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Rettung

Ein Schockgeber im Pfarrheim

In Neunburg wurde ein neuer Defibrillator installiert. Das BRK sagt damit dem plötzlichen Herztod „Im Berg“ den Kampf an.

Dr. Richard Wagner (2.v.l.), seine Frau Marga Wagner (l.), stellvertretender Bereitschaftsleiter Maximilian Lang (Mitte), Stadtpfarrer Stefan Wagner (2.v.r.) und Pfarrgemeinderatssprecher Michael Hellmuth (r.) freuten sich gemeinsam bei der Übergabe über den neuen Lebensretter im Pfarrheim. Foto: Anna Hellmuth
Dr. Richard Wagner (2.v.l.), seine Frau Marga Wagner (l.), stellvertretender Bereitschaftsleiter Maximilian Lang (Mitte), Stadtpfarrer Stefan Wagner (2.v.r.) und Pfarrgemeinderatssprecher Michael Hellmuth (r.) freuten sich gemeinsam bei der Übergabe über den neuen Lebensretter im Pfarrheim. Foto: Anna Hellmuth

Neunburg vorm Wald.Die Vision vom Lebensretter rund um das Neunburger Pfarrheim in Form eines öffentlich zugänglichen Defibrillators hatte der stellvertretende Bereitschaftsleiter des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK), Maximilian Lang, schon länger. Der Notfallsanitäter ist seit 2017 bemüht, die Stadt sowie die umliegenden Gemeinden herzsicherer zu machen.

Die Installation von sogenannten AED (Automatisch Externe Defibrillatoren) im öffentlichen Bereich ist nur ein Baustein von vielen im Kampf um den plötzlichen Herztod, so Lang. Um die Vision nun real werden zu lassen, holte Lang den Neunburger Internisten und Stadtrat Dr. Richard Wagner ins Boot, der sofort von dem Projekt überzeugt war. Anlässlich seines 60. Geburtstages im vergangenen Jahr war es Wagners Wunsch, durch Geldspenden anstelle von Geschenken die Anschaffung des fast 2000 Euro teuren Defibrillators möglich zu machen.

Den beheizbaren Wandkasten steuerte die Helmut Seebauer Tiefbau GmbH aus Girnitz bei Schwarzhofen bei. Große Freude bei allen Beteiligten herrschte laut dem Bericht des BRK bei der Übergabe des Gerätes an den Hausherren des Pfarrheims, Stefan Wagner, und Pfarrgemeinderatssprecher Michael Hellmuth. Beide nahmen das lebensrettende Gerät entgegen. Dieser befindet sich alarmgesichert und öffentlich zugänglich beim Georgsbrunnen am Pfarrheim.

Wir wollten damit den ganzen Bereich „Im Berg“ abdecken, sind sich Dr. Wagner und Notfallsanitäter Lang einig. „Das öffentliche Leben dort ist das ganze Jahr über groß. Anwohner, Musikschule, Fronfeste, Kirche, Pfarrheim, Hussenkrieg, Kinosommer – die Liste ist lang“, so Notfallsanitäter Maximilian Lang.

Notfälle in der Pfarrkirche

In den vergangenen Jahren habe es bereits in der Pfarrkirche Herzkreislaufstillstände in Form des lebensbedrohlichen Kammerflimmerns gegeben. Wenn hier ein Ersthelfer nicht schnellstmöglich eingreife, nehme er billigend in Kauf, dass der Patient verstirbt oder mit schweren bleibenden neurologischen Schäden den Rest seines Lebens im Pflegebett verbringen muss, so Lang weiter.

Defibrillation könne Leben retten, allerdings sollte die Herzdruckmassage niemals unterbrochen werden, um nach einem Defibrillator zu suchen. Nur wenn mehrere Personen anwesend seien und die Herzdruckmassage ununterbrochen fortgesetzt werden könne, soll eine weitere Person den nächsten AED (Automatisierter externer Defibrillator) holen. Die aktuellen Fakten des Deutschen Rats für Wiederbelebung spiegeln genau das Problem wieder. Die Quote, dass Ersthelfer in Deutschland mit der Herzlungenwiederbelebung beginnen, liegt nur bei 39 Prozent. 50 000 Menschen sterben pro Jahr an Herzkreislaufstillstand, die Überlebensrate beträgt derzeit nur zehn Prozent.

Die Überlebenschancen würden sich verdreifachen, wenn Umstehende mit der Wiederbelebung beginnen würden. Dadurch ließen sich jedes Jahr 10 000 zusätzliche Leben in Deutschland retten. In über 60 Prozent der Fälle wird der Herz-Kreislauf-Stillstand beobachtet. „Laienreanimation ist kinderleicht. Alles was man zur Hilfeleistung braucht, sind zwei Hände. Sie können nichts falsch machen, es sei denn, Sie tun nichts“, sagt Lang.

Für die Laienreanimation gelte der Algorithmus „Prüfen – Rufen – Drücken“. Zuerst sei zu prüfen, ob der Betroffene normal atmet und ansprechbar ist, andernfalls erfolge der Notruf (112), danach sollte sofort mit der Herzdruckmassage begonnen werden. Zusätzlich könne Mund-zu-Mund-Beatmung durchgeführt werden, wenn man sich dazu in der Lage fühle.

Anleitung am Telefon sinnvoll

Meist reiche die alleinige Herzdruckmassage bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes aus, um ein Leben zu retten, da im Regelfall der noch im Blut vorhandene Sauerstoff für einige Minuten ausreiche. Bei Kleinkindern, Ertrunkenen und bei deutlich verzögertem Eintreffen des Rettungsdienstes sollte aufgrund des dann eintretenden Sauerstoffmangels möglichst auch immer beatmet werden. In vielen Fällen sei laut Lang beim Notruf eine Anleitung zur Herzdruckmassage durch die Leitstellendisponenten möglich und sehr sinnvoll (Telefonreanimation).

Ein Herzstillstand könne jeden treffen, und bislang könne nicht jeder helfen. „Ein Mammutprojekt, dem wir uns gerne stellen“, so Lang. Eine Einweisung in das Gerät werde es durch den Notfallsanitäter geben, besonders für jene, die in diesem Bereich wohnen oder, egal in welcher Form, rund um die Pfarrkirche tätig sind.

Der Defibrillator

  • Einsatz:

    Defibrillatoren stehen auf Intensivstationen, in Operationssälen oder in Rettungsfahrzeugen bereit. Seit den 90er Jahren werden automatisierte, externe Defibrillatoren auch in öffentlich zugänglichen Gebäuden bereitgestellt.

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