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Technik

Die Wiedergeburt des Bulli in Neunburg

Die Weltenbummler Antonia und Rudi Stockerl sind auf ihrer langen Suche nach einem VW-T2 Bulli-Motor fündig geworden.
Von Roland Thäder

Rudi Stockerl mit dem Motor, den er in seiner Werkstatt überholt hat.Foto: Thäder
Rudi Stockerl mit dem Motor, den er in seiner Werkstatt überholt hat.Foto: Thäder

Neunburg.Für Antonia und Rudi Stockerl aus der Neukirchener Straße in Neunburg war es der wohl spannendste Moment seit Monaten. Der Augenblick, in dem Rudi den Zündschlüssel in seinem alten VW-Campingbus umdrehte. Der Anlasser schnarrte und der neu eingebaute, luftgekühlte Boxermotor gab erste typische Blubbergeräusche von sich. Der T2-Bulli Baujahr 1974, den das Paar vor knapp 30 Jahren in New York gekauft hatte, ist den Stockerls genauso ans Herz gewachsen, wie ihre Hunde Nikki und Finn, die sie überall mit hinnehmen.

Doch vor einiger Zeit fing der in die Jahre gekommene Bulli-Motor zu schwächeln an. Er lief nur noch auf drei Töpfen. Also machten sich die Stockerls via Internet auf die Suche nach einem Austauschmotor.

Das Ende einer Odyssee

Technische Konstruktionszeichnungen, die beim Übeholen des Motors hilfreich waren, fanden Antonia und Rudolf Stockerl im Netz und druckten diese aus.Foto: ro
Technische Konstruktionszeichnungen, die beim Übeholen des Motors hilfreich waren, fanden Antonia und Rudolf Stockerl im Netz und druckten diese aus.Foto: ro

Mit dem Anlassen des Motors endete eine Odyssee. Gleichzeitig war es der Abschluss einer erfolgreichen Woche. Denn für den 21 Monate alten Kleinen Münsterländer Finn bekam Rudi am selben Tag die Urkunde für die bestandene Jagdhundprüfung ausgehändigt. Neben der Tüftelei in seiner Werkstatt/Garage sind die Jagd und die Falknerei weitere Hobbys des Mechanikers. Davon künden auch die Bilder an den Wänden im Wohnzimmer, die vom früheren Kunsterzieher am Oberviechtacher Ortenburg-Gymnasium, Wolfgang Pöhlmann, stammen.

Weil die verstärkte Kupplung ans Gehäuse stieß, musste der Motor noch einmal ausgebaut werden.Foto: ro
Weil die verstärkte Kupplung ans Gehäuse stieß, musste der Motor noch einmal ausgebaut werden.Foto: ro

Doch der Reihe nach. Zunächst streckten die beiden Camper ihre Fühler nach Motoren in der Region aus. Doch das brachte keine greifbaren Ergebnisse. „Es gibt auch komplett aufbereitete Motoren für das Modell zu kaufen. Doch die kosten dann gleich 6000 bis 7000 Euro“, weiß Rudi Stockerl. Eine Alternative wäre auch ein Porschemotor vom Typ 914 gewesen. Doch der verfügt bereits über eine elektronische Einspritzanlage. Da hätte er zu viel umbauen müssen.

Menschen

Mit dem „Bulli“ um die Welt

Die Neunburger Antonia und Rudi Stockerl kauften in New York vor knapp 30 Jahren einen VW-Bus. Seitdem ist das Trio auf Tour.

Schließlich wurde er in Röbershagen bei Hamburg fündig. Die Fotos im Netz ließen einen guten Zustand vermuten, den Angaben zufolge war er „einbaufähig“. Also ließen die Bulli-Fans den Motor für rund 3000 Euro per Spedition nach Neunburg liefern.

Der Motor war angeblich in einem „einbaufähigen Zustand“, erwies sich jedoch als Wundertüte. Foto: ro
Der Motor war angeblich in einem „einbaufähigen Zustand“, erwies sich jedoch als Wundertüte. Foto: ro

Es handelte sich um eine 2,0 Liter-Maschine mit 70 PS. Das waren 200 Kubikzentimeter und zwei PS mehr, als der Originalmotor hatte. Die Abmessungen waren gleich. Doch „einbaufähig“ ist etwas anderes. Stockerl hatte eine Art Wundertüte gekauft: Was drin ist, weiß man erst, wenn man sie öffnet. Die Wärmetauscher befanden sich in Auflösung. Rudi zerlegte den Motor und überholte ihn. Es wurde gereinigt, poliert, neue Dichtungen eingebaut die Ventile neu eingestellt und der Auspufftopf mit feuerfester Farbe lackiert. Das dauerte drei Wochen.

Parallel dazu, weil der Motor schon einmal ausgebaut war, schweißte er noch ein paar neue Bleche ein. Außerdem richtete er die ausgeschlagenen Drosselwellenklappenbüchsen wieder her. Sonst hätte Sprit vom Vergaser ins Kurbelgehäuse gelangen können. In der Folge könnte das Öl verdünnt werden und erneut zu einem Motorschaden führen. Das galt es, um jeden Preis zu verhindern.

Alles wieder auf Anfang

Mit Helfern und Wagenheber wurde der Motor eingebaut. Foto: Thäder
Mit Helfern und Wagenheber wurde der Motor eingebaut. Foto: Thäder

Am Ende hatte Stockerl aus zwei Motoren einen einzigen gemacht. Der Motor wurde mit dem Wagenheber und mit Helfern unter den aufgebockten Bus geschoben, angehoben und eingebaut. Nächste böse Überraschung: Der Zwei Liter-Motor verfügte über eine verstärkte Kupplung und diese stieß am Gehäuse an, so dass der Motor sich nicht drehte. Also alles wieder auf Anfang: Stockerl baute den Motor aus und die Kupplung um. Tipps dazu holte er sich zum Teil aus Internet-Foren. Er musste auch viele Teile erst bestellen.

Die Interessengemeinschaft t2

  • Liebhaber:

    Wir sind eine Interessengemeinschaft, hervorgegangen aus einem kleinen Freundeskreis von VW Bus-Liebhabern, die sich der Restauration, Erhaltung und Pflege der VW-Busse der Jahre 1967-79 verschrieben haben.

  • Gründung:

    Im Sommer 1993 entschlossen wir uns, die lockeren, quer durch Deutschland verteilten Freundschaften rund um den Bus in einem Verein zusammenzufassen. Einen zusätzlichen Impuls gab die Zeitschrift „Oldtimer-Markt“ (www.bulli.org)

Jetzt kommt der Bulli erst einmal ins Winterquartier bis zum Mai 2019. So lange ist noch Zeit für die Feinabstimmung. Der Motor springt an und der Bulli zieht auch am Berg gut. An ein paar Stellschrauben muss noch gedreht werden. Und „dann sind wir wieder mit den Hunden unterwegs“, freut sich Antonia Stockerl bereits. Ihre kürzeste Reise führte sie übrigens nur bis Amberg, erinnert sie sich: Da fing der Motor zu brennen an. Und die Ersparnisse für den geplanten Italien-Urlaub gingen für die Reparatur drauf.

Finn ist nun ein geprüfter Jagdhund und ist bei den Reisen von Frauchen und Herrchen mit dabei. Foto: ro
Finn ist nun ein geprüfter Jagdhund und ist bei den Reisen von Frauchen und Herrchen mit dabei. Foto: ro

Die längste Reise führte sie für viereinhalb Wochen bis ans Nordcap und die abenteuerlichste führte nach Sylt. Dort hatte sich einer ihrer Hunde bei einer Wattwanderung losgerissen und musste vor der auflaufenden Flut eingefangen werden. Im Frühjahr wollen die Stockerls bei Tagesfahrten den neuen Motor testen. Danach geht es vielleicht an die Ostsee und natürlich sind der Kleine Münsterländer Finn und der schwarze, elfjährige Schäferhund Nikki mit von der Partie.

In unserer Galerie haben wir noch mehr Bilder von den Stockerls und ihrem Bulli für Sie:

Mit dem Bulli um die Welt

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