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Region Schwandorf
Sonntag, 25. Februar 2018 2

Tradition

Ein Faschingsorden aus Zahnarztgips

Für viele Faschingsgesellschaften sind die Auszeichnungen aus Metall und Holz ein teuerer Spaß. In Fischbach ist das anders.
Von Philipp Seitz

Der erste Orden der Fischbacher Faschingsgesellschaft wurde vor 31 Jahren noch aus Salzteig gefertigt. Foto: Seitz

Nittenau.Sie sind bunt, teuer und für die Faschingsgesellschaften unverzichtbar: Faschingsorden gehören zur fünften Jahreszeit wie die Narrenkappe oder die glänzenden Kostüme der Garden. Die Orden werden an Politiker, Prominente, engagierte Mitglieder und befreundete Faschingsgesellschaften vergeben. Der Fränkische Fastnacht-Verband gibt im Jahr nach eigenen Angaben rund 30 000 Euro für Orden aus. Was ein Orden kostet, hängt vom Material und der jeweiligen Gestaltung ab, sagt Manuel Hagen. Er ist der Ehrenpräsident des Köferinger Faschingskomitees im südlichen Landkreis Regensburg.

Bei seiner Gesellschaft seien es zwischen fünf und zehn Euro pro Orden. Josef Süß, der Präsident der Nittenauer Allotria, spricht sogar von einem Ordenspreis zwischen neun und 25 Euro. Den Preis des diesjährigen Ordens will Süß nicht verraten. Das sei „ein Staatsgeheimnis“ – auch aus taktischen Gründen. Immer wieder spenden Ordensempfänger an die jeweilige Faschingsgesellschaft, um die Kosten für die Auszeichnung zu decken oder die Arbeit der Narren zu unterstützen. In Fischbach gibt die örtliche Gesellschaft D’Rummlfelser kein Geld für die begehrten Ehrungen aus. Seit 31 Jahren wird jeder Orden in Handarbeit von Familie Fendl gefertigt. Der Fischbacher Faschingszugleiter und ehrenamtlicher „Ordensproduzent“ Ulrich Fendl betont, dass jeder Orden seiner Gesellschaft ein Unikat sei.

Eine Fischbacher Besonderheit

Der Gips wird in die Silikonformen eingelassen. Das blaue Gussmaterial stammt aus der Zahnmedizintechnik. Foto: Seitz

In seinem Arbeitsraum fertigt er die Orden aus Gips, welcher ansonsten beim Zahnarzt für Abdrücke verwendet wird. „So einen Orden gibt es nur bei uns“, sagt Fendl stolz. Das bestätigt Arthur Troidl, der Präsident der Vereinigung Ostbayerischer Faschingsgesellschaften: „Ich weiß keine Gesellschaft, in der ebenfalls Orden aus Zahnarztgips gefertigt werden.“ In dem Landesverband sind nach eigenen Angaben derzeit 86 Faschingsvereine und Gesellschaften mit rund 5600 aktiven Mitgliedern organisiert.

„Wenn ich meine Arbeitszeit rechne, dann würde jeder Orden wohl mehr als 50 Euro kosten.“

Ulrich Fendl, Ehrenamtlicher Ordenproduzent

In seinem Schrank hat Troidl zwischen 600 und 700 Orden aufbewahrt. Wie viele es genau sind, kann Troidl nicht mehr sagen. Während der Faschingszeit vergrößert sich seine Sammlung beinahe täglich. An den Orden aus Fischbach kann sich Troidl aber sehr wohl erinnern: „Ich bewahre diesen separat auf, weil er ja aus einem speziellen Material ist.“ Durch die spezielle Herstellung hebe sich der Orden der Rummlfelser von den anderen Gesellschaften ab.

Das Model für den Orden wird von einer örtlichen Schnitzerei aus Holz gefertigt. Die Form entsteht aus Silikon. Foto: Seitz

In Fischbach winken die Narren dagegen ab. „Die meisten Faschingsgesellschaften hätten lieber Orden aus Metall“, sagt Ulrich Fendl und grinst. Doch wenn Fendl und Faschingspräsident Vogl über die örtlichen Orden berichten, schwingt schon ein wenig Stolz mit. Präsident Vogl verfasste vor einigen Jahren sogar ein Buch, in welchem die verschiedenen Abzeichen der Gesellschaft und deren Motive genau beschrieben werden.

Am Rosenmontag stürmten die beiden Faschingsgesellschaften Allotria und D’Rummlfelser das Nittenauer Rathaus:

Video: Seitz

In der Werkstatt von Ulrich Fendl entstehen jedes Jahr zwischen 200 und 300 Orden. Wie viele Auszeichnungen in der jeweiligen Session verliehen wurden, darüber führen die Fischbacher sorgfältig Buch. Im Jahr 2015 waren es beispielsweise genau 250 Orden, wie Fendl erzählt. Mit ihren Orden wollen sich die Fischbacher aber nicht von den anderen Gesellschaften abheben. „Wir müssen bei den Orden einfach sparen und haben nicht so viel Geld“, sagt Fendl. Die Produktion mit Zahnarztgips kostet nur den Bruchteil des Metallordens – dafür aber viel ehrenamtlich investierte Zeit.

Die Kunst der Ordensproduktion

Die Rohlinge werden getrocknet und anschließend von Hand bemalt oder auch mit Motiven beklebt. Foto: Seitz

Erst einmal muss der Orden entworfen und dann ein Holzmodell geschnitzt werden. Mit diesem wiederum werden mit Silikonkautschuk mehrere Formen für die Orden hergestellt. Alle Orden müssen außerdem per Hand bemalt werden. „Wenn ich meine Arbeitszeit berechnen würde, dann würde jeder Orden wohl mehr als 50 Euro kosten“, sagt Fendl. Für die Gesellschaft ist die Gestaltung des Ordens jedes Jahr ein bedeutsames Thema.

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„Die Orden sind mittlerweile wichtig geworden“, sagt Norbert Schober, der Ordenskanzler des Fränkischen Fastnacht-Verbandes. Früher, im 19. Jahrhundert, sei das noch eine Persiflage auf die Ordenswut der ungeliebten Preußen gewesen. „Heute sind sie unverzichtbar und haben mit einer Persiflage nichts mehr zu tun“, sagt der Experte weiter. Manuel Hagen und Josef Süß fassen es fast identisch zusammen: „Ein Faschingsorden ist eine besondere Form der Wertschätzung.“

(Mit Material von Christiane Gläser, DPA)

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