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Umwelt

Entsorgung wird zum heißen Thema

Die Schwandorfer Klärschlammtrocknungsanlage ist noch gar nicht in Betrieb. Doch schon geht es um den nächsten Schritt.
Von Hubert Heinzl

  • Die Abluftkondensatoren (links) der Klärschlamm-Trocknungsanlage sind schon eingebaut. Foto: Dietmar Zwick
  • Ansicht von Westen (im Vordergrund die beiden (zugedeckten) AnliefertrichterFoto: Zwick
  • Die Baustelle in der Nähe des Müllkraftwerks; im Vordergrund ein Regenrückhaltebecken Foto: Zwick

Schwandorf.Das Projekt Klärschlamm nimmt Gestalt an: Voraussichtlich Mitte des nächsten Jahres wird die 21 Millionen Euro teure Trocknungsanlage in Betrieb gehen, die zurzeit in direkter Nachbarschaft zum Schwandorfer Müllkraftwerk hochgezogen wird. Wenn alles läuft, werden künftig etwa 30 Kommunen und Abwasser-Zweckverbände, die sich zum Zweckverband thermische Klärschlammverwertung Schwandorf (ZTKS) zusammengeschlossen haben, den Abfall aus ihren Kläranlagen in der Großen Kreisstadt thermisch behandeln lassen. Von dort geht es ab ins Zementwerk Burglengenfeld, wo der von 25 auf 90 Prozent Trockensubstanz-Gehalt reduzierte Reststoff verbrannt wird.

Das Konzept ist attraktiv. Denn seit der Gesetzgeber das Ausbringen von Klärschlamm auf den Feldern untersagt hat, wissen viele Kommunen nicht mehr, wohin damit. Deponierung ist teuer, da scheint die thermische Behandlung als lohnende Alternative. Noch bevor sie läuft, ist die auf 50 000 Jahrestonnen ausgelegte Trocknungsanlage in Schwandorf deshalb praktisch ausgebucht. „Die Kapazität ist ausgeschöpft, bis auf 5000 Tonnen, die wir als Puffer für die künftige Entwicklung der Mitgliedskommunen brauchen“, sagt ZTKS-Geschäftsführer Thomas Knoll. Nichts geht mehr – und dabei haben laut dem Verbandsvorsitzenden, Schwandorfs Oberbürgermeister Andreas Feller, noch 40 weitere Kläranlagenbetreiber Interesse signalisiert.

Keine Option auf Dauer



Verschärft wird die Situation durch die Novellierung der Abfallklärschlammverordnung im vergangenen Jahr, die künftig auch eine Rückgewinnung des wertvollen Dünger-Rohstoffs Phosphat aus dem organischen Restmaterial vorschreibt. Je nach Größe der Kläranlage gelten unterschiedliche Übergangsfristen – mal zwölf, mal 15 Jahre, wie Geschäftsführer Knoll erläutert. Spätestens ab 2030 wird das Thema virulent, und das Zementwerk Burglengenfeld ist keine Option mehr.

Beim ZTKS ist man deshalb nach den Worten des Geschäftsführers schon dabei, den nächsten Schritt zu tun. Ein Gutachten, das bei der renommierten Dr. Born-Dr. Ermel GmbH in Auftrag gegeben wurde, soll dem Zweckverband bis zum Jahresende eine Entscheidungsgrundlage liefern für das weitere Vorgehen. Eines ist klar: Es geht um eine Klärschlamm-Verbrennungsanlage mit Phosphatrückgewinnung – in eigener Regie oder zusammen mit einem Partner. Die Ingenieure von Born-Ermel sollen die betriebswirtschaftlichen Zahlen dafür liefern.

Noch gibt es wesentlich mehr Fragen als Antworten. Laut Geschäftsführer Thomas Knoll steht weder die erforderliche Kapazität einer solchen Anlage fest noch auch der Standort. Unklar ist außerdem, ob man die Verbrennung möglicherweise mit einer weiteren Trocknung kombinieren könnte. Auch die Beteiligung an der sogenannten Monoverbrennungsanlage, die in Straubing geplant ist, bezeichnet Knoll als eine Möglichkeit. Eine Gleichung also mit vielen Unbekannten.

Neben den Gutachtern ist allerdings auch der Zweckverband nicht untätig geblieben und hat in den vergangenen Monaten wegen möglicher Standorte im Landkreis Schwandorf sondiert. Zuletzt interessierte sich der ZTKS für ein Grundstück im Industriegebiet an der A 6 in Trisching (Gemeinde Schmidgaden). Der Gemeinderat wollte nach den Worten von Bürgermeister Josef Deichl nicht über die Köpfe der Bürger hinweg entscheiden und organisierte zusammen mit dem Zweckverband eine Informationsveranstaltung, bei der deutliche Kritik laut wurde. Nach dem Gegenwind durch die Öffentlichkeit ist das Thema inzwischen „vom Tisch“, wie Deichl erklärt. Die benötigten Gründstücke stehen nach seinen Worten nicht mehr zur Verfügung.

„Noch viele Standorte übrig“



Noch nicht aus dem Rennen ist offenbar der Standort Schwandorf. Auf dem Müllkraftwerksgelände ist zwar kein Platz mehr. Doch auf Anfrage der Mittelbayerischen erklärte Geschäftsführer Knoll eben auch: „Es wäre abstrus, wenn man das von vornherein ausschließen würde“. Für die Große Kreisstadt könnte auf den ersten Blick die Logistik sprechen, die bei der Frage nach den Betriebskosten eine gewichtige Rolle spielen dürfte. Andererseits ist es laut Knoll auch denkbar, dass sich der regionale Schwerpunkt des Verbandsgebiets durch eine Erweiterung verschiebt. Der Geschäftsführer: „Man muss halt mal die Ingenieure rechnen lassen. Es bleiben noch sehr viele Standorte in der Oberpfalz oder auch Niederbayern übrig“.

Nach dem Vorstoß in Schmidgaden steht immerhin fest, mit welcher Größenordnung bei einer Klärschlammverbrennung durch den ZTKS zu rechnen ist. Diskutiert wurde laut Bürgermeister Deichl über eine Fläche von 14 000 Quadratmetern. Von einer Kapazität von bis zu 85 000 Jahrestonnen, einer Investitionssumme von 45 Millionen Euro und drei Lkw-Transporten pro Stunde war außerdem die Rede.

Klärschlamm-Trocknung

  • Kosten:

    In die neue Klärschlamm-Trocknungsanlage investiert der Zweckverband thermische Klärschlammverwertung Schwandorf (ZTKS) rund 21 Millionen Euro. Die Anlage entsteht direkt neben dem Müllkraftwerk.

  • Funktionsweise:

    In Schwandorf wird der Klärschlamm, der nicht mehr auf die Felder ausgebracht werden darf, auf einen Gehalt von rund 90 Prozent Trockensubstanz getrocknet. Die Kapazität: 50 000 Tonnen im Jahr.

  • Verbrennung:

    Das Restmaterial aus der Klärschlammtrocknung wird im Zementwerk Burglengenfeld verbrannt. Dieser Entsorgungsweg steht aber nur die nächsten zwölf bis 15 Jahre zur Verfügung. (hh)

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