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Eine „Perle der Dorferneuerung“

Die Mitterauerbacher erbringen überdurchschnittliche Eigenleistungen bei der Sanierung des denkmalgeschützten „Aiherlhofes“.
Von Karl-Heinz Probst

Der denkmalgeschützte Dreiseithof in Mitterauerbach ist mittlerweile bezugsfertig. Foto: Karl-Heinz Probst
Der denkmalgeschützte Dreiseithof in Mitterauerbach ist mittlerweile bezugsfertig. Foto: Karl-Heinz Probst

Neunburg.Viele Beispiele ländlicher Baukultur sind aus unseren Ortschaften verschwunden. Aber in Mitterauerbach ist durch das Zusammenwirken vieler Beteiligter, die für den Erhalt des denkmalgeschützten „Aiherlhofes“ überzeugt werden konnten, etwas Beispielhaftes entstanden. Jahrelang schwebte das Damoklesschwert des Abbruchs über dem Anwesen. Am 21. Februar 2008 hatte der Stadtrat beschlossen, den Dreiseithof, einen erdgeschossigen Satteldachbau aus der Zeit um 1800, abzubrechen und eine Neubaulösung zu prüfen.

Die Verwaltung hatte daraufhin eine Voruntersuchung in Auftrag gegeben und am 30. Juli 2008 die denkmalschutzrechtliche Erlaubnis zum Abbruch beantragt. Trotz intensiver Verhandlungen hat das Landratsamt den Abbruchantrag am 8. Januar 2010 abgelehnt. Dem ursprünglich beantragten Abbruch der Gebäude stellte das Landesamt für Denkmalpflege ein Konzept zum Erhalt des Dreiseithofes gegenüber, das sogar bundesweites Interesse hervorgerufen hat. Oberkonservator Raimund Karl, Gebietsreferent des Landesamts für Denkmalpflege, hatte zudem eine hohe Bezuschussung des Projekts erreicht.

Maßnahme läuft seit 2012

Das integrierte Feuerwehrgerätehaus Foto: Karl-Heinz Probst
Das integrierte Feuerwehrgerätehaus Foto: Karl-Heinz Probst

Seit 2012 legen die Dorfbewohner kräftig Hand an bei der Sanierung des denkmalgeschützten Aiherlhofes. Das anspruchsvolle Projekt unterteilt sich in die Bereiche Feuerwehrgerätehaus mit Gemeinschaftsraum, Scheune, Dorfgemeinschaftshaus, Backofen und Hofbefestigung. Das Nutzungskonzept sah vor, das Feuerwehrgerätehaus in den Dreiseithof zu integrieren. Geschaffen wurde dabei eine Feuerwehrunterstellhalle mit Geräteraum für die Feuerwehr und den Gartenbauverein.

Das Anwesen soll aber nicht nur für die Belange der FFW und des GOV genutzt werden, sondern auch als Treffpunkt der Bürger dienen. Kurz vor der Fertigstellung sind nun die Arbeiten am Wohnhaus, das als Dorfgemeinschaftshaus genutzt werden soll. Davon überzeugte sich Bürgermeister Martin Birner mit Bauamtsleiter Georg Keil am Dienstag bei einem Ortstermin, an dem auch Architekt Michael Steidl und einige Ortsbewohner teilnahmen.

Details des Projekts „Aiherlhof“

  • Fenster:

    Diese hat die Schreinerei Becher gefertigt. Die Doppelfenster bestehen aus Holz und sind nach historischem Vorbild gearbeitet. Auch die Beschläge folgen alten Mustern. Die Scheiben bestehen aus mundgeblasenem Glas. Die Wärmedämmung entspricht der von Isolierglas.

  • Ausstehende Arbeiten:

    In der Scheune muss demnächst der Boden mit Ziegelpflaster belegt werden. Im Wohnhaus sind noch Treppengeländer aus Holz einzubauen. Neben kleineren Restarbeiten stehen die Erstellung der Außenanlagen und der Bau der Ringstraße an.

  • Innenausstattung:

    Die Ausstattung des Dreiseithofes mit Möbel und Geräten besorgen die Ortsvereine selbst. Insbesondere die Freiwillige Feuerwehr nimmt hier viel Geld in die Hand. Auch den Einbau zum Beispiel der Küchen haben die Mitterauerbacher übernommen.

  • Eigenleistung:

    Seit Beginn der Maßnahme anno 2012 legen die Mitterauerbacher bei den Sanierungsarbeiten kräftig Hand an. Bis Mitte Dezember 2017 sind 13 510 Stunden an Eigenleistungen dokumentiert. Allein Laurenz Lorenz hat über 4000 Stunden auf der Baustelle gearbeitet.

Bürgermeister Martin Birner bezeichnet das ehrgeizige Vorhaben im Zuge der Dorferneuerung als ein „echtes Vorzeigeprojekt, weit über die Stadtgrenzen hinaus“. Besonders lobt er die überdurchschnittlichen Eigenleistungen und den Zusammenhalt der Dorfgemeinschaft. Mit ihrer Hilfe werde eine „Perle der Dorferneuerung“ geschaffen. Die Kosten für die Sanierung des „Aiherlhofes“ wurden mit 1,172 Millionen Euro veranschlagt, wobei mehr als 300 000 Euro durch Eigenleistungen der Mitterauerbacher erbracht werden, informierte der Bürgermeister.

Mit einer Wärmebildkamera prüft Architekt Steidl die Funktion der eingebauten Wandheizung. Foto: Karl-Heinz Probst
Mit einer Wärmebildkamera prüft Architekt Steidl die Funktion der eingebauten Wandheizung. Foto: Karl-Heinz Probst

Viele Arbeiten haben die Dorfbewohner bereits in Eigenleistung erledigt. Das Spektrum reicht dabei vom Verkleiden des Gemeinschaftshauses mit Brettern, Erdarbeiten, Setzen von Fundamenten, Maurerarbeiten, Deckenarbeiten, Stützarbeiten, Dachdecken, Einschalungen bis zur aufwendigen Mauerverkleidung mit Natursteinen, dem Installieren der Beleuchtung und dem Einbau der beiden Küchen sowie sämtlicher Fußböden. Insgesamt haben die Mitterauerbacher seit Beginn der Maßnahme anno 2012 bis Ende 2017 13 510 Stunden an Eigenleistung erbracht. Auch Architekt Michael Steidl lobte das Engagement der Mitterauerbacher nicht nur wegen der Vielzahl der aufgewendeten Stunden, sondern auch wegen der hohen Qualität der geleisteten Arbeit.

Einweihung im Juni 2019

Der ehemalige Rossstall beherbergt unter anderem die Catering-Küche. Foto: Karl-Heinz Probst
Der ehemalige Rossstall beherbergt unter anderem die Catering-Küche. Foto: Karl-Heinz Probst

Damit ist nicht zu übersehen, dass sich die Arbeiten im Aiherlhof im wahrsten Sinne des Wortes „auf der Zielgeraden“ befinden. In der Scheune muss demnächst der Boden mit Ziegelpflaster belegt werden. Im Wohnhaus sind noch Treppengeländer einzubauen; das Holz liegt schon bereit, berichtete Architekt Steidl. Neben kleineren Restarbeiten stehen die Erstellung der Außenanlagen und der Bau der Ringstraße an, mit dem Straßenbau soll im April begonnen werden, ergänzte Bürgermeister Birner.

Die Gebäude sollen bis zur Generalprobe, der Mitterauerbacher Kirwa im August, funktionsfähig sein. Voraussichtlich Mitte Juni 2019 soll nach Abschluss der Außenarbeiten und des Straßenbaus die Einweihung im feierlichen Rahmen erfolgen.

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