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Verkehr

Ein Vorgeschmack auf den Neubau

Sicherheit geht vor: Auf der großen Nittenauer Regenbrücke müssen sich die Verkehrsteilnehmer an Behinderungen gewöhnen.
von cornelia lorenz

Die Autofahrer müssen sich an der großen Regenbrücke auf Behinderungen einstellen. Foto: Lorenz
Die Autofahrer müssen sich an der großen Regenbrücke auf Behinderungen einstellen. Foto: Lorenz

Nittenau.Dass die Tage der maroden großen Regenbrücke gezählt sind, ist seit Jahren bekannt. Doch nun ist das knapp 70 Jahre alte Bauwerk schneller als erwartet zum Nadelöhr geworden: Bevor der Neubau voraussichtlich im Frühjahr 2019 startet, müssen sich die Verkehrsteilnehmer jetzt schon mit einer Ampelregelung und einer Tonnagebeschränkung auf 3,5 Tonnen arrangieren. „Wir wollen damit auf Nummer sicher gehen“, sagt Bauoberrat Stefan Noll vom Staatlichen Bauamt Amberg-Sulzbach.

Nichts hilft mehr

Stefan Noll vom staatlichen Bauamt erläuterte kürzlich den Planungsstand. Foto: tkw
Stefan Noll vom staatlichen Bauamt erläuterte kürzlich den Planungsstand. Foto: tkw

Undichte Fahrbahnquerfugen, großflächige Betonschäden an der Fahrbahnplatte, Rost an den Stahlträgern – die Mängelliste für die große Regenbrücke lässt keine Zweifel offen. „Man kann der Brücke nicht mehr helfen – sie ist verbraucht“, sagt Noll. Vor zwei Jahren hatte das staatliche Bauamt eine rund 100000 Euro teure Sanierungsmaßnahme durchgeführt, um die Sicherheit des Bauwerks bis zum Neubau zu gewährleisten: Ein Geogitttergewebe, getränkt mit einer Bitumenemulsion, wurde aufgebracht, um unter der neuen Asphaltdecke für mehr Stabilität zu sorgen.

Doch nun, knapp zwei Jahre später, schlugen die Prüfstatiker des Bauamts, die die Brücke vierteljährlich unter die Lupe nehmen, erneut Alarm: Sie empfahlen dringend, Sicherheitsmaßnahmen zu ergreifen, weil sich ihrer Dokumentation zufolge die Rostschäden an den Stahlträgern verschlimmert hatten. Beim staatlichen Bauamt spricht man von „akutem Handlungsbedarf“, weshalb die zulässige Tonnage der Brücke auf 3,5 Tonnen abgesenkt werden musste. Außerdem muss die Fahrbahn auf der Brücke mittels Leitbaken eingeengt werden, um die Randbereiche zu entlasten.

Gefährlicher Leichtsinn

Die große Regenbrücke wurde 1950 gebaut. Die Stahlträger haben Rostschäden. Foto: scl
Die große Regenbrücke wurde 1950 gebaut. Die Stahlträger haben Rostschäden. Foto: scl

Die Nittenauer müssen sich deshalb bis auf Weiteres mit Wartezeiten an den beiden nötigen Ampeln arrangieren. Größere Probleme aufgrund der neuen Verkehrssituation seien bislang nicht aufgetreten, sagt Rainer Hirschmann, Chef der Polizeistation Nittenau. Trotzdem ist ihm und seinen Kollegen aus der Bevölkerung zugetragen worden, dass es offenbar immer noch leichtsinnige Lkw-Fahrer gibt, die die 3,5-Tonnen-Beschränkung einfach ignorieren und trotzdem über die marode Brücke fahren – was laut Noll angesichts des Zustands der Brücke gefährliche Folgen haben kann.

Verhindern können die Beamten der Polizeistation solche unvernünftigen Aktionen kaum, denn für regelmäßige Kontrollen an der Brücke fehlt das nötige Personal. Im Rahmen von Streifenfahrten haben sie laut Hirschmann die Brücke zwar durchaus immer wieder im Blick, aber mehr sei, wie auch in der Vergangenheit, nicht drin. „Es wäre erschreckend, wenn wir uns darum auch noch kümmern sollten“, betont Hirschmann.

Auch die früheren Lastbeschränkungen wurden häufig missachtet. Archiv-Foto: ht
Auch die früheren Lastbeschränkungen wurden häufig missachtet. Archiv-Foto: ht

Gerade die schweren Lkw, die in den vergangenen Jahren die Brücke trotz bereits erfolgter Beschränkung auf 7,5 Tonnen passierten, haben laut Noll massiv dazu beigetragen, dass die Brückenschäden schlimmer wurden. Rund 12 000 Fahrzeuge rollen pro Tag über das Bauwerk – ein schwerer Sattelschlepper erzeuge aber eine Belastung wie bis zu 60000 Pkw, so Noll.

Doch darüber zu lamentieren ändert nichts mehr am Zustand der Brücke. Beim staatlichen Bauamt arbeitet man deshalb mit Hochdruck an den Planungen für den Brückenneubau. „Wir sind in den letzten Atemzügen für das Planfeststellungsverfahren“, sagt Noll. Man habe einen „intensiven Abstimmungsprozess“ mit vielen Beteiligten wie etwa dem Wasserwirtschaftsamt hinter sich und habe die Pläne für die Brücke auch auf die geplanten Hochwasserschutzmaßnahmen der Stadt abgestimmt.

Für Hochwasser gerüstet

So wird die Durchflussbreite des Regens bei der neuen Brücke im Vergleich zum alten Bauwerk erhöht, damit das Wasser besser abfließen kann. Um für die Anforderungen eines Jahrhunderthochwassers gerüstet zu sein , wird der Straßenverlauf künftig etwas erhöht und die Brücke mit einem „obenliegenden Tragwerk“ gebaut. Die Gesamtstützweite der neuen Brücke wird etwa 112 Meter betragen und die Stahlbogenkonstruktion wird etwa zehn Meter hoch sein. Die Kosten liegen laut Noll bei etwa zehn Millionen Euro. Der Bau inklusive Behelfsbrücke wird voraussichtlich etwa drei bis vier Jahre dauern.

Wenn beim bevorstehenden Planfeststellungsverfahren alles reibungslos verläuft, könnten die Bauarbeiten für die neue Regenbrücke laut Noll im Frühjahr 2019 starten. Der Verkehr über 3,5 Tonnen wird großräumig umgeleitet.

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