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Region Schwandorf
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Geschichte

Ein Oldtimer im Dienst der Brucker Wehr

In der Chronik der Feuerwehr Bruck steht viel Interessantes, auch über die 90 Jahre alte Autospritze – ihr ganzer Stolz.
Von Renate Ahrens

  • Bis heute ist das „Benzin-Automobil Magirus Motorspritze Modell Bayern“ in Besitz der Feuerwehr. Fotos: Feuerwehr, Renate Ahrens
  • Die Feuerwehrsenioren

Bruck. Bruck. Wenn am Sonntag beim großen Festzug durch die Marktgemeinde Bruck der wunderschöne Oldtimer, die Autospritze LF 12, von allen Seiten bewundert werden kann, ist das der Hartnäckigkeit der Brucker Vereinsvorfahren zu verdanken. Wegen „Geldmangel der Feuerwehr“ in den ersten Jahren der Anschaffung hätte man das erste motorisierte Fahrzeug der Brucker Feuerwehr nämlich beinahe zurückgeben müssen.

Beim Kauf dieses „Benzin-Automobils Magirus Motorspritze Modell Bayern“ zum Preis von 15 500 Mark im Jahr 1930 waren Bürgen bestellt und bei der Gemeinde Unterstützung beantragt worden. Bereits ein Jahr später wird in einem Sitzungsprotokoll vermerkt: „An den Marktrat wird das Ersuchen gestellt, die Summe von 337,50 Mark für die Autospritze zu zahlen, wenn Herr Oberkommandant die Summe vom Bezirk nicht hereinbringen kann.“

Wegen Geldnot in Gefahr

Auch die Meldung ein Jahr darauf, am 4. August 1932, klingt alarmierend: „Die Feuerwehr Bruck kann die letzte Tilgungsrate für die Autospritze nicht leisten. Bürgermeister Rothammer wird wegen Geldnot der freiwilligen Feuerwehr aufgefordert, seine 100 Mark zur Autospritze sofort zu zahlen.“ Scheinbar sei das Geld dann doch „irgendwie zusammengekommen“, heißt es in der 100 Seiten dicken Festschrift zum 150-jährigen Jubiläum, das am kommenden Wochenende gefeiert wird.

Ein schmucker Oldtimer ist das 90 jahre alte Löschfahrzeug.
Ein schmucker Oldtimer ist das 90 jahre alte Löschfahrzeug.

Erinnerungen der ältesten Mitglieder und Auszüge aus Archiven erlauben interessante Einblicke in die Geschichte des inzwischen fast 500 Männer und Frauen starken Vereins. Verheerende Brände gaben im Jahr 1868 den Anstoß zur Gründung einer Freiwilligen Feuerwehr in Bruck. Überlieferungen aus den ersten zehn Jahren sind allerdings – eine Ironie des Schicksals – Flammen zum Opfer gefallen, als im Jahr 1879 Rathaus und Pfarrhof brannten und mit ihnen die Aufzeichnungen.

Brandbekämpfung seit 150 Jahren

  • Der Oldtimer LF 12 war bis zum Jahr 1968 im Einsatz. Er wird liebevoll gewartet, sodass er mit stolzen Feuerwehrkameraden auf den Holzbänken mit am Festzug teilnehmen wird. Sogar viele Feuerwehruniformen aus dieser Zeit sind im Gerätehaus noch erhalten.

  • Die Jugendfeuerwehr wird in Bruck besonders gefördert und unterstützt. Bereits mit zwölf Jahren können heute Mädchen und Jungen beitreten. Ab 16 Jahren nehmen die Feuerwehranwärter, nach abgeschlossener modularer Truppausbildung, an Einsätzen teil, ab 18 Jahren im aktiven Dienst.

  • Die Seniorengruppe der Brucker Feuerwehr ist eine Besonderheit. Der aktive Dienst endet mit dem 65. Lebensjahr, doch dies hat keine Trennung zur Folge. Die Senioren nehmen rege am Vereinsleben teil. Die Feuerwehr zählt insgesamt 480 Mitglieder.

  • Die Damengruppe wurde am 1. August 1977 auf Initiative von Gertraud Bock, Rosemarie Gerl und Anna Faltermeier gegründet. Anfangs seien die Damen noch belächelt worden, heute sind sie aus dem aktiven Feuerwehrdienst nicht wegzudenken.

Bis zum Jahr 1930 rückte die Feuerwehr noch mit einer Kutsche und zwei PS, also zwei Pferden, aus. Als Alarmsignal wurde mit einer Trompete am sogenannten Faderl-Eck „Feuer“ geblasen. Heute ist die Feuerwehr Bruck eine leistungsfähige, gut ausgestattete und bestens ausgebildete Organisation, die aus der Marktgemeinde nicht wegzudenken ist – und dabei engagieren sich alle Retter ehrenamtlich in ihrer Freizeit. Doch der Weg dahin war im Laufe der 150 Jahre nicht leicht. Die Feuerwehr Bruck wurde zu vielen Einsätzen in der ganzen Umgebung gerufen, zum Beispiel auch am 31. März 1899 nach Nittenau zu einem Brand. „Rasch waren 33 Mann versammelt, konnten aber nicht abfahren, weil es an einem Gespann fehlte.“

Schläuche sind eingefroren

Viele Einsätze mussten die Feuerwehrkameraden auch im Zweiten Weltkrieg leisten, selbst in Nürnberg und Regensburg zu schweren Bombenangriffen ausrücken. Einmal froren dabei sogar die Schläuche ein, so kalt war es. Im Stadtarchiv Regensburg ist über die Brucker Feuerwehr vermerkt, dass sämtliche Kräfte eingetroffen seien, „ohne eigene Verpflegung mitzuführen“.

Die Jugendgruppe aus Bruck
Die Jugendgruppe aus Bruck

Während der ganzen Zeit leistete die Autospritze gute Dienste. Natürlich wurden mit ihr auch Übungen abgehalten – legendär sind bis heute die „Übungen 40“ im Waldhaus Einsiedel, auch Fasslübungen genannt. Denn immer war ein 40 Liter-Fass Bier dabei – und der Fahrer musste, so steht in der Festschrift, seine Mitfahrer bei der Heimfahrt am Fahrzeug „anhängen“, da zu befürchten war, er würde sie unterwegs verlieren. Es ist wohl auch einzigartig, dass vor zehn Jahren der 80. Geburtstag des LF 12 mit einem großen Fest begangen wurde.

Die Damengruppe der Wehr
Die Damengruppe der Wehr

Der damalige Kreisbrandrat Siegfried Hammerer hatte sich damals zuvor skeptisch gezeigt. „Aber als ich es ankommen sah, wusste ich, dass die Feuerwehr Bruck stolz auf ihren Oldtimer sein kann und das Fest in jedem Fall gerechtfertigt ist.“ Alles setzte man daran, das LF 12 zu behalten, bis heute, und so wird es auch im Jubiläumsfestzug zum 125-Jährigen eine Augenweide sein.

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