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Sport

Ein Fußballfan im Reisefieber

Jürgen Hildebrand aus Nittenau verfolgt seit Jahren die großen Turniere live vor Ort. Auch in Russland ist er mit dabei.
von cornelia Lorenz

Gut gelaunt bei der WM in Frankreich im Stadion von Lille: Jürgen Hildebrand (links) mit seinen Freunden Florian Weber (Mitte) und Michael Schmid (rechts). Foto: Hildebrand
Gut gelaunt bei der WM in Frankreich im Stadion von Lille: Jürgen Hildebrand (links) mit seinen Freunden Florian Weber (Mitte) und Michael Schmid (rechts). Foto: Hildebrand

Nittenau.Wenn hierzulande die Fußballfans die deutsche Nationalmannschaft bei ihrem WM-Auftaktspiel gegen Mexiko vom Fernsehsessel aus anfeuern, ist Jürgen Hildebrand im Moskauer Luschniki-Stadion live vor Ort: Der 49-jährige Nittenauer hat sich unbezahlten Urlaub genommen, um die komplette WM-Zeit in Russland verbringen zu können. Seit mehr als 20 Jahren reist er regelmäßig zu Fußball-Großereignissen in der ganzen Welt. „Ich bin schon immer fußballverrückt gewesen – und es ist spannend, andere Kulturen kennenzulernen“, sagt Hildebrand.

Seinen Lebensunterhalt verdient Hildebrand als CAP-Administrator, doch seine Freizeit gehört dem Sport. Als Jugendtrainer bringt er dem Nittenauer Nachwuchs beim TSV von der G- bis zur E-Jugend das Kicken bei und ist deshalb fast jeden Nachmittag am Fußballplatz im Einsatz. Als Bayern-Fan und Jahreskarten-Inhaber ist er außerdem regelmäßig in der Allianz-Arena zu finden.

Zum Auftakt in die USA gereist

Die Idee, auch bei einer Fußball-Weltmeisterschaft einmal ganz nah dabei zu sein, entstand, nachdem sich Deutschland 1990 in Italien den Titel geholt hatte. Mit den Freunden seiner wöchentlichen Schafkopfrunde machte sich Hildebrand an die Planung eines Trips zur Fußball-WM 1994 in den USA. Er erinnert sich noch gut an das erste Spiel der deutschen Elf, das sie mit 1:0 gegen Bolivien gewann. Von seinem Sitzplatz im Stadion aus konnte Hildebrand sogar den damaligen US-Präsidenten Bill Clinton sehen.

Auf Trips nach Los Angeles, Las Vegas, Orlando und Chicago mussten Hildebrand und seine Freunde aber schnell feststellen, wie gering das Interesse vielerorts war. „Die Einheimischen wussten kaum über die WM Bescheid“, erinnert er sich schmunzelnd. Doch gerade der Kontakt zu den Menschen vor Ort und zu anderen Fußballfans ist es, was Hildebrand gefällt. „In den Medien wird über manche Länder so viel Negatives berichtet. Ich bin gespannt darauf, ein Land aus einer anderen Sicht kennenzulernen“, sagt er.

„Ich bin schon immer fußballverrückt gewesen.“

Jürgen Hildebrand, Fußball-Fan aus Nittenau

Besonders beeindruckt hat ihn seine Fußball-Reise zur Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika. Er nutzte den Wettbewerb dazu, abseits der Spiele auf eigene Faust die Umgebung zu erkunden – und kam schnell zu der Erkenntnis, dass man sich in Städten wie Pretoria oder Kapstadt durchaus ohne Angst vor Kriminalität bewegen könne.

Unvergesslich bleibt für Hildebrand die Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien. Zusammen mit rund 15000 deutschen Fans erlebte er den fulminanten 7:1-Sieg von Jogi Löws Elf gegen den Gastgeber mit. „Hinter uns saßen zwei Brasilianer. Sie haben am Anfang noch gesungen und gebrüllt, aber sind dann immer leiser geworden“, erinnert er sich.

So wird die Reise von Jürgen Hildebrand zur WM in Russland aussehen:

Gut geplante Reise

  • Ausgangspunkt:

    Jürgen Hildebrand wird als Mitglied des „Fan-Clubs Nationalmannschaft“ von der Vorrunde bis zum Achtelfinale im Fan-Camp des Hotels „Holiday Inn Vinogradovo“ nördlich von Moskau wohnen.

  • Fans:

    Hier sind insgesamt 200 deutsche Fans untergebracht. Die komplette Hotel-Anlage steht ausschließlich dem Fan Club zur Verfügung. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist das Zentrum Moskaus gut zu erreichen.

  • Spiele:

    Auch die WM-Stadien, die Flughäfen und der Hauptbahnhof liegen in Fahrdistanz. Der Fan-Club wird in Zusammenarbeit mit dem DFB-Reisebüro Transfers zu den Spielen der deutschen Mannschaft anbieten.

  • Club:

    Der Fan-Club wurde vor gut zehn Jahren vom DFB und Coca-Cola gegründet. Mittlerweile hat er über 50 000 Mitglieder. Das Ziel des Clubs lautet, die Nationalmannschaft bestmöglich zu unterstützen.

Ob die Deutschen in Russland wieder so erfolgreich sein können, wird sich in den nächsten Tagen zeigen. Doch Hildebrand ist optimistisch – auch wenn die letzten Vorbereitungsspiele nichts Gutes verheißen. „Da geb’ ich nichts drauf. Deutschland ist eine Turniermannschaft – die Jungs werden sich steigern“, ist er überzeugt. Seiner Meinung nach werden sie es weit bringen – vielleicht sogar bis ins Finale. Richtig ärgern kann er sich über Leichtsinnsfehler. „Ich bin sehr kritisch – aber ein Profi sollte doch einen einfachen Pass spielen können, der auch ankommt“, sagt er.

Tickets schon in der Tasche

Die Tickets für alle Vorrundenspiele der Nationalmannschaft hat Hildebrand bereits in der Tasche – und auch die Option auf die Finalspiele hat er sich dank seiner Mitgliedschaft im DFB-Fanclub bereits sichern können. Mit seinem Reisepass wird er sich an der Ausgabestelle vor Ort die nächsten Tickets abholen. Den Spaß, bei der WM hautnah dabei zu sein, lässt sich Hildebrand einiges kosten: Rund 420 Euro zum Beispiel muss er für ein Ticket fürs Finale berappen – in der mittleren Kategorie drei wohlgemerkt. Dazu die Flüge und die Unterkunft für die vom DFB-Fanclub organisierte Unterkunft im Norden von Moskau – das läppert sich am Ende. Sein Budget für Brasilien lag bei rund 8500 Euro, allein 3000 Euro kosteten damals schon die Flüge.

Doch das ist es Hildebrand wert. Um die Zeit in Russland ohne Druck genießen zu können, hat er mit seinem Arbeitgeber heuer eine zweimonatige Auszeit vereinbart, damit er nicht den kompletten Jahresurlaub opfern muss. „Fußball ist aus meinem Leben nicht wegzudenken“, sagt er.

Liveticker, Spielplan, Tabellen sowie aktuelle Nachrichten zur Fußball-Weltmeisterschaft in Russland finden Sie hier.

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