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Region Schwandorf
Montag, 25. Juni 2018 19° 3

Tüftler

Eine Kirchenorgel für das Wohnzimmer

Mit viel Liebe zur Musik und Können haben Florian und Michael Sorgenfrei in Schwarzhofen eine transportable Orgel gebaut.
Von Ralf Gohlke

Am PC hat alles begonnen. Mit einem Cad-Programm entwarfen Florian Sorgenfrei (links) und sein Vater Michael die Pläne für das Instrument. Foto: ggo
Am PC hat alles begonnen. Mit einem Cad-Programm entwarfen Florian Sorgenfrei (links) und sein Vater Michael die Pläne für das Instrument. Foto: ggo

Schwarzhofen.Wie bekommt man eine Kirchenorgel in eine Regensburger Mietwohnung? Oder, wie kann man ein solches Instrument in einem Pkw transportieren? Das waren zwei wesentliche Fragen, die den Schwarzhofener Hobby-Organisten Florian Sorgenfrei schon beschäftigen, seit er am Ortenburg Gymnasium seine Liebe zur Orgelmusik entdeckt hatte.

Ein weiterer Punkt war die Tatsache, dass Konzerte eben nur in Kirchenhäusern stattfinden konnten, die über ein entsprechendes Instrument verfügen und dabei baute sich schon eine weitere Hürde auf. Jede Orgel ist anders konstruiert. Das erforderte nicht selten ein stundenlanges Einspielen vor einem Konzert, um sich mit den jeweiligen Besonderheiten vertraut zu machen.

Aufwendige Konstruktion

Nachdem Recherchen ergeben hatten, dass es zwar bereits transportable, digitale Orgeln auf dem Markt gab, diese aber auch ihren Preis hatten und für eine Einzelperson nicht händelbar waren, entstand die Idee, ein Instrument selbst zu bauen. Im Urlaub 2016 war es schließlich soweit. „Mein Vater und ich waren uns einig, dass wir das Projekt angehen wollen“, sagte Florian Sorgenfrei im Gespräch mit dem Reporter unseres Medienhauses.

Das war das Ziel, eine Kirchenorgel, die in einen Pkw-Kofferraum passt und für eine Person tragbar ist. Foto: Sorgenfrei
Das war das Ziel, eine Kirchenorgel, die in einen Pkw-Kofferraum passt und für eine Person tragbar ist. Foto: Sorgenfrei

Michael Sorgenfrei ist zum Glück schon von Berufswegen her fit im Umgang mit dem CAD-Konstruktionsprogramm und so ging es an die Planung, die nicht nur den Urlaub, sondern auch noch einige Wochenenden in Anspruch nahm. „Über das Design waren wir uns relativ schnell einig“, meinte Papa Michael. Dennoch gestalteten sich die Konstruktionszeichnungen sehr aufwendig.

Jedes Aufmaß, jede Kabelführung und jede Bohrung, alles wurde nach und am Rechner eingefügt. Daraus ergab sich dann zum Beispiel ein Teileplan, mit dem im Baumarkt die Holzteile passgenau zugeschnitten werden konnten. Auch der Metallständer wurde berechnet, die Bohrungen vorgenommen und das Ganze mit Kunststoff beschichtet.

„Zugekauft haben wir hauptsächlich die drei Manuale. Das waren einmal drei Keyboards, von denen wir alle Plastikteile entfernt haben“, sagte Florian. Selbst die Fußpedale sind Eigenanfertigungen. Kabelhalterungen wurden auf einem 3D-Drucker ausgedruckt. Nicht gespart wurde bei der Hauptplatine und dem Hochleistungsrechner sowie der Sound- und der Midi-Karte, die den wesentlichsten Anteil am Ergebnis haben.

Das Instrument

  • Die Bestandteile

    Die Orgel besteht im sichtbaren Teil aus drei Manualen, einem Panel für die Fußpedale, einem Monitor und eier Sitzbank, die alle über ein Metallgestell verbunden sind.

  • High-Tech im Inneren

    Im Inneren befindet sich ein echter Hochleistungsrechner mit integrierter Soundkarte und einer Midi-Karte, über die alle Funktionen gesteuert werden.

  • Hörgenuss

    Die Töne werden über eine speziell für Orgelmusik ausgelegte Lautsprecherkombination übertragen, die über einen separaten „Subwoofer“ für die tiefen Töne verfügt.

  • Orgeln aus aller Herren Länder

    Die professionelle Software ermöglicht es, Orgelmodelle aus aller Herren Länder einzuspielen. Deren Original Spieltische werden dann am Display angezeigt.

Im Umgang mit der Elektronik mussten beide einiges dazu lernen, da half Florian auch sein Beruf als Wirtschaftsinformatiker nicht viel weiter. „Während des Studiums haben wir nicht einmal einen PC zusammengebaut“, bedauert er. Bei der Software setzten beide auf ein bewährtes System, das eine Fülle von Kirchenorgeln originalgetreu wiedergibt. Sogar die Spielbänke werden original auf dem Monitor dargestellt und können per „Touch-Screen“ angesteuert werden.

Schließlich war es nach rund eineinhalb Jahren geschafft. Das Instrument stand da, wie zuvor nur auf dem Bildschirm, problemlos zerlegbar in neun handliche Einzelteile, die sich gut im Pkw unterbringen lassen. Auch was das möglichst geringe Gewicht betraf, waren alle Vorgaben in Erfüllung gegangen.

Ein Häkchen hakte

Dann kam allerdings ein Schock. Plötzlich ließen sich nicht mehr alle Töne ansteuern und die Fehlersuche begann. Eine Ersatzplatine wurde bestellt und sogar deren Hersteller kontaktiert. Fast drei Wochen dauerte das Ganze, bis sich herausstellte, dass es sich um einen simplen Software-Fehler gehandelt hatte. „Bei rund einer Million Einstellmöglichkeiten war ein Häkchen verkehrt gesetzt gewesen“, schildert Florian.

Florian Sorgenfreis Konzertpremiere im Fürstenkasten an der Orgel Marke Eigenbau Foto: Bucher
Florian Sorgenfreis Konzertpremiere im Fürstenkasten an der Orgel Marke Eigenbau Foto: Bucher

Aber auch die Premiere am Sonntag, 4. Februar, im Rötzer Fürstenkasten, zusammen mit seinen Namensvettern Jonas Sorgenfrei und David Sorgenfrei sowie Alexander Lottner und Felicitas Mandon, sollte noch eine Herausforderung werden. Beim Soundcheck gab die Orgel nur noch einen lauten, komplett überlagerten Ton von sich. „Das sind dann Momente, bei denen man dann doch ins Zweifeln kommt, ob sich der Aufwand gelohnt hat“, sagt Florian. Ein Blick ins 300-seitige Handbuch offenbarte dann aber zum Glück, dass dies auch nur ein Resultat einer falschen Einstellung war und das Konzert wurde dann ein voller Erfolg.

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