MyMz
Anzeige

Kultur

Dr. Eisenbarth ging baden

Das Oberviechtacher Festspiel vom Wanderarzt startete. Ein Gewitterschauer bereitete der Premiere ein vorzeitiges Ende.
Von Ralf gohlke

  • Alle rechnen mit der Amputation des Beines, das von einer Kugel getroffen wurde aber Doktor Eisenbarth entfernt nur das Geschoss. Foto: R. Gohlke
  • Bei der vorletzten Szene erwischte der Gewitterregen das Publikum und die Akteure. Foto: ggo
  • Die Quacksalber haben Eisenbarth bei einer Behandlung ohne Privileg erwischt und lassen ihn festnehmen. Foto: ggo
  • Vom Rathaus begaben sich Ensemble und Ehrengäste zur Festspielarena auf dem Marktplatz. Foto: ggo
  • Angeblich hat die Frau die Pest, aber die „typischen Male“ erweisen sich als Dreck. Foto: ggo
  • Ein „Liebestrank“ mit Fasanenkot soll die ehelichen Fähigkeiten des Grafen von Hessen-Kassel wieder in Schwung bringen. Foto: ggo
  • Wenn viele Leute um den Marktweiher marschieren, ist Eisenbarth-Festspielzeit. Foto: ggo
  • Der „Alchemist“ überrascht das Publikum mit spektakulären chemischen Reaktionen. Foto: ggo
  • Über die „richtige Behandlung“ des grauen Star geraten die Quacksalber in Streit. Foto: ggo
  • Mit dem berühmten Elixier stoßen Doktor Eisenbarth. Bianca Reil, OTL Christoph Huber und 2. Bürgermeisterin Christa Zapf auf eine gute Saison an. Foto: ggo
  • Der Spielmannszug ist steter Begleiter der Festspiele. Foto: ggo
  • Beim Markttreiben können Kinder sogar mit einer Kanone schießen. Foto: ggo
  • Der „Chirurg“ wetzt noch einmal sein Handwerkszeug. Foto: ggo
  • Martin Birner (links) übergab die Schirmherrn-Insignien an Christoph Huber. Foto: ggo
  • Der „neue“ Doktor Eisenbarth, Andreas Fleischer, stimmte die Gäste auf die Zeit des Barock ein. Foto: ggo
  • Das Figurentheater zeigte wieder Szenen aus dem Spottlied. Foto: ggo

Oberviechtach. Das Festspiel rund um das Leben des in Oberviechtach geborenen Wanderarztes und für die Zeit des Barock bedeutenden Okulisten, Bruch- und Steinschneiders Johann Andreas Eisenbarth erlebte einen feuchten Start in die neue Saison. Alles Bitten des aktuellen Schirmherrn, des Kommandeurs des Panzergrenadierbataillons 122, Oberstleutnant Christoph Huber, war vergebens. Noch knapp eine halbe Stunde hätte es bis zum großen Show-down auf der Bühne am Marktplatz gebraucht, um die Premiere erfolgreich zu beenden, aber der Gewitterschauer war schneller. In der vorletzten Szene, erwischte es Zuschauer, Ensemble und Spielmannszug voll.

Eisenbarths Erinnerungen

„Aus Sicherheitsgründen mussten wir abbrechen“, sagte Regisseur Michael Eckl, der sich zuvor mit der Spielleiterin und Vorsitzenden des Festspielvereins, Bianca Reil kurzgeschlossen hatte. Auf dem Höhepunkt der Szenerie treten die „Crazy OGOs“, die Gauklertruppe des Ortenburg-Gymnasiums auf, was aber angesichts des durchnässten Untergrundes zu gefährlich gewesen wäre.

Dabei hatte es alles recht erfolgversprechend begonnen. Die Vereinsspitze und die Ehrengäste versammelten sich zum gemeinsamen Einzug auf den Marktplatz vor dem Rathaus. Unter den Klängen des Spielmannszuges und dem Beifall der bereits anwesenden Premierengäste konnte die Eröffnung der 17. Spielsaison mit dem traditionellen Empfang des neuen Schirmherrn und der Übergabe Amtsinsignien beginnen.

Eine gute Figur machte dabei Andreas Fleischer als der neue Doktor Eisenbarth. „Für mich sind es Wege der Erinnerung, auf die ich sie einlade, mich zu begleiten“, sagte er. Eingeschlossen seien die Wege zu den Patienten, die Geräusche und Gerüche, die ihn dort einst erwartet hätten. Vieles habe sich seither verändert, gerade auch in der Medizin.

Denn den, der reich und krank gewesen sei und zudem noch in einer größeren Stadt gewohnt habe, hätte der Weg zum Medikus geführt. Nur der habe studiert, sich dafür aber nicht die Hände schmutzig gemacht. Dafür seien der Chirurgus oder Bader zuständige gewesen, die ihren Beruf wie ein Handwerk erlernt hätten.

Auf dem Land sei das viel schwieriger gewesen. Hier seien die Heiler als Wanderärzte auf den Jahrmärkten unterwegs gewesen. Die meisten ihrer Heilmethoden seien eher fragwürdig gewesen. „Das sie nach einer Operation schnell abgereist sind, hatte wohl gute Gründe“, mutmaßte er. Als ein Beispiel dessen, was sich dabei so abgespielt haben musste, gab der „Alchemist“, Dr. Florian Waldherr in seinem „Phantasticum“, wie auch später in der zweiten Szene.

Dem schlossen sich die für eine Premiere üblichen Regularien an. Der Schirmherr des Vorjahres, der Neunburger Bürgermeister Martin Birner, übergab die Insignien des Amtes an seinen Nachfolger, Oberstleutnant Christoph Huber und Doktor Eisenbarth verlas dazu das Privilegium.

Eisenbarth-Lied als Puppenspiel

Beide betonten in kurzen Grußworten noch einmal die jeweils persönliche Bedeutung des Schirmherrnamts. Insbesondere Christoph Huber sah darin erneut ein Zeichen der hervorragenden Zusammenarbeit von Stadt und Bundeswehr. Den Dank der Stadt überbrachte 2. Bürgermeisterin Christa Zapf, die auch die namentliche Begrüßung übernahm. Zu den Ehrengästen zählten unter anderem MdB Alexander Flierl und stellvertretender Landrat Joachim Hanisch.

Bevor das eigentliche Spektakel begann, konnten die Zuschauer auf der Puppenbühne von Dr. Florian Waldherr noch einmal Eisenbarths Behandlungsmethoden verfolgen, wie sie im Spottlied beschrieben sind.

Letzteres war es dann auch, das bei Spielbeginn den Geist Eisenbarths erscheinen ließ, der auf die singenden Studenten schimpfte und schließlich das Publikum im Sinne des Wortes einlud, ihm zu folgen. Auf fünf Stationen im Stadtgebiet spielte sich die weitere Handlung ab, von der Begegnung mit den Quacksalbern über eine nicht autorisierte Staroperation, die Festname Eisenbarths und seine Rehabilitation. Weitere Aufführungstermine sind am Samstag, 9. Juni, um 15 Uhr und um 20 Uhr.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht