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Energiewende

Die Sonne sorgt für sauberes Trinkwasser

Pumpen sollen effizienter, die Stromversorgung „grüner“ werden. Dafür investiert die Nord-Ost-Gruppe in ein Pilotprojekt.
Von Roland Thäder

Werner Schärtl, Geschäftsführer des Zweckverbands Nord-Ost-Gruppe, erklärt, wie das Neunburger Trinkwasser in der Bodenwöhrer Senke gewonnen wird. Foto: Thäder
Werner Schärtl, Geschäftsführer des Zweckverbands Nord-Ost-Gruppe, erklärt, wie das Neunburger Trinkwasser in der Bodenwöhrer Senke gewonnen wird. Foto: Thäder

Neunburg.Die Pumpen in der Wasseraufbereitungsanlage in Erzhäuser laufen auf Hochtouren. Das Pfeifen ihrer Elektromotoren macht einen ohrenbetäubenden Lärm. Gerade im Sommer wird viel Wasser benötigt. Doch die Förderung von Trinkwasser ist, weil es tief aus der Erde hoch gepumpt wird, sehr energieintensiv. Jetzt will die Nord-Ost-Gruppe, der Neunburger Zweckverband zur Wasserversorgung, neue Wege gehen. Der Prozess der Wasseraufbereitung soll weitgehend mit Sonnenenergie betrieben werden. 600 000 Euro investiert die Nord-Ost-Gruppe in das Projekt. Und auch die Europäische Union gibt Fördergelder. Laut Bauministerium ist dies derzeit bayernweit das einzige so geförderte Projekt, das regenerative Energien und Wasserversorgung kombiniert.

Der Zweckverband fördert pro Jahr bis zu 1,6 Millionen Kubikmeter Trinkwasser aus fünf Tiefbrunnen und versorgt damit rund 15 000 Menschen. Die Brunnen, die im Postloher und Taxöldener Forst auf Bodenwöhrer Gemeindegebiet liegen, reichen zwischen 80 und 120 Meter tief in die Erde. Sie sind bis zu 60 Jahre alt. Brunnen 1 wurde 2015/16 saniert, Brunnen 2 soll im kommenden Jahr überholt werden. Die wasserrechtliche Genehmigung von Landrats- und Wasserwirtschaftsamt dafür stehe noch aus, sagt der Geschäftsführer der Nord-Ost-Gruppe, Werner Schärtl, der Mittelbayerischen.

Die alten Pumpen werden durch Hocheffizienzpumpen ersetzt. Im nächsten Jahr soll ein weiterer Tiefbrunnen saniert werden. Foto: Thäder
Die alten Pumpen werden durch Hocheffizienzpumpen ersetzt. Im nächsten Jahr soll ein weiterer Tiefbrunnen saniert werden. Foto: Thäder

Zwar steige in den heißen Sommermonaten, wie auch in diesem Jahr, der Wasserverbrauch an. „Die Menschen schwitzen dann mehr und waschen folglich mehr Wäsche oder gießen in Gewächshäusern“, sagt Schärtl. Aber ein Wassermangel sei auf absehbare Zeit nicht zu erwarten.

Der Grundwasserspiegel in der Bodenwöhrer Senke sinkt nicht

Auch ein Absinken des Grundwasserspiegels in der Bodenwöhrer Senke sei nicht zu beobachten, weiß Schärtl. Die Senke, die von Amberg bis Cham reicht, sei einfach zu groß. Die Gesteinsschichten bestehen aus Kreide, Sandstein und Ton. „Die Bodenwöhrer Senke ist sehr detailliert untersucht“, erläutert Schärtl. Dies gehe auch auf die früheren Pläne zum Bau der WAA bei Wackersdorf zurück. Bis das Wasser in der Tiefe angekommen ist, dauere es Jahre. Ob es also zu einer nachgelagerten Verringerung des Wassernachschubs aufgrund der Trockenheit der vergangenen beiden Sommer kommt, lasse sich heute nicht sagen, erklärt Schärtl.

Ein Schaubild von der Zusammensetzung der Erdschichten in der Bodenwöhrer Senke. Sie bestehen aus Kreide, Sandstein und Ton. Foto: Thäder
Ein Schaubild von der Zusammensetzung der Erdschichten in der Bodenwöhrer Senke. Sie bestehen aus Kreide, Sandstein und Ton. Foto: Thäder

Die tägliche Wasserfördermenge der Nord-Ost-Gruppe liegt zwischen 3500 und 4000 Kubikmeter, weiß Wassermeister Torsten Hergenröther. Er hat die genauen Wassermengen vom Vortag am Computer in der Zentrale in Bärnhof auf dem Bildschirm.

Das Projekt und die Verbandsmitglieder

  • Zweckverband:

    Neunburg, Schwarzhofen, Thanstein, Neukirchen-Balbini, Dieterskirchen, Winklarn, Niedermurach, Schwarzenfeld, Schwarzach bei Nabburg. Teile des Stadtgebiets von Oberviechtach und der Gemeinde Teunz werden mitversorgt, ohne dass sie dem Verband angehören.

  • Projekt:

    Sechs Förder- und Spülpumpen werden durch Hocheffizienzpumpen ersetzt. Die alten Gebäude werden abgerissen. Eine PV-Anlage mit 160 kWP Leistung wird errichtet, ein Batteriespeicher für den Solarstrom und mit Notstromfunktion errichtet.

Einen erheblichen Teil des Stroms, der für das Pumpen benötigt wird, soll künftig eine Photovoltaikanlage liefern. Diese wird neben der Wasseraufbereitungsanlage hoch über der Bodenwöhrer Senke errichtet. Dafür müssen das Gebäude der früheren Aufbereitungsanlage und die benachbarte frühere Wasserwart-Wohnung weichen. Beide werden abgerissen, bevor die Nord-Ost-Gruppe das Projekt im kommenden Jahr realisiert, erklärt Schärtl. Auf dem freien, 1600 Quadratmeter großen Gelände soll die PV-Anlage mit einer Leistung von 160 Kilowatt/Peak kWP errichtet werden.

Ebenfalls erneuert werden vier Förderpumpen. Sie werden durch effizientere ersetzt. In der Wasseraufbereitungsanlage selbst, in der die Pumpen zuverlässig ihren Dienst verrichten, sorgt das Wasser in den Edelstahlleitungen für eine Temperatur von 13 Grad Celsius. Entfeuchter halten die Luftfeuchtigkeit auf konstant 65 Prozent, damit die Wasserrohre nicht beschlagen. Dies und eine höhere Luftfeuchtigkeit könnte der Elektrotechnik zusetzen.

Europa und der Freistaat fördern „Leuchtturmprojekt“

Die Förderzusage der Regierung der Oberpfalz für die PV-Anlage hat Schärtl bereits in der Schublade. Der Fördermittelbedarf beläuft sich auf 70 Prozent. Das sind 425 000 Euro. Die Zuschüsse werden vom Freistaat und aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung gewährt. Ziel ist es, im Zuge des Klimaschutzes den Kohlendioxidausstoß zu verringern. Der Eigenanteil des Zweckverbands würde 182 000 Euro betragen.

Das alte Wasserwärterhaus in Erzhäuser wird schon lange nicht mehr bewohnt. Heute wird die Aufbereitungsanlage digital von Bärnhof aus gesteuert. Foto: Thäder
Das alte Wasserwärterhaus in Erzhäuser wird schon lange nicht mehr bewohnt. Heute wird die Aufbereitungsanlage digital von Bärnhof aus gesteuert. Foto: Thäder

Wenn das Projekt verwirklicht ist, spart die Nord-Ost-Gruppe viel Geld bei der Wasserförderung, weil sie weniger Strom zukaufen muss. Die errechnete Ersparnis beim Strom liegt dann bei 57 000 Euro pro Jahr. Wie sich die Investitionen auf den Wasserpreis auswirken werden, ist noch nicht geklärt, weil auch andere Posten in die Kalkulation einfließen.

Bei der Auswahl der Förderprojekte durch die Regierung der Oberpfalz sei es maßgeblich gewesen, dass es sich um ein „Leuchtturmprojekt“ handelt, heißt es dazu in der Ausschreibung der Bayerischen Staatsregierung zum Auswahlverfahren. „Die Projekte sind wesentlicher Teil eines Maßnahmebündels mit hoher Effektivität und Ressourcennutzung mit Vorbildcharakter“, heißt es dort weiter.

Wassertourismus und Plastikmüll vermeiden

Ressourcenschonung ist auch für Schärtl ein Thema. Er spürt im Zuge der Debatte um den Klimawandel eine Sensibilisierung der Bevölkerung auch für das Thema Wasser. Eine Flasche Mineralwasser im Supermarkt koste um die 50 Cent. Ein Liter Trinkwasser der Nord-Ost-Gruppe hingegen lediglich 0,00127 Cent rechnet der Geschäftsführer vor. Für einen Schluck Wasser brauche man nur ein Glas unter den Wasserhahn zu halten und den aufzudrehen. „Damit vermeidet man auch noch Plastikmüll und Wassertourismus“.

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Schließlich kommt Mineralwasser teilweise bis aus Frankreich und Italien in die Supermärkte, erinnert Schärtl. Dabei lässt die Trinkwasserqualität aus der Senke nichts zu wünschen übrig. „Sämtliche Grenzwerte sind eingehalten oder unterschritten. Die Proben sind bakteriologisch einwandfrei“, heißt es in der jüngsten Trinkwasseranalyse. Und Trinkwasser ist das wohl am besten kontrollierte Lebensmittel überhaupt. Etwa 100 Mal pro Jahr werden Proben aus Neunburg analysiert.

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