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Handel

Ein Bücherfan trotzt dem Trend

Immer mehr inhabergeführte Läden verschwinden von der Bildfläche. Sebastian Thomann hat sich in Burglengenfeld etabliert.
Von Josef Schaller

Sebastian Thomas hat nur ausgewählte Bücher in seinen Regalen stehen. „Krabat“ von Otfried Preußler gehört zu seinen Lieblingsbüchern. Foto: Schaller
Sebastian Thomas hat nur ausgewählte Bücher in seinen Regalen stehen. „Krabat“ von Otfried Preußler gehört zu seinen Lieblingsbüchern. Foto: Schaller

Burglengenfeld.Um zu erfahren, was andere zu sagen haben oder wie sie denken, muss man sich nicht zwangsläufig mit ihnen unterhalten. „Man kann auch Bücher lesen“, meint Sebastian Thomann. So könne man viel von anderen Menschen erfahren und sich von ihnen Geschichten erzählen lassen, ohne sie jemals im Leben zu treffen.

Im September 2012 eröffnete er seine „Buchhandlung am Rathaus“ und machte dabei sein Hobby zum Beruf. Er hat sich damit nicht nur einen Lebenswunsch erfüllt. Mit seinem kleinen, idyllischen Laden in der Hauptstraße 5 holt er die von ihm so geschätzte globale Welt des Wissens einfach zu sich nach Hause.

Einem Lehrer sei Dank

18 Jahre sei er alt gewesen, als er angefangen habe, sich intensiv mit Büchern auseinanderzusetzen, wie er im Gespräch mit unserem Medienhaus erzählte. Sein damaliger Deutschlehrer am Johann-Michael-Fischer-Gymnasium habe dabei kräftig mitgeholfen. Der habe es nämlich sogar geschafft, ihm auch Bücher näherzubringen, um die er bisher einen großen Bogen gemacht hatte, so der Burglengenfelder.

Mit viel Fantasie hat Thomann seinen Laden hergerichtet und dabei durchaus auch handwerkliche Talente in sich entdeckt. Foto: Schaller
Mit viel Fantasie hat Thomann seinen Laden hergerichtet und dabei durchaus auch handwerkliche Talente in sich entdeckt. Foto: Schaller

Ganz oben auf der Liste seiner Sympathieskala hat Sebastian Thomann das Buch „Krabat“ (von Otfried Preußler) stehen. Eine alte Sage wird neu interpretiert und in ein Jugendbuch umgeschrieben. So beschreibt der Buchhändler in aller Kürze den Inhalt dieses Werkes. Zu seinen Favoriten zählt auch das Buch „Fool on the hill“, ein Roman von Matt Ruff. Elemente eines Märchens werden hier mit einer Liebesgeschichte vermischt.

„Das Lesen eines Buches ist eine Art Reise“, so Thomann. „Und niemand kommt von einer Reise zurück, ohne um ein Vorurteil ärmer und eine Erfahrung reicher zu sein.“

In dem Metier fühlt er sich wohl

Nach seinem Theologiestudium und seiner Tätigkeit bei der Diözese Regensburg, wo er an der Jugendbildungsstätte Windberg (bei Straubing) für Schüler sogenannte Tage der Orientierung geleitet habe, sei es irgendwann an der Zeit gewesen, auch sein eigenes Leben neu auszurichten, wie er sagte. Eines sei ihm dabei schnell bewusst geworden: „Mit Texten und Büchern kenne ich mich aus!“ Anstatt sich bei irgendeinem Verlag oder Lektorat zu bewerben, habe er es aber vorgezogen, eine eigene Buchhandlung aufzumachen.

Der Außenfassade seines Ladens hat der Buchhändler ein neues Gesicht gegeben. Für viele ist er zum Hingucker geworden. Foto: Schaller
Der Außenfassade seines Ladens hat der Buchhändler ein neues Gesicht gegeben. Für viele ist er zum Hingucker geworden. Foto: Schaller

Innerhalb weniger Monate hatte er seine Pläne umgesetzt. Das Geschäftshaus in der Hauptstraße 5 sei zu dem Zeitpunkt gerade leer gestanden. „Zwar etwas runtergekommen, aber es hatte Potenzial!“, war Thomann überzeugt. Die Entscheidung, das Haus zu erwerben, sei ihm deshalb nicht schwergefallen. „Ich habe da nicht lange überlegt“, so der Theologe und Bildungsreferent. In wenigen Monaten hatte er die Ladenräume hergerichtet und schließlich im September 2012 die kleine „Buchhandlung am Rathaus“ eröffnet.

„Ich stelle mir gute Bücher in die Regale. Dann kommen die Leute von selbst.“

Hat sich Sebastian Thomann von Anfang an gedacht

Von Anfang an sei seine Überzeugung gewesen: „Ich stelle mir gute Bücher in die Regale. Dann kommen die Leute von selbst.“ Es sollten Bücher sein, die sich in irgendeiner Weise von der Masse abheben und jedes auf seine Art etwas Besonderes ist; aus allen Genres die besten Bücher eben. Früher habe er selbst gern in Buchhandlungen nach solchen Besonderheiten gestöbert. Heute tue er das in Verlagsprogrammen, wie er sagt.

Die Bücher, die Thomann auswählt, müssen ihm auch selbst gefallen, sagt er. Und um ein möglichst umfangreiches Angebot zu haben, beschränkt er sich darauf, von jedem Buch nur ein Exemplar vorrätig zu haben. Nachbestellen kann man immer, ist seine Devise. Und wenn er ein Buch nicht verkaufen sollte, nimmt er es einfach mit nach Hause. „Es ist ja ein gutes Buch.“

Auch eine alte Druckerpresse ziert den kleinen Laden in der Hauptstraße, den Thomann mit viel Liebe zum Detail hergerichtet hat. Foto: Schaller
Auch eine alte Druckerpresse ziert den kleinen Laden in der Hauptstraße, den Thomann mit viel Liebe zum Detail hergerichtet hat. Foto: Schaller

Sebastian Thomann ist eben ein Idealist. Das zeigt sich nicht nur bei der Auswahl seiner Bücher. Mit viel Liebe zum Detail hat er eine Buchhandlung mit einem ganz besonderen Flair geschaffen. Versteckt im Hinterhof hat er mit ebenso viel Detailbesessenheit einen kleinen Lesegarten hergerichtet, mit einer Lagerfeuerstelle und mit Natur- und Klinkersteinen gebauten Sitzgelegenheiten. Der Duft von Rosen und wild wuchernden Gartenkräuter lädt hier den Kunden im Sommer zum Verweilen ein. Es ist der ideale Ort, die nötige Ruhe zu finden, um sich voll und ganz der eben im Laden entdeckten Lektüre hingeben zu können.

In einem großen Versandhaus „auf Masse zu arbeiten“, kann sich der Bücherliebhaber nicht vorstellen, wie er betont. Darum sei er sehr glücklich, in der Burglengenfelder Innenstadt ein geschäftliches Zuhause gefunden zu haben. Hier fühle er sich wohl. „Das ist der ideale Standort für eine kleine Buchhandlung.“

Positive Bilanz nach fünf Jahren

Auch wenn Thomann noch nicht alle seiner Ideen verwirklicht hat, blickt er nach fünf Jahren zufrieden zurück. Viel Arbeit sei es schon gewesen, das alte Gebäude auf Vordermann zu bringen, meint er. Aber inzwischen ertappe er sich immer öfter dabei, selbst mit einem guten Buch im Lesesessel zu sitzen und auch mal zufrieden aus dem Fenster zu schauen.

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