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Politik

Die Nittenauer wollen „bunt“ sein

Friedlich verlief eine Kundgebung gegen die AfD am Marktplatz in Nittenau. Die rund 100 Bürger wollten „ein Signal geben“.
Von Renate Ahrens

Rund 100 Menschen protestierten gegen die AfD (hinten). Helga Heigl (Mitte) versucht ein Gespräch mit AfD-Mitgliedern. Foto: Renate Ahrens
Rund 100 Menschen protestierten gegen die AfD (hinten). Helga Heigl (Mitte) versucht ein Gespräch mit AfD-Mitgliedern. Foto: Renate Ahrens

NITTENAU.Mit entschlossenem Gesicht und forschem Schritt strebt Helga Heigl (80) zu der Seite des Marktplatzes, an der sich am Freitag die Kundgebung gegen den mobilen AfD-Stand gegenüber am Brunnen versammelt hat. Dazu aufgerufen hatte das Oberpfälzer Bündnis für Toleranz und Menschenrechte gemeinsam mit dem Kreisverband von Die Linke. Über 100 Menschen sind es, die mit Plakaten, bunten Regenschirmen und „bunter Musik“ aus vielen Ländern für „Toleranz und Menschenrechte – besonders in der Weihnachtszeit“ eintreten.

Mehr als 100 Menschen sind es, die mit Plakaten, bunten Regenschirmen und „bunter Musik“ für „Toleranz und Menschenrechte – besonders in der Weihnachtszeit“ eintreten. Foto: Renate Ahrens
Mehr als 100 Menschen sind es, die mit Plakaten, bunten Regenschirmen und „bunter Musik“ für „Toleranz und Menschenrechte – besonders in der Weihnachtszeit“ eintreten. Foto: Renate Ahrens

„Ich bin 80 Jahre alt und weiß, was rechte Gesinnung bewirken kann“, beantwortet Helga Heigl die Frage, warum sie heute hier ist. „Ich bin nicht gegen die Menschen, die dort stehen, sondern für eine wertschätzende Gesellschaft, in der jeder Mensch anerkannt wird.“ Die Nittenauerin ist im Jahr 1939 geboren, zu Kriegsbeginn also. Ihren Kindern und Enkeln möchte sie ersparen, was sie erlebt hat, sagt sie – die Bombennacht in Dresden zum Beispiel. Deshalb hat sie auch keine Scheu, nun die Straße zu überqueren und mit den Mitgliedern und Anhängern der AfD eindringlich über deren Beweggründe zu reden.

Die Demo

  • Polizei:

    „100 Prozent Deeskalation“ sei das Ziel, erklärte Einsatzleiter Thomas Schmidt. Es blieb „völlig friedlich“.

  • Teilnehmer:

    Vertreter einiger Parteien waren vor Ort, wie Grüne, Linke oder SPD, und die Bildungsgewerkschaft GEW.

  • Kirche:

    Pfarrer Adolf Schöls überlegte eine „Glockenprüfung“, wenn gehetzt würde. Dazu kam es nicht.

Auf der Seite der AfD befinden sich an diesem Freitagnachmittag weit weniger Menschen. Bürgermeister Karl Bley versucht bereits, mit AfD-Mitgliedern ins Gespräch zu kommen – über Familienpolitik beispielsweise, oder über Europa. Später erklärt er der Mittelbayerischen, er habe damit ein Signal geben wollen, aber: „Ich habe keine Antwort bekommen.“ Er wundere sich, warum die AfD überhaupt Nittenau als „Schauplatz ihrer Kundgebung“ gewählt hat. „Und ich freue mich, dass sich ein Gegenpol der AfD über alle Parteien und aus allen Generationen formiert hat.“

„Ich freue mich, dass sich ein Gegenpol der AfD über alle Parteien und aus allen Generationen formiert hat.“

Bürgermeister Karl Bley

Tatsächlich sind überraschend viele junge Menschen gekommen. Mehrere Gruppen junger Mädchen des Regentalgymnasiums und der Realschule Roding wollen die politischen Standpunkte der AfD persönlich hören – und zum Beispiel, warum auf einem Flyer der Afd ein Edelweiß abgebildet ist. „Wir sind eben für Natur“, so lautete die lapidare Antwort. Die Frage einer Schülerin, ob die AfD gegen Ausländer sei, verneinen die 21-jährige Ewa-Mellina Marino aus Weiden und Christina Wilhelm (beide AfD), die sagt: „Wir wollen nur keine Flüchtlinge, die aus wirtschaftlichen Gründen kommen.“ Die 16-jährige Lilly vom Regentalgymnasium bleibt bei ihrer Meinung: „Jeder hat ein Recht auf ein gutes Leben. Auch Wirtschaftsflüchtlinge sollen willkommen sein.“

Unterschiedliche Reaktionen

Viele Teilnehmer hatten Plakate mitgebracht. Foto: Renate Ahrens
Viele Teilnehmer hatten Plakate mitgebracht. Foto: Renate Ahrens

Die Atmosphäre auf der Seite der AfD ist gespannt, während auf der Seite der Protestgegner gute Stimmung herrscht und gelacht wird. Auch Sandro Sahiti (17), der in seiner Mittagspause mit Freunden gekommen ist und „Friedenspfeife“, also Wasserpfeife, hier raucht, gibt der AfD keine Chance: „Nittenau ist viel zu bunt.“

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