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Interview

Die Zivilisation ist nicht seine Welt

Der „Weltumsegler, Totalaussteiger und Abenteurer“ Wolfgang „Gangerl“ Clemens erzählt am Mittwoch in Schwandorf Mitreißendes.
Von Renate Ahrens

An Land zu leben ist für Wolfgang Clemens undenkbar. Foto: Ahrens
An Land zu leben ist für Wolfgang Clemens undenkbar. Foto: Ahrens

SCHWANDORF.Vor 30 Jahren verkaufte Wolfgang „Gangerl“ Clemens (77) aus Roding alle Besitztümer – in der Absicht, für immer auszusteigen. Seitdem ist er auf allen Meeren und Kontinenten unterwegs.

Sie haben sich damals selbst ein Schiff gebaut und sind 1988 losgesegelt. Geht das so einfach?

Natürlich ist es eigentlich idiotisch, sich das zu trauen. Für den Bau der 15 Meter langen Jacht habe ich zwölf Jahre gebraucht. Es gab viele Unterbrechungen, zum Beispiel bin ich zweimal mit dem Drachen abgestürzt und war lange verletzt. In Griechenland war ich vier Monate im Gefängnis, weil ich nach Amphoren getaucht hatte. Nichts hat mich abgehalten, mein Ziel zu verfolgen. Es gibt immer einen Weg.

Wohin ging es mit dem Schiff dann zunächst?

Gangerl in der Südsee Foto: Clemens
Gangerl in der Südsee Foto: Clemens

Von der Donau aus segelte ich ins Schwarze Meer, dann ins Mittelmeer, und durch den Panamakanal in die Südsee, wo ich sechs Jahre lang blieb. Auf dem Weg von Tasmanien nach Auckland Island geriet ich allerdings in den Jahrhundertsturm, den Zyklon Polly. 20 Meter hohe Wellen versuchten, das Schiff zu zerschmettern. Sechs Tage dauerte dieses Inferno, in dem das Schiff etliche Male mit dem Mast unter das Wasser gedrückt wurde. Ich hatte mich über vier Tage lang angeschnallt, ohne Wasser und Essen.

Sie gerieten oft in Gefahr. Wie überstehen Sie das alles?

Ich habe schon über 100 schlimme Stürme überlebt. Wegen der Klimaerwärmung werden die Hurrikane immer extremer. Einmal enterten auf den Philippinen zwei Piraten mein Schiff, ich habe beide erschossen. Der Mensch hält jedoch viel aus. Wenn man sagt, man kann nicht mehr, hat man erst zehn Prozent seiner Kraft verbraucht. Ich selbst hatte bisher in meinem Leben unheimlich viel Glück.

Ein „wilder Hund“

  • Nächster Vortrag:

    Am Mittwoch um 19.30 Uhr in der Oberpfalzhalle Schwandorf, Infos gibt’s hier .

  • Gangerls Lebensmotto:

    Die wahre Lebenslust besteht darin, im Alltäglichen das Wunderbare zu sehen. Und: Niemals aufgeben und alles schnell wegstecken.

  • Bedeutung des Reisens:

    Ein Reisender habe Weitblick, sagt Clemens. Er werde demütig, bescheiden und dankbar und nehme sich selbst nicht mehr so wichtig.

  • Vita:

    Wolfgang „Gangerl“ Clemens lernte in München den Beruf des Kunstschmieds. Mit seiner Jacht „Bavaria“ ist Globetrotter Gangerl nun seit 1988 auf den Weltmeeren zu Hause und hat über 100 Länder besucht. Er ist kilometermäßig achtmal um die Erde gereist, nur zu Wasser und zu Land. „Ich bin ein wilder Hund“, sagt er.

  • Jacht:

    Sein erstes Schiff, die „King of Bavaria I“ hat er in seiner Freizeit gebaut. Es sank nach 20 Jahren bei den Seychellen.

  • Sein Tipp:

    Wenn „Gangerl“ nach Deutschland kommt, lebt er sehr bescheiden in seinem Schuppen ohne fließendes Wasser – er brauche fast kein Geld und keinen „Schnickschnack“ und kauft nur, was er wirklich braucht. Das sollte man ausprobieren, rät er – so würde man zu sich selbst finden.

  • Gangerls Lieblingsfilm:

    Soweit die Füße tragen.

Segeln Sie immer allein?

Ja, die ersten Jahre war eine Freundin dabei, aber sie wollte dann heiraten und ein Haus und Kinder. Das war nichts für mich.

Fühlen Sie sich denn nie einsam?

Nein, das ist überhaupt kein Problem. Ich habe eher ein Problem mit Menschen. Touristen gehe ich aus dem Weg. Ich kann mit mir selbst so viel Blödsinn machen. Ich spiele auch allein Gitarre, singe und tanze. Früher war ich ein leidenschaftlicher Tänzer.

Menschen

Weltenbummler macht Pause in Roding

Wolfgang „Gangerl“ Clemens weil auch nach 30 Jahren Weltreise weiter machen. Er sucht fremde Orte – möglichst ohne Touristen.

Gibt es denn überhaupt noch viele einsame Inseln?

Ja, aber nur dort, wo man keinen Flugplatz gebaut hat. In der Südsee gibt zum Beispiel es noch unbewohnte Atolle, wahre Paradiese.

Wie hat der Massentourismus die Welt verändert?

Mit der Lederhosn in Westpapua Foto: Clemens
Mit der Lederhosn in Westpapua Foto: Clemens

Vor allem in der Karibik haben sich die Menschen zum Nachteil verändert. Natürlich ist die Umweltverschmutzung schlimm. Es ist nicht zu fassen, wie man diese wunderschöne Welt mit Gewalt kaputt macht.

Wie finanzieren Sie diese Reisen?

Ich nehme Chartergäste mit, bekomme eine kleine Rente und Erträge aus meinen Büchern und Vorträgen. Ansonsten lebe ich sehr bescheiden. Einen großen Topf Spinat esse ich fünf Tage lang. Ich liebe Spinat. Auf dem Schiff fange ich Fisch oder Krebse.

Wann geht es wieder weiter?

Im Februar, mein Schiff liegt gerade in Malaysia. Die Südsee lässt mich nicht mehr los. Dort werde ich irgendwann meinen Lebensabend verbringen.

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