MyMz
Anzeige

Umwelt

Eine Wolfssichtung sorgt für Aufregung

Die Aufnahme einer Wildkamera im Raffa-Wald löst in den sozialen Netzwerken Diskussionen aus. Das überrascht Wolfsexperten.
Von Philipp Seitz

Im Waldgebiet „Raffa“ ist offenbar ein Wolf unterwegs. Für Experten ist das nichts Besonderes. Symbolfoto: Julian Strate/dpa
Im Waldgebiet „Raffa“ ist offenbar ein Wolf unterwegs. Für Experten ist das nichts Besonderes. Symbolfoto: Julian Strate/dpa

Burglengenfeld.Die Anzeichen verdichten sich: Ein Wolf ist oder war offenbar im Waldgebiet „Raffa“ in Burglengenfeld unterwegs. Hinter vorgehaltener Hand wird darüber schon seit mehreren Wochen gesprochen. Nun scheint es Georg Schießl, Jäger und Gastwirt aus Schirndorf, auch schwarz auf weiß zu haben: Am 21. März löste seine Wildkamera aus und fotografierte ein Tier, das Schießl und einige Jägerkollegen eindeutig als Wolf einstufen. Eine offizielle Expertenauskunft zu dem Foto gibt es zwar noch nicht, doch das Landesamt für Umweltschutz (LfU) vermeldete bereits, das es gesicherte Nachweise für einen Wolf auf dem Truppenübungsplatz in Hohenfels gebe. Dieser soll sich dort über ein ganzes Jahr hinweg, bis mindestens Mitte Januar 2018, aufgehalten haben.

In den sozialen Netzwerken sorgte die Nachricht, dass ein Wolf offenbar im Waldgebiet „Raffa“ gesichtet wurde, für einige Aufregung. Einige User äußerten Ängste vor dem Wolf, andere wiederum sorgten sich um den Wolf und dass dieser womöglich erschossen werden könnte. Der stellvertretende Leiter des Nationalpark Bayerischer Wald, Professor Dr. Jörg Müller, gibt aber Entwarnung. Unserem Medienhaus sagte er, dass sich der Mensch „überhaupt nicht“ vor dem Wolf fürchten müsse. „Es gab in den letzten 20 Jahren in Deutschland keinen einzigen kritischen Fall.“ Hierzulande würden Hunde deutlich mehr Zwischenfälle verursachen. Der Wolf sei hingegen scheu und gehe dem Menschen aus dem Weg.

Die Wolfspopulation wächst an

Am 21. März 2018 um 0.31 Uhr wurde diese Aufnahme im Raffa von einer Wildkamera gemacht. Foto: Georg Schiessl
Am 21. März 2018 um 0.31 Uhr wurde diese Aufnahme im Raffa von einer Wildkamera gemacht. Foto: Georg Schiessl

In Deutschland sei ein Wolf sowieso nichts Besonderes mehr: „Es tauchen überall Wölfe auf und verschwinden wieder“, sagt Müller. Ähnlich sieht es Revierförster Gerhard Kerscher aus Stefling, der Mitglied im „Netzwerk Große Beutegreifer“ ist. Er kann die Aufregung um das Foto in den sozialen Netzwerken nicht nachvollziehen. „Das überrascht mich. Es gibt ja auch bei uns in Bayern schon länger Wölf.“ Und die Zahl der Rudel im Freistaat steige weiterhin an. „Auch in Ostbayern könnte es die Zahl zunehmen.“ Im „Raffa“ sollen Menschen den Wolf sogar am Tag gesehen haben. Er selbst sei noch nie einem Wolf begegnet, sagt Kerscher. Das sei auch relativ selten, denn normalerweise gehe der Wolf dem Menschen aus dem Weg.

Sehen Sie mehr: Im Nationalpark Bayerischer Wald kennt sich niemand so gut mit Wölfen aus wie Dr. Marco Heurich. Wir haben ihn besucht.

Ein Wolfsexperte bezieht Stellung

Lesen Sie mehr: Wenn Spaziergänger auf einen Wolf treffen, gibt es einige Verhaltensregeln. Abstand halten und nicht in die Augen blicken, zum Beispiel. Die Leiterin des Bayerwald-Tierparks in Lohberg, Claudia Schuh, gibt wichtige Tipps.

Der Wolf reagiert auf den Anblick von Menschen vorsichtig, aber er ergreift nicht immer sofort die Flucht. Foto: dpa
Der Wolf reagiert auf den Anblick von Menschen vorsichtig, aber er ergreift nicht immer sofort die Flucht. Foto: dpa

Für den Fall, dass man doch einmal einen Wolf über den Weg läuft, hat Professor Müller einen einfachen Tipp: „Einfach entspannt bleiben. Der Wolf tut nichts.“ Der Steflinger Förster Kerscher bestätigt das. Er sieht die Urangst des Menschen vor dem Wolf als Problem. Müller führt diese Bedenken auf einen lange zurückliegenden, überlieferten Konflikt zwischen Mensch und Wolf zurück: Früher hätten die Menschen noch mit ihren Haustieren gelebt und seien auf sie als Nahrung angewiesen gewesen. „Der Wolf drang damals immer wieder in die Häuser der Menschen ein und frass die Tiere.“ Dies habe Vorbehalte gegen Wölfe geschürrt.

Haben Sie Angst vor dem Wolf? Sagen Sie uns Ihre Meinung!

Umfrage

Haben Sie Angst, einen Wolf im Wald zu begegnen?

Der Mensch habe nun schlicht das Zusammenleben mit Wölfen verlernt, sagt Müller. Und Kerscher fordert: „Der Wolf muss in unseren Köpfen ankommen!“ Eine Frage wollen Müller und Kerscher nicht beantworten: Handelt es sich bei dem Tier, das von der Wildkamera fotografiert wurde, überhaupt um einen Wolf?

Der genetische Nachweis zählt

Ein Foto sei nie ein richtig eindeutiger Beweis, sagt Müller. Und Kerscher betont, dass nur ein genetischer Nachweis einen sicheren Beleg lieferen könne. „Bilder sind trügerisch. Natürlich kann es sein, dass ein Wolf gerade durch unsere Wälder zieht.“ Fakt ist laut dem Landesamt für Umwelt (LfU) aber auch, dass ein Wolf in einer einzigen Nacht mehr als 50 Kilometer zurücklegen kann. Kerscher spricht sogar von 100 Kilometern, die ein Wolf an einem einzigen Tag laufen könne.

Lesen Sie außerdem: Der Wolf erobert sich seinen natürlichen Lebensraum zurück – auch in Ostbayern. Seine Rückkehr ist umstritten. Eine multimediale Spurensuche.

Auch die Wolffreunde müssten sich nicht fürchten: „Der Wolf steht unter Naturschutz“, sagt Kerscher. Den Wolf zu erschießen, wäre eine Straftat. Nur in Ausnahmefällen kann ein Abschuss gerechtfertigt sein, sagte der Jäger und Jurist Dr. Dietrich Meyer-Ravenstein dem Internetportal „agrarheute“.

Testen Sie Ihr Wissen über den Wolf in unserem Quiz!

Die wichtigsten Informationen des Tages direkt auf das Mobilgerät: Mit MZ und WhatsApp bleiben Sie stets auf dem Laufenden.

Weitere Nachrichten aus Burglengenfeld lesen Sie hier.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht