mz_logo

Region Schwandorf
Donnerstag, 20. September 2018 26° 1

Wasser

Die Schlagzahl soll erhöht werden

Werkleiter Walter Zurek will das städtische Wasserleitungsnetz schneller erneuern und plant millionenschwere Investitionen.
Von Hubert Heinzl

Zuletzt wurde in der vergangenen Woche die Wasserleitung in der Zengerstraße erneuert. Foto: Städtische Wasser- und Fernwärmeversorgung
Zuletzt wurde in der vergangenen Woche die Wasserleitung in der Zengerstraße erneuert. Foto: Städtische Wasser- und Fernwärmeversorgung

Schwandorf.Das größte Sorgenkind wird bald verschwinden: Wenn die Stadt demnächst mit dem Umbau der Friedrich-Ebert-Straße beginnt, wird auch Schwandorfs älteste Wasserleitung von 1909 aus dem Verkehr gezogen. Aber das ist nur die Spitze des Eisbergs. Viele der Rohre im 400 Kilometer langen Leitungsnetz der Stadt sind in einem schlechten Zustand, sagt Werkleiter Walter Zurek.

Zwischen 90 und 100 Wasserrohrbrüche beklagt die Städtische Wasser- und Fernwärmeversorgung jährlich; die Wasserverluste auf dem Weg zum Verbraucher schwanken regelmäßig zwischen neun und 13 Prozent. „Das ist angesichts des großen Versorgungsgebiets gar nicht so schlecht“, sagt Zurek. Trotzdem hält er es für sinnvoll, dass die Stadt ihre Anstrengungen für Instandhaltung und Sanierung deutlich erhöht. Bisher werden im Jahr gerade einmal 600 bis 900 Meter Leitungen erneuert. Der Werkleiter will die Schlagzahl jetzt wenigstens verdoppeln – so steht es in einem Strategiepapier bis zum Jahr 2030, das der Stadtrat im Grundsatz gebilligt hat.

Ortsteil Klardorf im Fokus


Aber das ist noch längst nicht alles. Auch in die Anlagen will die Städtische Wasser- und Fernwärmeversorgung in den nächsten Jahren wieder kräftig investieren. Nach dem Hochbehälter auf dem Weinberg (2000), der neuen Wasseraufbereitungsanlage in Krondorf (2003 bis 2006) oder dem Brunnenbau im Kreither Forst (2008 bis 2010) steht in den nächsten Jahren vor allem der Ortsteil Klardorf im Fokus. Hier muss laut Zurek die Trinkwasseraufbereitungsanlage aus den 60er Jahren auf den aktuellen Stand der Technik gebracht werden. Sie versorgt neben Klardorf auch die benachbarten Orte westlich der Naab.

Während der Modernisierung müssen Stadtsüden und -westen über das Wasserwerk in Krondorf versorgt werden. Dafür soll noch in diesem Jahr eine neue Trinkwasserhauptleitung zwischen Gögglbach und Naabsiegenhofen verlegt werden. Und in Klardorf selbst sind in den nächsten zehn bis 15 Jahren über elf Leitungskilometer auszutauschen, weil in den Rohren die Eisenoxid-Ablagerungen regelrecht wuchern. „Wenn das Wasser braun aus der Leitung kommt, dann haben wir natürlich ein Problem“, sagt Zurek. Allein in Schwandorfs südlichstem Ortsteil summieren sich die Investitionen auf rund sieben Millionen Euro.

Parallel zum Projekt Klardorf will Werksleiter Walter Zurek auch die letzten maroden Leitungen in der Kernstadt austauschen. Auf dem Weinberg etwa gibt es noch Altlasten aus den 40er und 50er Jahren, als manche Siedler ihre Wasserrohre in Eigenregie verlegten. Nicht immer mit profunden Fachkenntnissen und dem besten Material. Rund 2,7 Leitungskilometer müssen hier wohl erneuert werden. Im Bereich der Altstadt sind laut Zurek noch Abschnitte am Marktplatz, in der Weinbergstraße, an Kloster- und Schwaigerstraße sanierungsbedürftig. Für Weinberg und Innenstadt rechnet der Werkleiter mit einem Aufwand von rund zwei Millionen Euro.

Noch zwei weitere Themen will der Leiter der Städtischen Wasser- und Fernwärmeversorgung bis ins Jahr 2030 möglichst abhaken. Problem Nummer eins ist die Wasserversorgung in Kreith, die schon jetzt an ihre Grenzen stößt. Da in dem Ortsteil zusätzliche Baugebiete vorgesehen sind, muss irgendwann aufgestockt werden. Geplant sind ein zusätzlicher Hochbehälter in Kreith und eine bessere Anbindung des Industriegebiets Sitzenhof (Horsch), von Irlbach und den Gebäuden bei der Mathiaszeche, so dass das Gebiet nicht nur von Krondorf aus, sondern auch über die Aufbereitung bei Breitenbrunn erschlossen werden könnte. Noch immer steht schließlich die Frage im Raum, ob die Stadt Schwandorf nicht einen Zubringer für den Markt Schwarzenfeld errichten wird, der bei der Wasserversorgung langsam an seine Grenzen stößt.

Die Kosten: 13,5 Millionen Euro


All das kostet. Auf 13,5 Millionen Euro beziffert Werkleiter Zurek die fälligen Investitionen bis zum Jahr 2030, denen der Schwandorfer Stadtrat im einzelnen natürlich erst noch zustimmen muss. Eine bis 1,5 Millionen Euro pro Jahr wären nach dieser Rechnung zusätzlich zu finanzieren – zusätzlich zum bisherigen Standardprogramm. Denn natürlich bleibt die Städtische Wasser- und Fernwärmeversorgung auch künftig gefordert, wenn Baugebiete erschlossen oder mit einzelnen Straßen auch gleich die Wasserleitungen saniert werden müssen.

Finanzieren will Zurek das Investitionsprogramm angesichts der Niedrigzinsphase auf dem Kreditmarkt. Seine Rechnung geht so: Das Geld, das in den vergangenen 15 Jahren für die Tilgung verwendet wurde, rund eine Million Euro im Jahr, soll nun buchstäblich in der Erde vergraben werden. „Die Zeit ist günstig für einen Investitionsschub“, sagt der Werkleiter. Er hofft nur, dass ihm die Hochkonjunktur am Bau nicht noch einen Strich durch die ein oder andere Maßnahme macht – weil Kapazitäten und damit realistische Angebote fehlen.

Langfristig müssen die Kosten ohnehin auf die Bürger umgelegt werden. Werkleiter Zurek rechnet auf Sicht aber allenfalls mit moderaten Erhöhungen. Denn auch in die aktuellen Wassergebühren sind ja bereits Millionen-Investitionen eingepreist.

Aktuelles aus der Region und der Welt gibt es über WhatsApp direkt auf das Smartphone: https://www.mittelbayerische.de/whatsapp

Mehr Nachrichten aus Schwandorf lesen Sie hier.

https://www.mittelbayerische.de/schwandorf

Investitionen

  • Leitungsnetz:

    Das Wasserleitungsnetz in der Stadt Schwandorf ist etwa 400 Kilometer lang. Das Versorgungsgebiet hat eine Fläche von 120 Quadratkilometern.

  • Aufbereitungsanlage Klardorf:

    Die Anlagentechnik aus den 60er Jahren muss erneuert werden. Voraussichtlich 2020 wird das Wasserwerk Klardorf für zwei Jahre vom Netz gehen. Die Versorgung läuft dann über Krondorf. Foto: szd
    Das Grundwasser in Klardorf ist stark eisenhaltig, über elf Kilometer Trinkwasserleitungen in dem Ortsteil stark durch Eisenoxid korrodiert. Die Kosten des Austauschs: 5,5 Millionen Euro. Foto: SWFS
    Vor allem am Weinberg, an der Weinbergstraße, am Marktplatz und an Schwaiger- und Klosterstraße gibt es abschnittsweise noch alte Leitungen. Kosten für die Erneuerung: 2 Millionen Euro. Foto: Heinzl

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht