sagt Pfarrer Tröbs. Auch Spenden sind willkommen oder freiwillige Gaben wie eine Babyausstattung und -zubehör, Umstandskleider (Größe 40-42), Schuhe für sie (Größe 38) oder ihn (Größe 44) und Bekleidung für ihn (XXL). Das Hab und Gut des Paares passte in einen normalen Auto-Kofferraum.

Mit dem Kirchenasyl soll dem Paar zudem die Möglichkeit gegeben werden, in Deutschland Asyl zu beantragen. Da sie in Österreich in die EU eingereist sind, ist dieses Land auch zuständig für das Verfahren. Deutschland wiederum wäre erst zuständig, wenn nach dem Bescheid zur Rücküberstellung nach Österreich mindestens sechs Monate vergehen. Laut Tröbs ein Grund, warum die Zahlen von Kirchenasyl stetig steigen. 2013 gab es laut einem Rundschreiben des evangelischen Landeskirchenrates allein in Bayern 22 Fälle, in diesem Jahr sind es bis April schon rund 20 Fälle.

Infoabend findet Donnerstag statt

Marion Puhle unterstützt das mit dem Regensburger Flüchtlingsforum seit 2006. Sie sagt: „Wir wissen von massiven Menschenrechtsverletzungen in diesem Land und die Behörden sagen aber, wird schon nicht so schlimm sein und schieben sie wieder ab.“ Die Bundesregierung müsse deshalb genauer hinschauen bei solchen Verfahren. Den Fall von Diana und Timur betreut sie seit einem halben Jahr. Neben einer schweren posttraumatischen Belastungsstörung durch das Erlebte sei Diana zudem schließlich schwanger. Wenn sie zurückkehren, könne man damit rechnen, dass sie vom Geheimdienst empfangen werden. Wo das dann endet, sei in zahlreichen Berichten dokumentiert. „In so ein Leben kann man die Menschen doch nicht zurückschicken.“

Hilfe ist deshalb gefragt: An diesem Donnerstag laden der Kirchenvorstand der evangelischen Gemeinde Burglengenfeld und Pfarrer Gottfried Tröbs alle Interessierten zu einem Infoabend ein, bei dem die möglichen Hilfen und auch die Helfer koordiniert werden sollen. Dieser findet am 22. Mai, um 19.30 Uhr im Gemeindehaus am Bonhoefferplatz statt.

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