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Entstehung

Eine Stadt, die keine war

Die Geschichte von Slawutytsch ist eng mit Tschernobyl verbunden: Nach der Reaktorkatastrophe wurde der Ort regelrecht aus dem Boden gestampft.

Nur halb so viele Menschen wie einst geplant leben in Slawutytsch.

Pfreimd. Gerade einmal 26 Jahre alt, hat die ukrainische Stadt Slawutytsch, so scheint es, ihre besten Zeiten schon wieder hinter sich. Die Straßen sind zur Mittagszeit wie leer gefegt, nur ein Kind spielt mit seiner Mutter auf dem Spielplatz. Stellenweise wirkt die Stadt fast leblos. Wer durch die Straßen geht, spürt, dass diese Stadt nicht natürlich gewachsen ist. Slawutytsch ist eine durch und durch künstliche Stadt. Sie wurde nach der Katastrophe von Tschernobyl quasi aus dem Boden gestampft, um die zahlreichen evakuierten Menschen aus Pripjat aufzunehmen. Vorher gab es dort, wo heute die hohen Wohnhäuser stehen, nur Wald und Wiese. Aber nicht alle Betroffenen zogen damals in die neu gebaute Stadt. Nur 26 000 Einwohner leben in dem für 40.000 Menschen ausgelegten Slawutytsch. Bürgermeister Vladimir Udowitschenko berichtet von harten Zeiten, die die Einwohner hinter sich haben. Ihre Geschichte ist eng mit der des Kernkraftwerks Tschernobyl verbunden, auch heute noch. Viele der Bürger arbeiteten dort bis zur endgültigen Abschaltung des Reaktors im Jahr 2000. Knapp 8000 Menschen verloren damals ihren Arbeitsplatz – für die Stadt Slawutytsch und die Region eine „zweite Tragödie“, sagt der Bürgermeister. Mittlerweile sei es den meisten Bürgern der Stadt wieder möglich, ein „normales Leben“ zu führen. „Doch die Folgen des Unglücks bleiben für immer im Weltgeschehen“, mahnte er.

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