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Lokalpolitik

Die SPD gibt beim Klimaschutz Gas

Muss umweltfreundlichere Energie sündhaft teuer sein? Der Burglengenfelder Stadtrat Deml sagt Nein und verblüfft mit Ideen.
Von Thomas Rieke

SPD-Rat Hans Deml hat vorgeschlagen, für kommunale Immobilien Ökogas zu nutzen. Basis dafür ist Strom aus Windenergie, der mit Hilfe der Elektrolyse in Wasserstoff umgewandelt wird. Unser Bild zeigt eine Power-to-Gas-Anlage in Mainz. Foto: Andreas Arnold/dpa
SPD-Rat Hans Deml hat vorgeschlagen, für kommunale Immobilien Ökogas zu nutzen. Basis dafür ist Strom aus Windenergie, der mit Hilfe der Elektrolyse in Wasserstoff umgewandelt wird. Unser Bild zeigt eine Power-to-Gas-Anlage in Mainz. Foto: Andreas Arnold/dpa

Burglengenfeld.Dass der Kampf gegen die aus dem Ruder laufende Erderwärmung Geld kostet, ist jedem klar. Doch wie teuer dürfen Investitionen in den Klimaschutz sein? Darüber scheiden sich die Geister. Als Stadtbaumeister Franz Haneder jüngst erklärte, der Umstieg auf reines Biogas für die kommunalen Gasheizanlagen im Schulzentrum, Rathaus etc. würde bis zu achtmal mehr kosten als bisher, zogen die Mitglieder des Bau- und Umweltausschusses die Bremse. Die zusätzlichen Kosten von mehreren Hunderttausend Euro wären dem Steuerzahler nicht vermittelbar. Doch das Thema ist nicht erledigt. SPD-Stadtrat Hans Deml ließ nämlich mit neuen Informationen aufhorchen, die das Ganze in anderem Licht erscheinen lassen.

Hans Deml, stellvertretender Fraktionschef der SPD, ist ein aufmerksamer Beobachter des Energiemarkts. Foto: K. Deml
Hans Deml, stellvertretender Fraktionschef der SPD, ist ein aufmerksamer Beobachter des Energiemarkts. Foto: K. Deml

Der stellvertretende SPD-Fraktionschef erklärte am Mittwoch in der Ratssitzung, mit Verwunderung habe er aus der Zeitung erfahren, dass viele Mandatsträger, die ausgiebig über Klimaschutz redeten, in der Praxis schnell der Mut verlasse. Das müsse nicht sein, denn nach seinem Kenntnisstand gibt es für die bisherige Erdgasversorgung (mit zehnprozentigem Biogasanteil) eine umweltfreundlichere Alternative – ohne sündhaften Zuschlag. Ob die Verwaltung schon mal etwas von „Power-to-Gas“ gehört habe?

Anbieter investieren in Klimaschutzprojekte

Dabei wird überschüssiger Windstrom in sauberen Wasserstoff umgewandelt, der dann als klimaneutrales (Öko-)Gas ins Netz eingespeist wird. Greenpeace Energy bietet sowas an – laut Deml zu einem Preis, der „nur“ doppelt so hoch wie der für gewöhnliches Erdgas ist.

Die bisherige Gasversorgung

  • Situation:

    Die Stadt Burglengenfeld betreibt in kommunalen Gebäuden rund zehn Gasheizungsanlagen. Der Energiejahresbedarf liegt (ohne Bulmare) im Schnitt bei 1,9 Millionen Kilowattstunden. Bisher wurde Erdgas verfeuert, dem wie üblich zehn Prozent Biogas beigemischt sind. Bliebe alles wie gehabt, wäre mit rund 40.000 Euro Kosten, zuzüglich Energiesteuer und Netzentgelte, zu rechnen.

  • Alternative:

    Ein Umstieg auf „Biogas“ käme laut Stadtverwaltung um ein Vielfaches teurer. Nun kommt das sogenannte Ökogas (Windgas) ins Spiel. Für Ökogas wird überschüssiger Windstrom in Wasserstoff verwandelt, der ins Erdgasnetz eingespeist wird. Hierfür müsse der Verbraucher nicht unbedingt mit Mehrkosten rechnen, so SPD-Rat Deml.

  • Sonstiges:

    Das Bulmare hat einen ganz eigenen Vertrag; es wäre aktuell von einer Umstellung nicht tangiert. (ht)

Deml selbst nutzt als Privatmann bereits Ökogas von LichtBlick und zahlt dafür nach seinen Angaben nicht mehr, als wenn er Gas von einem Standard-Anbieter beziehen würde, der nicht in Klimaschutzprojekte investiert.

Deml war mit diesen Ausführungen etwas gelungen, was kaum einer für möglich gehalten hätte. Trotz Zeitdrucks wurde der Beschluss, die Verwaltung mit einer neuen Auftragsvergabe zur Stadtgaslieferung zu ermächtigen, bis 1. Oktober vertagt. Bis dahin will sich Stadtbaumeister Haneder schlau machen und nach Alternativen suchen, die den Vorstellungen Demls entsprechen. „Wir kümmern uns! Ihr müsst aber auch sagen, wie viel wir ausgeben dürfen“, sagte er. SPD-Fraktionschef Sebastian Bösl gab eine klare Ansage: „Bis zum doppelten Preis gehen wir mit!“

Verkehr

Elektrofahrzeuge? – „Nein Danke!“

Der Burglengenfelder Unternehmer und ehemalige Grünen-Stadtrat Oliver Ehrenreich erklärt, weshalb er auf den Diesel setzt.

Bösl zitiert aus dem Alten Testament

Bösl war es auch, der erneut die Gelegenheit wahrnahm, für den SPD-Antrag auf Erstellung eines Energie- und Klimaschutzkonzeptes zu werben. Dabei zitierte er sogar aus dem 1. Buch des Alten Testaments, in dem Gott die Menschen auffordert, sich „die Erde unterthan zu machen“.

SPD-Fraktionschef Sebastian Bösl wirbt für ein kommunales Klimaschutzkonzept. Foto: Neuroth
SPD-Fraktionschef Sebastian Bösl wirbt für ein kommunales Klimaschutzkonzept. Foto: Neuroth

Das hätten die Menschen wohl ein bisschen zu wörtlich genommen, meinte Bösl sinngemäß. Ungeachtet des Klimawandels würden weiter munter Regenwälder abgeholzt und Kohlekraftwerke errichtet. Was speziell Deutschland angehe, so rangiere es auf Rang sechs der größten CO2-Emittenten, obwohl hier nur ein Prozent der Weltbevölkerung lebt.

„Auf Begriffe wie ,Klimanotstand‘ verzichten wir, denn die lösen reflexartige Abwehr aus.“

SPD-Fraktionschef Sebastian Bösl

Glücklicherweise, so Bösl weiter, gebe es Anzeichen, die darauf schließen ließen, dass immer mehr Unternehmen, aber auch einzelne Bürger ein Umweltbewusstsein entwickelten. Im SPD-Antrag, der unter anderem die Förderung von Fassaden- und Dachbegrünungen vorsieht, werde bewusst auf Begriffe wie „Klimanotstand“ verzichtet, weil man so nur reflexartige Abwehrreaktionen auslösen würde. Sinn des Ganzen sei es, ein Drehbuch für die Kommune zu erstellen, das aufzeige, was die Stadt in den nächsten Jahren zum Schutz der Umwelt beitragen könne.

BWG unterstützt und kritisiert gleichzeitig

Während sich 3. Bürgermeister Gruber sehr lobend über die SPD-Initiative äußerte und mit Erfolg eine Ergänzung in Form einer Plattform für Bürgerbeteiligung auf der städtischen Homepage anregte, baute BWG-Sprecher Albin Schreiner seine schon in der Vorwoche geäußerte Kritik aus, nicht ohne dabei einen offensichtlichen Widerspruch einzugestehen.

BWG-Sprecher Albin Schreiner bezeichnete die SPD-Initiative als Publicity-Gag.Foto: Graf
BWG-Sprecher Albin Schreiner bezeichnete die SPD-Initiative als Publicity-Gag.Foto: Graf


Man werde den Antrag zwar mittragen, im Prinzip handle es sich dabei aber um nichts weiter als Aktionismus und einen Publicity-Gag, mit dem die SPD punkten wolle, sagte Schreiner. Viel besser wäre es seiner Meinung nach, wenn die Stadt endlich den seit 2012 vorliegenden Energienutzungsplan für das Stadtgebiet umsetzen würde. Doch das Gutachten des Instituts für Energietechnik (IfE), das an der Hochschule Amberg-Weiden angesiedelt ist, finde kaum Beachtung. Wäre dies anders, wüssten die Beteiligten, dass die Kommune selbst nur wenig zur Steigerung der Energieeffizienz beitragen könne. Die einzelnen Hauseigentümer hätten da viel mehr Möglichkeiten.

Vorschläge aus Gutachten nicht diskutiert?

An Bürgermeister Thomas Gesche gewandt sagte Schreiner: Sein Verhalten sei unglaubwürdig. „Wieso weisen Sie nicht auf dieses Gutachten hin?“ Wenn der Rathauchef der CSU das Thema Klimaschutz ernsthaft angehen wollte, so würde er Workshops organisieren, eine Beratungsstelle einrichten oder für Bürgersolaranlagen werben. Das alles sei nicht erfolgt. Viele Vorschläge aus dem Gutachten seien nicht einmal diskutiert worden. Damit nicht genug: Das Sinnvollste, was die Kommune zur Rettung des Klimas tun könnte, wäre laut Schreiner die Pflanzung von Bäumen. Aber da schaue es in Burglengenfeld ganz mau aus.

Gesche widersprach. Seit 2014 seien mehrere Hundert Bäume gepflanzt worden. Es sei schade, dass Schreiner unnötig polarisiere und den sinnvollen SPD-Antrag nutze, um der Verwaltung Untätigkeit vorzuwerfen.

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