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Kultur

Ein 13. Mord in „Brucklyn“?

Zwei alte Damen haben doch tatsächlich zwölf Leichen im Keller. Viel Spaß machte das dem Publikum beim Marktspielsommer.
Von Renate Ahrens

Zwei Verbrecher erfahren von Teddys Grabungen im Keller und wittern die Chance, auch „ihre Leiche“ bequem im Keller zu entsorgen. Foto: Ahrens
Zwei Verbrecher erfahren von Teddys Grabungen im Keller und wittern die Chance, auch „ihre Leiche“ bequem im Keller zu entsorgen. Foto: Ahrens

Bruck. „Spielt nicht eure Rolle. Lebt sie!“ Das gab Regisseurin Karin Michl den Schauspielern des Brucker Marktspielsommerstücks noch mit auf den Weg, bevor sie die Bühne betraten – und das taten alle wirklich. Jeder stellte seinen jeweiligen Charakter so echt dar, dass man bei allen Szenen bei „Arsen und Spitzenhäubchen“ mitfieberte und mitlachte und dieser spannende und unterhaltsame Abend viel zu schnell verging.

Leutnant Rooney (Christine Griesbeck) erheiterte durch schneidiges Auftreten und russischen Akzent. Die Fesselung von Jonathan (Thomas Giptner), der mit Dr. Einstein (Daniel Gleixner) auftaucht, wird als Theaterprobe ausgegeben. Foto: Ahrens
Leutnant Rooney (Christine Griesbeck) erheiterte durch schneidiges Auftreten und russischen Akzent. Die Fesselung von Jonathan (Thomas Giptner), der mit Dr. Einstein (Daniel Gleixner) auftaucht, wird als Theaterprobe ausgegeben. Foto: Ahrens

Zu komisch waren die liebenswerten Damen Abby (Beatrice von der Osten) und Martha Brewster (Christa Steiner), die auch „ihre kleinen Geheimnisse“ haben, wie sie mit unschuldigem Augenaufschlag ihrem Neffen Mortimer (Daniel Feuerer) erklären.

Eine Prise Zyankali

Denn er besucht sie mit seiner Verlobten Elaine Harper (Barbara Feuerer) in „Brucklyn“ und kommt durch Zufall dahinter, was sie so treiben. „Arsen, Strychnin und eine Prise Zyankali“, so zählt unschuldig strahlend Abby auf, das würden sie ihren Untervermietern in den Wein geben.

Elaine Harper (Barbara Feuerer) versteht nicht, was vor sich geht. Sie wird immer wütender auf Mortimer (Daniel Feuerer). Doch die Lage spitzt sich zu. Mortimer kann gerade noch den Tod von Mr. Gibbs (Sebastian Fleischmann) verhindern. Foto: Ahrens
Elaine Harper (Barbara Feuerer) versteht nicht, was vor sich geht. Sie wird immer wütender auf Mortimer (Daniel Feuerer). Doch die Lage spitzt sich zu. Mortimer kann gerade noch den Tod von Mr. Gibbs (Sebastian Fleischmann) verhindern. Foto: Ahrens

„Aber warum denn das?“ fragt Mortimer entsetzt, und kopfschüttelnd winkt Martha ab: „Na, im Tee riecht es doch furchtbar.“ Elf, nein, zwölf Leichen seien es schon, überlegt sie stolz und erzählt begeistert vom ersten Todesfall nach Herzinfarkt in ihrer Wohnstube. „Er sah so friedlich aus. Da wollten wir den anderen auch helfen.“

Unterstützt werden sie von Mortimers geistesgestörtem Bruder Teddy (Peter Beck), der sich für Präsident Roosevelt hält und als Ruhestörer bekannt ist, weil er regelmäßig auf seiner Trompete zum Angriff bläst.

Die Polizistinnen Klein (Katharina Beck) und Brophy (Nadine Plössl) kommen oft wegen Lappalien und ahnen nichts. Sehr trocken seien die vielen Kekse, mit denen er von ihnen gefüttert wird, erzählte Pfarrer-Darsteller Stefan Schwarzmayr vor dem Auftritt noch lachend. Foto: Ahrens
Die Polizistinnen Klein (Katharina Beck) und Brophy (Nadine Plössl) kommen oft wegen Lappalien und ahnen nichts. Sehr trocken seien die vielen Kekse, mit denen er von ihnen gefüttert wird, erzählte Pfarrer-Darsteller Stefan Schwarzmayr vor dem Auftritt noch lachend. Foto: Ahrens

Die Tanten lassen den ahnungslosen Teddy im Keller Gräber ausschaufeln, indem sie ihn glauben machen, er hebe den Panama-Kanal aus. Trompete, so gesteht Peter Beck kurz vor der Premiere am Freitag hinter der Bühne, konnte er eigentlich gar nicht spielen. „Aber es muss nicht schön klingen, Teddy ist ja ein Verrückter“, so beruhigt er sich noch, und beim Auftritt spielt er, als ob er es schon immer gemacht hätte.

Wie er haben alle Schauspieler selbst am meisten Spaß bei der Aufführung. „80 Prozent gehören zur Stammbesetzung“, erklären Inge Gleixner und Robert Feuerer, die Vorsitzenden des Kultur- und Festspielvereins Bruck, der seit 2005 mit mehreren Auftritten im Jahr das Kulturleben des Marktes bereichert und sich weit über die Grenzen einen Namen gemacht hat. „Die Rolle muss zum eigenen Charakter passen“, betont Karin Michl. Mit dem diesjährigen Sommertheater hat sie wieder das Richtige gefunden. Beachtliche 130 Minuten reine Spielzeit hatte das Stück, das auch am Samstag und Sonntag gezeigt wurde, und dabei hat es die Regisseurin noch gekürzt.

Verwandeln macht Spaß

Viele Textpassagen galt es daher zu lernen, die alle Laienschauspieler bravourös in den insgesamt 50 Proben verinnerlichten. „Immer lustig“ würde es dabei zugehen, schwärmt Christa Steiner, die sich wie Beatrice von der Osten in eine alte Dame verwandelte. „Ich finde mich schön“, sagt die erst 37-jährige von der Osten und blickt im Spiegel auf Falten und graue Haare. Gerade die Wandlungsfähigkeit sei das Wunderbare beim Schauspielern. „Ach, Liebes“, flötet sie oft auf der Bühne - und dieses gezierte Gehabe, so erzählte sie lachend, hätte sie so verinnerlicht, dass sie sogar daheim ab und zu so geredet hätte.

Während die etwas einfältige Polizistin O’Hara nur daran interessiert ist, dem Theaterkritiker Mortimer ihr selbst geschriebenes Stück vorzuführen, haben die Tanten ein 13. Mordopfer gefunden: Mrs. Witherspoon. Ob sie das schaffen? Und ist der Keller nicht schon überfüllt? Foto: Ahrens
Während die etwas einfältige Polizistin O’Hara nur daran interessiert ist, dem Theaterkritiker Mortimer ihr selbst geschriebenes Stück vorzuführen, haben die Tanten ein 13. Mordopfer gefunden: Mrs. Witherspoon. Ob sie das schaffen? Und ist der Keller nicht schon überfüllt? Foto: Ahrens

Inzwischen knistert es vor Spannung. Rauch steigt auf, als Mortimer die erste Leiche entdeckt. Er will aber die Tanten nicht der Polizei ausliefern, sondern veranlasst die Einweisung von Teddy in eine Nervenheilanstalt. Dann erscheint auch noch sein lange verschollener Bruder Jonathan Brewster (Thomas Giptner) und will mit Dr. Einstein (Daniel Gleixner) hier untertauchen.

Nichts wurde dem Zufall überlassen, für Licht und Ton wurden Profis engagiert. Schließlich kommt bald Neffe Jonathan mit weiterer Leiche im Gepäck, und Abby freut sich: „Ich wollte schon immer ein Doppelbegräbnis.“ Aber der Keller sei doch schon überfüllt?

Trotz bester Vorbereitung ist Karin Michl jedes Mal die Aufgeregteste von allen, gesteht sie. „Man weiß ja nicht, wie das Stück ankommt.“ Zuschauen kann sie daher nicht, sondern bangt hinter den Kulissen und freut sich, wenn gelacht und geklatscht wird - und das wurde oft und lange begeistert.

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