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Verhandlungen

emz-Mitarbeiter legten die Arbeit nieder

Bei emz Hanauer in Nabburg streikten die Beschäftigten. Die Geschäftsführung reagiert mit einer Stellungnahme auf die Kritik.
Von Rudi Hirsch

IG-Metall-Bevollmächtigter Udo Fechtner sowie die emz-Betriebsräte Inge Frank und Georg Bauer (von rechts) riefen die Kollegen von emz Hanauer und der umliegenden Metall- und Elektrobetriebe zum Warnstreik auf. Foto: xih
IG-Metall-Bevollmächtigter Udo Fechtner sowie die emz-Betriebsräte Inge Frank und Georg Bauer (von rechts) riefen die Kollegen von emz Hanauer und der umliegenden Metall- und Elektrobetriebe zum Warnstreik auf. Foto: xih

Nabburg.„Wir müssen Druck aufbauen“, ruft Udo Fechtner den Kollegen zu, die sich am Freitagvormittag vor dem Gebäude der Firma emz Hanauer in Nabburg versammelt hatten – mit Transparenten, Fahnen und Trillerpfeifen. Der zweite Bevollmächtigte der IG Metall Amberg forderte die Unternehmensleitung auf, an den Verhandlungstisch zurückzukehren und sich auf die Arbeitnehmerforderungen zuzubewegen.

Die weltweit agierende Firma der Metall- und Elektrobranche würde von den Mitarbeitern Mehrarbeit ohne Lohnausgleich verlangen, erklärten Betriebsratsvorsitzender Georg Bauer und seine Stellvertreterin Inge Frank. Dem Unternehmen gehe es wirtschaftlich gut und die Auftragsbücher seien voll. Da sei es nur recht und billig, „dass auch die Mitarbeiter ein Stück von dem Kuchen abbekommen“. Doch die Firmenleitung wolle das Gegenteil, sagt Udo Fechtner: „Sie wollen den Beschäftigten etwas wegnehmen.“

„Sie wollen den Beschäftigten etwas wegnehmen.“

Udo Fechtner, zweiter Bevollmächtigter IG Metall Amberg

Im April 2018 teilte die Geschäftsführung den Beschäftigten mit, dass sie bereits im Oktober 2017 aus dem Arbeitgeberverband der „Bayerischen Metall- und Elektroindustrie“ ausgetreten sei und deshalb keine Tarifbindung mehr bestehe. Aus diesem Grunde führte die IG Metall Amberg bereits zwei Gespräche mit der Unternehmensleitung. „Ohne Erfolg, die andere Seite hat sich nicht bewegt“, gab Udo Fechtner den Kollegen bekannt. Die Streikbeteiligten reagierten darauf mit Buh-Rufen und einem Pfeifkonzert.

Einigung wird gefordert

  • Kundgebung:

    Bei einem Sternmarsch näherten sich die Mitarbeiter der Metall- und Elektrobetriebe im Nabburger Gewerbegebiet dem Gebäude von emz Hanauer. Sie bekundeten so ihre Solidarität.

  • Drohung:

    Der Warnstreik könnte sich bald wiederholen, wenn sich Arbeitgeber und Gewerkschaften am Verhandlungstisch nicht einigen können, hieß es in mehreren Reden bei der Kundgebung.

Die Gewerkschaft rief am Freitag zu einer Kundgebung auf, an der sich rund 200 Beschäftigte von emz Hanauer und einiger umliegenden Betriebe beteiligten. Der Warnstreik fand auf dem Besucherparkplatz der Firma statt. Die Unternehmensleitung hat auf den Streik vor den Werkstoren der Firma inzwischen reagiert. Der Streik stehe, so heißt es in der schriftlichen Stellungnahme, in Zusammenhang mit den derzeit laufenden Gesprächen zwischen emz und Vertretern der Gewerkschaft und der Tarifkommission zum Thema „Arbeitszeit“.

Unternehmensleitung reagiert auf Vorwürfe

Durch den Metalltarifvertrag vom Februar 2018 sehe sich emz Hanauer trotz guter Auftragslage nicht mehr in der Lage, die Arbeitsplätze am deutschen Standort in der heutigen Form zu erhalten. „Wir sind der letzte Hersteller von Komponenten für Hausgeräte in Deutschland“, so Geschäftsführer Thomas Hanauer. „Kostensteigerungen, wie sie jetzt vereinbart wurden, können wir im internationalen Wettbewerb nicht verkraften.“ emz habe im Vergleich mit anderen Firmen der Metall-Branche einen sehr hohen Personalkostenanteil. Das schaffe zwar Arbeitsplätze, bedeute aber auch, „dass Kostensteigerungen beim Personal ganz anders auf die Gesamtkosten durchschlagen als bei den Mitbewerbern“.

„Der Prozess ist für uns alle belastend.“

Thomas Hanauer, Geschäftsführer

Der Unternehmer zeigt durchaus Verständnis, dass die Mitarbeiter den Warnstreik als Weg der Meinungsäußerung nutzen. „Der Prozess ist für uns alle belastend, wir müssen uns aber für die Zukunft aufstellen“, betont Thomas Hanauer. Bei den Verhandlungen wolle die emz den Mitarbeitern nicht an den Geldbeutel, sondern bei der 35-Stundenwoche ansetzen, die es so nur im Metalltarif gebe. Durch moderat längere Arbeitszeiten, wie sie in anderen Branchen auch tariflich üblich seien, glaubt die Unternehmensleitung das Thema lösen zu können. „Wir haben gute Aufträge und können durch mehr Arbeitszeit unsere Kostenposition auch an den deutschen Standorten in den Griff bekommen.“ Und weiter: „So können wir unsere attraktiven Arbeitsplätze hier erhalten.“

Einvernehmliche Lösung gefordert

Das sieht Udo Fechtner, der zweite Bevollmächtigte der IG Metall Amberg, anders. Seine Gewerkschaft sei zwar kompromissbereit, doch dürften die Ergebnisse der Verhandlungen nicht einseitig zulasten der Arbeitnehmer gehen. Der IG-Metall-Vertreter fordert den Arbeitgeber auf, an den Verhandlungstisch zurückzukehren und Interesse an einer einvernehmlichen Lösung zu zeigen. Sollte dies nicht der Fall sein, werde die IG Metall zu einem weiteren Warnstreik und als letztes Mittel zum Arbeitskampf aufrufen. (xih)

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