mz_logo

Region Schwandorf
Montag, 16. Juli 2018 27° 8

Spatenstich

Ein Segen für Sterbenskranke

Pallicura baut ein neues Domizil. Das Sozialunternehmen betreut mehr als doppelt so viele Patienten wie bei der Gründung.
Von Reinhold Willfurth

Mit einem symbolischen Spatenstich begannen die Bauarbeiten für das neue Domizil von Pallicura.Foto: Willfurth
Mit einem symbolischen Spatenstich begannen die Bauarbeiten für das neue Domizil von Pallicura.Foto: Willfurth

Schwandorf. Das 20-köpfige Team der Pallicura versorgt schwerstkranke Menschen im Landkreis Schwandorf auf ihrem letzten Lebensweg – rund um die Uhr und in ihrer vertrauten Umgebung. Die Patientenzahlen haben sich seit der Gründung vor viereinhalb Jahren mehr als verdoppelt, sagte Pallicura-Geschäftsführerin Juliane Schießl-Götz beim Spatenstich für das neue Domizil am Freitag im Gewerbegebiet Gleisdreieck.

Es wurde einfach zu eng auf den rund 70 Quadratmetern, die das Pallicura-Team in Klardorf-Zielheim 2012 bezogen hatte. Vor einem Jahr habe man sich auf die Suche nach einer Alternative gemacht, wurde aber im Stadtgebiet nicht fündig. Assistiert von Wirtschaftsförderin Maria Schuierer und Armin Rank von der städtischen Liegenschaftsabteilung sei man schließlich auf die Idee gekommen, neu zu bauen. Ein Grundstück in sehr guter Lage dafür war schnell gefunden: Die Birkenlohstraße gegenüber dem Eingang zur Länderbahn-Werkstatt sei auch von außerhalb sehr gut anfahrbar und liege zudem in der Nähe des St. Barbara-Krankenhauses, so Architekt Alfred Popp.

Von 70 auf 300 Quadratmeter

Auf dem 1600 Quadratmeter großen Grundstück entsteht jetzt ein L-förmiges Gebäude mit rund 300 Quadratmetern Nutzfläche. Vier Büros, ein Besprechungsraum und eine Teeküche sollen in einem guten Jahr für rund zehn Mitarbeiter bereitstehen, darunter auch die ehrenamtlichen des Pallicura-Fördervereins. Die ambulante Pflege der Patienten stehe im Mittelpunkt, erläuterte Juliane Schießl-Götz. „Aber es ist auch viel Büroarbeit nötig.“ In dem Gebäude mit den versetzten Pultdächern wird auch die neu geschaffene „Akademie für Gesundheit und Soziales“ untergebracht, ein Schulungsangebot der Pallicura für examinierte Pflegekräfte und Ärzte, die sich auf dem Gebiet der palliativen Versorgung weiterbilden wollen. Als weiteren Grund für die Expansion nennt Pflegedienstleiterin Monika Kagerer die Tatsache, dass Pallicura mittlerweile landkreisweit etabliert sei. Die anfängliche Skepsis bei Pflegekräften, Ärzten und Angehörigen sei verflogen. Man habe ein gutes Netzwerk aufgebaut, zu dem auch das Hospizverein im Landkreis zähle. Im Schnitt betreuten die Pflegekräfte bis zu 30 Patienten, die Zusammenarbeit mit den Hausärzten sei ausgezeichnet.

Den Hausärzten kommt bei der Entscheidung für die professionelle Begleitung sterbenskranker Patienten eine Schlüsselrolle zu. Von den Medizinern, von Sozialdiensten und von Angehörigen komme der Anstoß dazu. Manchmal ist es auch ein Hilfeschrei von Angehörigen, die nicht mehr weiter wissen. Deren Betreuung gehört ebenfalls zum Angebot der Pallicura. Bei ganz schwierigen Entscheidungen hilft der Ethikberater des Pallicura-Fördervereins, Dr. Manfred Hausel. Der ehemalige Chefarzt im Klinikum Weiden steht den Angehörigen mit seiner ganzen Erfahrung zur Seite.

Förderverein hilft mit Angeboten

Finanziert wird Hausel vom Förderverein, der mit vielen weiteren Angeboten die Arbeit der professionellen Helfer unterstützt. So kann eine ebenfalls vom Verein bezahlte Atemtherapie vielen schwerstkranken Patienten Erleichterung verschaffen. Ein großer Erfolg sei auch der alljährliche Gedenkgottesdienst für verstorbene Patienten, sagt die Fördervereinsvorsitzende Sonja Kellner. „Beim letzten Mal waren 184 Gäste da. Ganze Familien melden sich da an.“

Oberbürgermeister Andreas Feller zeigte sich beim Sektempfang auf der Baustelle froh, dass Pallicura in der Großen Kreisstadt baue, „denn der Landkreis lässt sich von Schwandorf aus bestens betreuen“. Feller wünschte ebenso wie Landrat Thomas Ebeling eine glückliche Hand für das Wirken des Sozialunternehmens. „Wir sind froh, dass wir sie haben“, sagte Ebeling über Pallicura.

Weitere Nachrichten aus Schwandorf und Umgebung lesen Sie hier.

Was ist SAPV?

  • Definition:

    Unheilbar kranke Menschen mit gesetzlicher Krankenversicherung haben seit 2007 einen Anspruch auf Leistungen aus der spezialisierten ambulanten Palliativversorgung (SAPV). Der Hausarzt entscheidet, wann der Anspruch gegenüber der Krankenkasse geltend gemacht wird.

  • Aufgaben:

    Aufgabe des Pallicura-Teams aus Ärzten und Pflegekräften ist es, belastende Symptome wie Schmerzen, Ängste, Atemnot oder Übelkeit zu lindern, mit dem Ziel, erträgliche Lebenszeit trotz schwerster Krankheit und drohendem Tod im ambulanten Bereich, insbesondere auch das Sterben zuhause, zu ermöglichen. Pallicura versorgt Patienten im gesamten Landkreis Schwandorf - zuhause oder im Pflegeheim.

  • Regularien:

    SAPV ist ein zusätzliches Leistungsangebot zur ambulanten Versorgung, um die Betreuung durch Hausarzt und Pflegedienst zu ergänzen. Ein Wechsel der bestehenden Behandlung von Hausarzt und Pflegedienst erfolgt trotz der Inanspruchnahme von SAPV-Leistungen nicht.

  • Patientengespräch:

    Im Gegensatz zum Pflegedienst ist die SAPV zeitlich nicht eingegrenzt. Das so wichtige längere Gespräch mit Patienten und Angehörigen ist somit möglich.

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht