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Ein Blick in Nittenaus Poesiealbum

Im Goldenen Buch der Stadt haben sich prominente Besucher verewigt. Doch auch verdiente Bürger finden hier ihren Platz.
Von Cornelia Lorenz

Bürgermeister Karl Bley ist die optisch ansprechende Gestaltung der Seiten im Goldenen Buch sehr wichtig. Foto: Lorenz
Bürgermeister Karl Bley ist die optisch ansprechende Gestaltung der Seiten im Goldenen Buch sehr wichtig. Foto: Lorenz

Nittenau.Es fühlt sich ein wenig so an, als würde man in einem alten Poesiealbum blättern: Im Goldenen Buch der Stadt Nittenau haben sich in den vergangenen 63 Jahren eine ganze Reihe prominenter Persönlichkeiten eingetragen. Aber auch Menschen, die in ihrer Heimatstadt etwas Besonderes geleistet haben, durften sich auf den Seiten zwischen dem dicken braunen Ledereinband verewigen. Bürgermeister Karl Bley bewahrt das mit dem Stadtwappen versehene Buch in seinem Büro im Rathaus auf. Für ihn ist es ein wertvolles Stück Stadtgeschichte, dessen würdevolle Gestaltung ihm sehr am Herzen liegt.

Startschuss fiel 1954

Armin Hary ist der erste Sprinter der Welt, der es schaffte, 100 Meter in 10,0 Sekunden zu laufen – und zwar im Jahr 1958. Der Weltrekordler und Doppel-Olympiasieger, der aus Deutschland stammt, war im November 2012 in Nittenau zu Gast. Foto: Cornelia Lorenz
Armin Hary ist der erste Sprinter der Welt, der es schaffte, 100 Meter in 10,0 Sekunden zu laufen – und zwar im Jahr 1958. Der Weltrekordler und Doppel-Olympiasieger, der aus Deutschland stammt, war im November 2012 in Nittenau zu Gast. Foto: Cornelia Lorenz

Eigentlich gibt es ja nicht nur ein Goldenes Buch, sondern zwei: Das erste ist vom Format her recht klein und bereits vollgeschrieben. Es startet am 17. Januar 1954, als man in Nittenau unter Bürgermeister Hans Heigl den Festakt zur Stadterhebung von 1953 feierte. Rund 6400 Einwohner zählte man zu dieser Zeit in der Regentalstadt, und der damalige bayerische Ministerpräsident Wilhelm Hoegner hatte die ehrenvolle Aufgabe, die erste Unterschrift im Buch zu leisten.

Der SPD-Mann sollte nicht der einzige hochrangige Politiker bleiben, der einen Platz im Goldenen Buch bekam. Das Konterfei von CSU-Ministerpräsident Edmund Stoiber ist dort ebenso zu finden wie eine Unterschrift des damaligen Innenministers Dr. Günther Beckstein. Der war im Juli 2005 nach Nittenau gereist, um dort das 100-jährige Bestehen der Freiwilligen Feuerwehr Bergham mitzufeiern. „Ich habe ihn als ganz unkomplizierten, umgänglichen und nahbaren Menschen kennengelernt“, erinnert sich Bley.

Der Regensburger Bischof Dr. Gerhard Ludwig Müller war anlässlich der 1000-Jahr-Feier 2007 in Nittenau zu Gast und besuchte damals den Festzug. Foto: Cornelia Lorenz
Der Regensburger Bischof Dr. Gerhard Ludwig Müller war anlässlich der 1000-Jahr-Feier 2007 in Nittenau zu Gast und besuchte damals den Festzug. Foto: Cornelia Lorenz

Auch zahlreiche Vertreter der Kirche haben in Nittenau Station gemacht. Traditionell dürfen sich jedes Jahr die Weihbischöfe ins Goldene Buch eintragen, die hier das Sakrament der Firmung gespendet haben. Doch auch die Regensburger Bischöfe wie zum Beispiel Dr. Gerhard Ludwig Müller sind im Buch zu finden. Bley erinnert sich noch gut an dessen Besuch anlässlich des Festzugs zur 1000-Jahr-Feier in Nittenau. Man habe zusammen im Jugendheim zu Mittag gegessen und sich auch gut unterhalten – kirchliche Themen seien dabei ganz außen vor geblieben. „Er ist von sehr großer Statur und gar nicht arrogant oder herablassend“, erinnert sich Bley an das Zusammentreffen.

Erkennen Sie alle Unterschriften?

Müllers Eintrag ist bereits im zweiten Band des Goldenen Buches zu finden, das im Jahr 2003 in Gebrauch kam – ein Datum, das Bley bewusst gewählt hat, denn in diesem Jahr konnte man den 50. Jahrestag der Stadterhebung feiern. Die Buchbinderei Schmid-Konz war dazu beauftragt worden und übergab wunschgemäß das neue Buch mit braunem Ledereinband, Goldschnitt, dem Stadtwappen und der Aufschrift „Stadt Nittenau“.

Blatt wird herausgeschnitten

Ein bekannter Sohn der Stadt ist der Journalist Prof. Dr. Heribert Prantl – kein Wunder, dass er sich anlässlich eines Vortrags unter dem Motto „Im Herzen Europas“ in der Regentalstadt ins Goldene Buch eintragen durfte. Foto: Cornelia Lorenz
Ein bekannter Sohn der Stadt ist der Journalist Prof. Dr. Heribert Prantl – kein Wunder, dass er sich anlässlich eines Vortrags unter dem Motto „Im Herzen Europas“ in der Regentalstadt ins Goldene Buch eintragen durfte. Foto: Cornelia Lorenz

Seitdem füllen sich die Seiten beständig – und jeder einzelne Eintrag wird vorab gut vorbereitet: Die entsprechende Seite wird zuerst vorsichtig mit einem Skalpell herausgetrennt und mit einem passenden Foto, Erklärungen zur Person oder grafischen Elementen wie Vereins- oder Ordenswappen verziert. Hat der Gast im Rathaus seine Unterschrift auf seinem Blatt geleistet, wird es ganz vorsichtig wieder ins Buch eingeklebt. Pannen habe es beim Eintrag ins Buch bisher nicht gegeben, sagt Bley – und falls sich jemand einmal beim Schreiben einen gröberen Patzer leisten sollte, bekomme er einen neuen Versuch.

Lesen Sie hier: Auch in Regensburg haben sich Promis ins Goldene Buch eingetragen. Finden Sie im Quiz heraus, ob Sie die Unterschriften entziffern können.

So füllen sich seit 2003 auch die Seiten des aktuellen Goldenen Buches. Der letzte Eintrag stammt von Justizminister Heiko Maas (SDP), der im vergangenen Juli anlässlich eines Vortrags zum Thema „Hetze im Netz“ in Nittenau vorbeischaute. Er hat der Stadt keine persönliche Widmung, sondern lediglich eine Unterschrift hinterlassen.

Auch Kinder dürfen sich eintragen

Der Papstbruder Dr. Georg Ratzinger stattete Nittenau im März 2012 einen Besuch ab. Anlass war das Geburtstagstreffen der Priestergemeinschaft des Stiftskapitels und des Kapellenvereins Muckenbach im März. Foto: Cornelia Lorenz
Der Papstbruder Dr. Georg Ratzinger stattete Nittenau im März 2012 einen Besuch ab. Anlass war das Geburtstagstreffen der Priestergemeinschaft des Stiftskapitels und des Kapellenvereins Muckenbach im März. Foto: Cornelia Lorenz

Eines ist Bürgermeister Bley sehr wichtig. „Das Goldene Buch ist nicht nur honorigen Leuten vorbehalten“, betont er. Deshalb finden sich dort auch Einträge von Sportvereinen, die einen besonderen Erfolg erzielt haben oder jene Nittenauer, die mit der Bürgermedaille ausgezeichnet worden sind. Kinder sind nicht ausgeschlossen: Als die damalige Europaministerin Emilia Müller vor ein paar Jahren an die Grundschule Fischbach kam, durften sich auch Schüler im Goldenen Buch verewigen.

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