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Region Schwandorf
Montag, 23. Juli 2018 26° 2

Ackerbau

Die Sojabohne ist groß im Kommen

Immer mehr Landwirte im Landkreis Schwandorf setzen auf die Eiweiß-Pflanze. So wie Stefan Kiener (32) aus Münchshöf.
Von Hubert Heinzl

Stefan Kiener aus Münchshöf ist einer der Pioniere des Sojabohnen-Anbaus im Landkreis Schwandorf. Foto: Heinzl
Stefan Kiener aus Münchshöf ist einer der Pioniere des Sojabohnen-Anbaus im Landkreis Schwandorf. Foto: Heinzl

Schwandorf.Stefan Kiener taucht tief ein in das grüne Meer an der Gemeindeverbindungsstraße Richtung Deiselkühn. Die Pflanzen stehen gut, der 32-Jährige ist zufrieden. Die Eisheiligen sind heuer ausgeblieben, und das passt den Sojabohnen, die er hier auf einem von insgesamt 18 Hektar Fläche anbaut. Vor acht Jahren war der Münchshöfer einer der ersten im Landkreis; seine Meisterarbeit hat er über die Eiweiß-Pflanze geschrieben. Doch inzwischen findet der Pionier von damals immer mehr Mitstreiter.

Nach Angaben aus dem Landwirtschaftsamt Nabburg hat sich die Soja-Anbaufläche in der Region in den vergangenen Jahren rapide nach oben entwickelt. Bis 2014 dümpelten die Zahlen irgendwo zwischen zehn und 30 Hektar. Doch inzwischen produzieren bereits 48 Betriebe auf einer Fläche von 257 Hektar die ursprünglich aus China und Südostasien stammende Nutzpflanze.

In den Wurzel-Knöllchen leben Bakterien, die die Pflanze mit Stickstoff aus der Luft versorgen. Foto: Heinzl
In den Wurzel-Knöllchen leben Bakterien, die die Pflanze mit Stickstoff aus der Luft versorgen. Foto: Heinzl

Warum, das kann vielleicht keiner besser erklären als Stefan Kiener. Den Landwirt hat nach eigenen Worten „schon immer das Neue gereizt“, aber er war auch auf der Suche nach einem alternativen Ausgleichsfutter für die 60 Milchkühe, die er im Stall stehen hat. Mit Ackerbohnen hat er schlechte Erfahrungen gemacht, als ihm ein Unwetter den ganzen Bestand vernichtete. Und der Raps ist für den Landwirt nach dem Verbot etlicher bienenschädlicher Neonicotinoide und der dadurch zu erwartenden Ertragsausfälle wohl keine Option mehr.

Nicht sehr arbeitsintensiv

In der Sojabohne dagegen sieht er großes Potenzial. Sie ist wenig empfindlich gegen längere Trockenperioden und gilt daher für Fachleute in Zeiten des Klimawandels als Nutzpflanze mit Zukunft. Nur zum Keimen sollte es ausreichend feucht sein. „Und nur wenn die Pflanzen jetzt, also zu Beginn der Blüte, genügend Wasser haben, dann sind die Erträge in der Regel gut“, weiß Kiener aus Erfahrung. Die Nutzpflanze benötigt nur wenig Dünger, denn mithilfe der Knöllchenbakterien holt sie sich den nötigen Stickstoff aus der Luft. Auch Insektizide braucht es bisher nicht, denn „in Deutschland gibt es noch keinen bekannten Schädling“.

„Wir brauchen in der Region mehr Strukturen der Verarbeitung und des Handels.“

Josef Wittmann, BBV-Kreisgeschäftsführer

Und spritzen muss Stefan Kiener nur einmal, zur Aussaat. Den Rest erledigt die Sojabohne mit ihrem üppigen Wuchs. „Der Anbau ist vergleichsweise wenig arbeitsintensiv“, sagt Kiener, das macht die Nutzpflanze ebenfalls attraktiv. Und: Züchtung und Produktion erfolgen in Deutschland ganz ohne Gentechnik, weshalb sich die Sojabohne nach seinen Worten „vor allem auch für Bio-Betriebe eignet“.

Die kleinen Blüten entwickeln sich im Juni. Dann sollte es ausreichend regnen, damit die Erträge stimmen. Foto: Heinzl
Die kleinen Blüten entwickeln sich im Juni. Dann sollte es ausreichend regnen, damit die Erträge stimmen. Foto: Heinzl

Natürlich ist auch bei der Körner-Leguminose, wie sie die Fachleute nennen, nicht alles Gold, was glänzt. Stefan Kiener musste mehr als einmal Lehrgeld zahlen; seine Erträge schwankten zwischen zehn und 45 Doppelzentner pro Hektar. „Das Problem ist, dass die Pflanze zum Keimen zehn Grad braucht und ziemlich kälteempfindlich ist. Aber im Fünfjahresschnitt passt’s“, weiß der 32-Jährige. Fachleute arbeiten zudem seit einigen Jahren an neuen Varianten, die früher reifen und robuster sind – auch gegen Frosttage. „Noch im Dezember melden wir zwei neue Sorten zur Zulassung an. Alles ganz traditionell gezüchtet“, kündigt etwa Berthold Bauer von der gleichnamigen Saatgut-Firma aus Obertraubling an. „Wir sind auf einem guten Weg“, sagt Stefan Kiener, der sich von der Eiweiß-Pflanze für den heimischen Hof noch viel erwartet.

„Wir brauchen mehr Strukturen“

Was ausbaufähig ist, sind Vermarktung und Weiterverarbeitung. Kiener hat das Glück, dass die nächste Toast-Anlage, in der die Sojabohnen haltbar und futterfertig gemacht werden, gleich um die Ecke in Irrenlohe bei Landwirt Christian Gradl steht. Und inzwischen gibt es auch Flex-Mähwerke, die mit den unterschiedlich hohen Fruchtständen zurechtkommen. Aber das reicht noch nicht aus.

Und so sehen die reifen Sojabohnen aus. Foto: dpa/Daniel Karmann
Und so sehen die reifen Sojabohnen aus. Foto: dpa/Daniel Karmann

„Wir brauchen in der Region mehr Strukturen der Verarbeitung und des Handels“, fordert BBV-Kreisgeschäftsführer Josef Wittmann. Er sieht die Sojapflanze bei den Futtermitteln eher als Ergänzung zum Raps, unter den heimischen Nahrungsmittel dagegen als Pflanze mit großer Perspektive. Der Geschäftsführer: „Über den Einzelhandel wird verstärkt GVO-freier Soja nachgefragt“ – produziert also ohne Zuhilfenahme „gentechnisch veränderter Organismen“. Aber eins ist auch klar: Bis Tofu aus der Region einmal im Supermarkt landen dürfte, wird Stefan Kiener aus Münchshöf, der Soja-Pionier, noch viele Ernten einfahren.

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