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Ein Gottesdienst zum Mitfeiern

Diesen Sonntag macht sich Pfarrer Michael Hirmer Gedanken über das Versagen und einen Gott, der einen Neuanfang schenkt.
von Pfarrer Michael Hirmer

Pfarrer Hirmer (l.) und Pfarrvikar Mathew müssen den Gottesdienst derzeit alleine feiern.  Foto: Pfarrei Teublitz
Pfarrer Hirmer (l.) und Pfarrvikar Mathew müssen den Gottesdienst derzeit alleine feiern. Foto: Pfarrei Teublitz

Schwandorf.Es war alles klar, als dieses Kohlenfeuer am Ufer des Sees von Genezareth brannte. Da brauchte es keine Fragen mehr und erst recht keine Antworten. Es war einer dieser perfekten Momente im Leben, der erfüllt war von purer Freude und der vollendet wurde von endloser Liebe. Erst erkannten die Jünger den auferstandenen Jesus nicht. Doch dann, beim Fischen, wurde es klar: „Er ist es! Der auferstandene Herr steht am Ufer.“

Petrus, den Oberfischer, konnte man vor Freude nicht mehr halten. Übermütig vor Glück sprang er ins Wasser und schwamm auf den am Ufer Stehenden zu. Voller Kraft und Mut strotzend zog Petrus das übervolle Netz mit Fischen ans Land. So begegnete der Auferstandene Herr Jesus Christus seinen Jüngern. Er stand am Ufer des Sees und wartete am Kohlenfeuer, um mit den Jüngern Mahl zu halten. Ein wunderschöner Augenblick, den die Fischer wohl nie wieder vergessen konnten.

Petrus verleugnet Jesus

Liebe Leserinnen und Leser! Wenn Sie in Ihr Leben zurückblicken: Gab es da so Momente voll von Glück? Kennen Sie solche Situationen, in denen alles klar war? Wo es keine Fragen mehr gab? Wann waren keine Antworten mehr nötig? Erinnern Sie sich an Augenblicke, die einfach erfüllt waren von Liebe, wo sie brennend waren voller Freude und Hoffnung? Als damals dieses Kohlenfeuer am See von Genezareth brannte, war das so ein wundervoller Moment, den die Jünger nie wieder vergessen konnten. Es war so ein Augenblick, der das ganze weitere Leben prägte.

Den ganzen Gottesdienst können Sie im Video nachverfolgen:

Ein Gottesdienst zum Mitfeiern

Dabei sah es einige Tage zuvor ganz anders aus. Es war noch gar nicht so lange her, als sich eine Gruppe von Menschen spät in der Nacht um ein anderes Kohlenfeuer drängte. Die glühenden Kohlen strahlten eine wohlige Wärme aus, die den Menschen um das Feuer herum guttat in dieser frischen Nacht. Einer, der damals mit am Kohlenfeuer stand, war jedoch von panischer Angst erfüllt, man könnte ihn entdecken und erkennen. Und tatsächlich wurde diese anklagende Frage gestellt: „Bist du nicht auch einer von den Jüngern dieses Menschen?“ Doch am wohlig warmen Kohlenfeuer leugnete es Petrus und das gleich dreimal: „Nein! Ich kenne diesen Jesus nicht!“

Ja, liebe Leserinnen und Leser: Auch solche Kohlenfeuer des Versagens brennen in unserem Leben. Sicher fallen Ihnen jetzt auch Momente ein, in denen sie verkauft und verraten wurden. Vielleicht haben Sie anderen Unrecht getan? Wo haben Sie falsch gehandelt? Denn auch ich kenne in meinem Leben dieses wohlig warme „Kohlenfeuer“. Es sind Situationen, an denen ich ebenso im Leben und Glauben versagt habe, wie Petrus damals im Hof des hohepriesterlichen Palastes.

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Am Kohlenfeuer hat Petrus seinen besten Freund Jesus gleich dreimal verleugnet. Er hat seinen besten Freund in schlimmster Not im Stich gelassen. Was für ein grandioses Versagen, ausgerechnet am Abend vor dem Tag, an dem Jesus am Kreuz sterben wird. Petrus hatte somit nicht einmal die Chance, sich bei Jesus zu entschuldigen oder es wieder gut zu machen. Ganz ehrlich, liebe Leserinnen und Leser, mir ist dieser Petrus nicht unbekannt. Auch in meinem Leben gab es Situationen und Momente, in denen ich falsch gehandelt habe und es nicht mehr wieder gut machen konnte. Jeder Mensch trägt Schuld mit sich. Jeder von uns stand schon, wie Petrus, an so einem „Kohlenfeuer des Versagens“.

Jedoch, typisch Jesus, lässt er Petrus nicht als Versager und Verleumder am Kohlenfeuer in kalter dunkler Nacht stehen. Jesus wendet sich nicht zornig und enttäuscht vom sündigen Petrus ab. Er belässt es nicht bei diesem „Kohlenfeuer des Versagens“. Nein, stattdessen zündet er als Auferstandener am See von Genezareth ein neues Kohlenfeuer an. Petrus bekommt eine weitere Chance, es richtig und gut werden zu lassen.

Netzwerke der Versöhnung

  • Versöhnung:

    Ein Kohlenfeuer der Versöhnung brennt auch heute noch gleich neben dem Ort, an dem der Auferstandene vor 2 000 Jahren den fischenden Jüngern begegnet ist. Es nennt sich „Beit Noah“ (Haus des Noah) und es ist eine Begegnungsstätte von Jugendlichen. Deutsche Benediktinermönche haben einen Ort der Versöhnung geschaffen, an dem junge Menschen, egal welcher Herkunft, miteinander leben. Das „Beit Noah“ ist für viele Jugendliche in Israel zu einem Kohlenfeuer des Friedens geworden, das hineinleuchtet in ein Land, das geprägt ist von religiösen und ethnischen Konflikten.

  • Netzwerk:

    Die Jüngerinnen und Jünger Jesu sind heutzutage keine Fischer mehr. Dennoch werfen Christen ihre Netze aus, um Netzwerke der Versöhnung und des Miteinanders zu bilden. Christsein heißt, in ein weltweites Netzwerk eingebunden zu sein, in dem Menschen Halt und Solidarität erfahren. Gerade in Krisenzeiten wird den Menschen bewusst, wie wichtig diese oft belächelten Netzwerke der Kirche sind. Passende Lesungen zum Mitfeiern zu Hause: Apostelgeschichte 2,14.22a-33, 1. Petrusbrief 1,17-21. Evangelium nach Johannes 21,1-14. Gottesloblieder: 336, 171, 629/3, 326, 169, 202, 329, 525.

Das Kohlenfeuer des Auferstandenen brennt sogar dann, wenn es aus menschlicher Sicht gar keine weiteren Chancen mehr geben kann. Selbst nach dem Tod ist für den Auferstandenen ein Neuanfang möglich. Selbst dann, wenn scheinbar alles aus und vorbei ist. Wie hätte Petrus sein Versagen am Abend vor dem Tod Jesu wiedergutmachen können? Am nächsten Tag war Jesus tot. Wie kann man sich mit einem Toten versöhnen? Bedeutet „Auferstehung“ nicht auch die tiefe Hoffnung, dass selbst nach dem Tod bei Gott alles gut werden kann?

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Genau das finde ich so genial an Gott. Deshalb glaube ich an ihn. Denn ich erfahre Gott als einen, der nicht strafend aufrechnet oder nachtragend ist. Ich erlebe Gott als einen, der mein Versagen kennt. Der mir aber als liebevoller Gott immer und immer wieder Auswege aus dem Schlamassel meines Lebens gibt. Ich erfahre Gott als einen, der am Kohlenfeuer geduldig wartet, bis ich den Weg zu ihm und seiner Liebe gefunden habe. Da geht es mir in meinem Glauben nicht viel anders als den Jüngern damals am See von Genezareth: Der Auferstandene steht am Ufer meines Lebens und wartet voll Sehnsucht auf mich.

Können Sie, lieber Leserinnen und Leser, die Sehnsucht Gottes spüren? Denn Gott wartet voll Sehnsucht auf Sie! Er hat für Sie und uns alle ein Kohlenfeuer seiner Liebe angezündet und lädt uns sein, dass wir zu ihm kommen. Petrus, der Versager von einst, traute sich diese Einladung des Auferstandenen am „Kohlenfeuer der Liebe“ anzunehmen. Trauen wir uns das auch?

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