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Eine Schlüsselfigur für die Integration

Eine Initiative aus dem Landkreis nimmt sich einer bislang unterschätzten Migrantengruppe an – der Frauen und Mütter.
Von Reinhold Willfurth

  • Mit Feuereifer dabei sind die jungen Mütter beim Deutsch-Unterricht von Maren Maibom (2. von rechts) in der Gemeinschaftsunterkunft. Fotos: Willfurth
  • Elke Reinhart
  • Auf einer Weltkarte sind die Herkunftsländer der Frauen dokumentiert.
  • Während die Mütter Deutsch lernen, werden ihre Kinder in einem Spielzimmer betreut.

Schwandorf.Nur die „Vase“ macht noch Probleme, wird diese doch mit „W“ gesprochen, aber mit einem „Vau“ geschrieben. Dafür klappt es mit „Vater“, „Vier“, „Verheiratet“ oder auch „Verwitwet“ auf Anhieb, obwohl diese Wörter mit einem „F“ ausgesprochen werden – für Lehrerin Maren Maibom, die den Frauen aus dem Irak, aus Syrien, Albanien und Afghanistan die Aufgabe an der Tafel gestellt hat, ein Beleg dafür, dass sich die letzten Wochen Deutsch-Unterricht gelohnt haben.

Belohnt wird auch die studierte Germanistin – mit dem Lerneifer und der Dankbarkeit ihrer Schülerinnen, und seit Anfang November auch mit einem moderaten Stundenhonorar, das der Mutter von zwei kleinen Kindern nebenbei ein wenig beim Wiedereinstieg ins Berufsleben hilft.

ServiceclubstriebenSpendenein

Möglich gemacht hat diese Art der Anerkennung eine breite Spenden-Koalition aus der Region, angeführt von den vier Serviceclubs der Region und angetrieben vom Unternehmer Michael Horsch. Allein die Gala vor einem Jahr hat laut Horsch unterm Strich rund 80 000 Euro an Spenden eingespielt. Auch die Stadt Schwandorf trägt ihr Scherflein dazu bei, dass jetzt drei Projekte gestartet werden konnten, die alle Beteiligten eines Pressegesprächs am Donnerstag in der Gemeinschaftsunterkunft an der Egelseer Straße als großen Schritt in der Integration von Flüchtlingen werteten.

Das Projekt „Deutsch für Mütter“ gibt es auch in Neunburg und in Nabburg. 36 Frauen mit 99 Kindern lernen dreimal pro Woche die deutsche Sprache, den Schlüssel Nummer eins für eine gelungene Integration. Ihren Nachwuchs wissen sie derweil in guten Händen: Ehrenamtliche Betreuerinnen kümmern sich in einem Spielzimmer um die Kleinkinder und Babies.

„Sie sind mit Feuereifer bei der Sache“, sagt Maren Maibom über ihre Schülerinnen. „Die wollen das so sehr“, weiß auch die Neunburgerin Elke Reinhart, Ideengeberin und Koordinatorin. Und die Schülerinnen bestätigen den Eindruck mit eifrigem Kopfnicken. „Das macht Spaß“, sagt eine junge Syrerin.

Das kann auch Renate Raab-Postler über ihre Aufgabe sagen. Denn die „Mutter der Gemeinschaftsunterkunft“, wie sie ein Mitstreiter nennt, ist unermüdlich für ihre Schützlinge unterwegs – und erlebt dabei viel mehr Freude als Enttäuschung, wie sie sagt. Raab-Postler hält den Infokurs „Deutschland allgemein“, in dem Flüchtlinge Kultur und Sprache ihres Gastlands kennenlernen. Dazu zählen auch Bräuche rund ums Weihnachtsfest, die bei allen ihrer Schützlinge, ob Christ oder Muslim, sehr gut ankämen. Für die knapp 40 Kinder in der Gemeinschaftsunterkunft hat sie schon eifrig Nikolauspäckchen geschnürt.

Der erste Syrer unterrichtet mit

In einem dritten Projekt erhalten junge Migranten an den Mittelschulen Dachelhofen und Kreuzberg Unterstützung bei Hausaufgaben und Unterrichtsvorbereitung. Die könne man sehr gut gebrauchen, sagen Schulamtsdirektorin Renate Vettori und Katharina Lautenschlager, Lehrerin der Berufsvorbereitungsklasse an der Kreuzbergschule. Dort unterrichtet nebenbei der Syrer Khaled, dessen Lehr-Erfolg bei Schülerinnen unter anderem darin bestehe, dass er auch noch gut aussehe, sagt Renate Vettori mit einem Lächeln.

Dass die Betreuung von Migranten-Kindern schon früher ansetzen muss als in der Mittelschule, haben auch Elke Reinhart und ihre Mitstreiter erkannt. Derzeit arbeite man an einem Betreuungskonzept für Grundschüler, sagt Reinhart. „Am Geld soll das nicht scheitern“, ermutigt Michael Horsch die engagierten Bürger. Überhaupt findet Horsch deren Herangehensweise „fast genial“. Denn über die Mütter erreiche man Kinder, Jugendliche und auch die Männer unter den Migranten besser.

Kein Geld, aber eine wichtige Infrastruktur steuert die Stadt Schwandorf mit ihrer Volkshochschule bei. „Wir sorgen für den rechtlichen Rahmen und organisieren die Abrechnung“, sagt vhs-Geschäftsführerin Barbara Genzken-Schindler. Oberbürgermeister Andreas Feller ist froh, dass die nicht-staatliche Hilfe für Flüchtlinge jetzt in ein „organisiertes System“ eingebettet ist. „Ich bin gottfroh über diese Initiative“, sagt Feller.

Hineinwachsen in Kultur des Gastlands

  • Sprachunterricht:

    36 Mütter mit insgesamt 99 Kindern genießen aktuell in Neunburg, Nabburg und Schwandorf Unterricht in der Sprache ihres Gastlands. Um die Motivation ihrer Schülerinnen braucht sich Lehrerin Maren Maibom keine Sorgen zu machen.

  • Betreuung:

    Dreimal pro Woche jeweils zwei Stunden werden die Frauen unterrichtet. Ihre Kinder werden derweil von jeweils zwei ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen betreut. Ihre älteren Geschwister gehen z. B. in die Kreuzbergschule (derzeit 31 Personen) oder in die Schule Dachelhofen.

  • Deutsche Lebensart:

    Die Frauen lernen nicht nur die deutsche Sprache. Renate Raab-Postler vermittelt den Menschen aus den verschiedensten Herkunftsländern die deutsche Lebensart und Kultur – von der Kunst der Müllsortierung bis hin zum Heiligen Nikolaus und dem Christkind.

  • Zugang:

    Die Rolle der Mütter und Frauen bei der Integration von Flüchtlingen sei bislang zugunsten der Männer unterschätzt worden, findet der Unternehmer Michael Horsch. Gerade wegen des großen Familiensinns der Migranten seien die Frauen in einer Schlüsselrolle. (fu)

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