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Aktion

Die ungeliebten Strom-Nachbarn

Die Büchelkühner fordern mit dem Umbau des Umspannwerks endlich auch Verbesserungen und haben eine Petition eingereicht.
Von Hubert Heinzl

  • Christine Wächter und ihr Vater Horst Kielmann im Haus am Lenzgraben: Strommast M 262a (links) soll nach den Plänen von Tennet stehenbleiben. Foto: Heinzl
  • Eine 110 kV-Leitung des Bayernwerks durchschneidet den Ortsteil Büchelkühn. Auch dagegen prostestieren die Anwohner.
  • Der Ort ist von Strommasten umzingelt, kritisieren viele Büchelkühner.
  • Das Umspannwerk im Norden von Büchelkühn wird umgebaut.

Schwandorf.Es ist eine Aussicht, an die sie sich nie gewöhnt: Wenn Christine Wächter auf der Terrasse sitzt und in die Abendsonne schaut, bleibt ihr Blick an einem Stahlgiganten hängen. Über 50 Meter hoch und Hunderte Tonnen schwer ist Strommast M 262a; nirgendwo sonst rücken die Träger der Energieversorgung in Schwandorf näher an die Wohnbebauung als hier am Lenzgraben in Büchelkühn. Zwanzig, 25 Meter mögen es sein bis zum ersten der Stahlträgertürme; im Hintergrund folgt gleich der nächste, dann viele weitere.

Ein ganzes Bündel von Leitungen


Christine Wächter ist nicht die Einzige, die mit dem Mastenwald im Schwandorfer Ortsteil hadert. Ähnlich wie ihr geht es auch den Anwohnern an der Kreuzfelder-, der Oberholzer- oder auch der Büchelkühner Straße, wo eine 110 kV-Leitung des Bayernwerks das Dorf durchschneidet. „Es wird nicht viele Orte in Bayern geben, wo es so krass ist. Büchelkühn ist von Stromleitungen geradezu umzingelt“, sagt Stadtrat Alfred Damm (ÖDP), selbst ein alteingesessener Büchelkühner. Schuld ist vor allem das Umspannwerk im Norden, bei dem die Höchstspannungsleitungen ankommen und ein ganzes Bündel von Regionalverbindungen seinen Ausgang nimmt.

Ausgerechnet auf diesen Verteiler richten sich jetzt die Hoffnungen der Anwohner. Denn im März ging Stromnetzbetreiber Tennet mit seinen Plänen an die Öffentlichkeit, das Umspannwerk für den geplanten Ostbayernring fitzumachen. Wenn die geplante Höchstspannungsleitung von Redwitz nach Schwandorf 2023 in Betrieb gehen soll, muss auch die Stromdrehscheibe in Büchelkühn rechtzeitig umgebaut werden. Das wäre doch eine gute Gelegenheit, spekulierten die Anwohner, wenigstens die schlimmsten Härtefälle zu beheben.

Aus technischen Gründen


Bei einem Infoabend am 22. März wurden die Vertreter von Tennet nicht müde zu betonen, dass im Zuge des Umbaus sechs Strommasten abgebaut und nur zwei neu errichtet würden. Eine Verschlechterung für die Anwohner werde es nicht geben, das Umspannwerk werde sogar leiser, hieß es außerdem. Doch die ausgemusterten Masten liegen weitab von jeder Wohnbebauung, monieren die Büchelkühner. Und ausgerechnet das Stahlmonster in Christine Wächters Vorgarten galt den Planern als unverzichtbar. „Ich habe vorgeschlagen, dass sie doch auf den Masten dahinter ausweichen sollten, der abgebaut werden soll. Aber das ist angeblich aus technischen Gründen nicht möglich“, kritisiert sie. Auch für die anderen betroffenen Anwohner blieb die Veranstaltung ohne greifbares Ergebnis. „Unsere Anfragen sind abgewürgt worden“, fasst einer die Stimmungslage zusammen.

Doch aufgeben gilt nicht. Am 14. April hat deshalb Reinhard Schirbl, einer der Wortführer der betroffenen Anlieger, eine Petition an den Bayerischen Landtag gerichtet. Darin fordert er, sozusagen als Minimalziel, einen Abbau des umstrittenen Mastens Nummer M 262a und eine Verlagerung der geplanten neuen Stromleitungen weg von der Wohnbebauung. Die 110 kV-Leitung des Bayernwerks, die mitten durch den Ort verläuft, solle verlagert oder als Erdkabel verlegt werden, so Forderung Nummer zwei. Auch für Bestandstrassen und nicht nur für Neubauten, so Reinhard Schirbl abschließend, sollten Mindestabstände eingehalten werden. Die Trassen rund um Büchelkühn, schlägt er vor, sollten in ein Pilotprojekt zur Teilerdverkabelung von Drehstrom aufgenommen werden.

„Unser letzter Strohhalm“


„Das ist unser letzter Strohhalm. Der Versuch, vielleicht doch noch etwas zu bewegen“, sagt Schirbl über seinen Vorstoß. Stadtrat Alfred Damm hält die Initiative für sinnvoll angesichts der Tatsache, dass auch in Bayern entsprechende Pilotversuche benannt werden sollen. Der Standort Büchelkühn, schätzt er, müsste da eigentlich gute Karten haben. Im Stadtrat will Damm den Antrag stellen, die Ziele der Petition auch von offizieller Seite zu unterstützen. Bestandsschutz für die Energieversorger ist nach seinen Worten als Argument nicht haltbar, wenn dadurch Zustände zementiert werden, die bei einem Neubau nie und nimmer genehmigt würden.

In den Umbaumaßnahmen um Umspannwerk sieht er einen guten Anlass, um auch Verbesserungen für die Bürger umzusetzen. Auch in der Petition heißt es: „Wenn nicht jetzt eine Verbesserung der unhaltbaren Situation in Büchelkühn für die Bevölkerung erreicht werden kann, wann dann?“

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Pläne für das Umspannwerk

  • Hintergrund:

    Der Umbau des Umspannwerks hängt mit dem geplanten Ersatzneubau des Ostbayernrings, einer Höchstspannungstrasse vom fränkischen Redwitz nach Schwandorf, bis zum Jahr 2023 zusammen.

  • Umbau:

    Beim Umbau im Umspannwerk verändern sich die Stromtrassen Richtung Süden. Am Gelände werden Schaltanlagen und Trafos verschoben. Das Areal vergrößert sich durch ein Betriebsgebäude um 3500 qm.

  • Kritik:

    Mast 262 a bleibt und soll laut Tennet-Planung künftig sogar noch mehr Stromleitungen tragen. Er liegt der Wohnbebauung am nächsten. Die Gesamtsituation in Büchelkühn verbessert sich nicht. (hh)

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