MyMz
Anzeige

Protest

Erdkabel-Fraktion lässt nicht locker

Ostbayernring: Die „Bürgeraktion Naabtal“ will mit einer Landtagspetition Mega-Strommasten auf der Bestandstrasse verhindern.
Von Hubert Heinzl

  • Die „Bürgeraktion Naabtal“ wendet sich nach wie vor gegen einen Ausbau des Ostbayernrings entlang der Bestandstrasse. Foto: Julian Stratenschulte/dpa
  • Walter Ostheim (li.) und Johann Winklmann, Sprecher der „Bürgeraktion Naabtal“ Foto: Heinzl

Schwandorf.Als Stromnetzbetreiber Tennet vor zweieinhalb Jahren mit den Plänen an die Öffentlichkeit ging, den „Ostbayernring“ zu ertüchtigen, wurden die Anwohner hellhörig. Seit Jahr und Tag ärgern sich die Bürger vor allem in Ettmannsdorf und Krondorf über Strommasten, die teilweise bis unter 100 Meter an die Häuser heranrücken. Bald kristallisierte sich die Bestandstrasse als eine von drei möglichen Varianten für einen Neubau heraus – und aus Argwohn wurde Protest. Eine „Bürgeraktion Naabtal“ formierte sich und sammelte etwa 800 Unterschriften gegen eine Stromautobahn im Naabtal.

„Ganze Aktenordner mit Material“

Die Initiative gibt es immer noch. „Wir haben ganze Aktenordner mit Material gefüllt“, sagt einer der Sprecher, Walter Ostheim. Denn inzwischen wurden längst Fakten geschaffen: Die Regierung der Oberpfalz hat im Zuge des Raumordnungsverfahrens die bestehende und eine weiter westlich gelegene Trasse als genehmigungsfähig bewertet. Eine Variante wurde verworfen. Tennet selbst favorisiert die Naabtal-Trasse und will diesen Vorschlag auch ins Planfeststellungsverfahren einbringen. Kompliziert wird das Ganze noch durch den geplanten Südost-Link, eine Gleichstromverbindung, für die ebenfalls Tennet zuständig ist. Das Genehmigungsverfahren steckt noch in den Kinderschuhen, doch der Vorzugskorridor führt ebenfalls durch Schwandorfer Stadtgebiet.

Sollte sich das Unternehmen mit seinen Vorstellungen durchsetzen, würde die Stadt laut Ostheim gleichsam in die Zange genommen: Hier der verkabelte Südost-Link im Stadtwesten mit Eingriffen in den Naturhaushalt – dort die Wechselstromtrasse des Ostbayernrings als gigantische Freileitung im Naabtal.

Der Schwandorfer Stadtrat hat sich eindeutig positioniert: In der Sitzung am 6. Februar forderte man einstimmig, dass der Ostbayernring im Bereich der Stadt als Erdkabel verlegt werden solle. Für den Fall, dass dies nicht möglich sei, sollten die im Landesprogramm festgelegten Mindestabstände von 400 Metern (im Innenbereich) und 200 Metern (im Außenbereich) zwingend eingehalten werden. Falls auch die geplante Gleichstromtrasse des Südost-Link im Schwandorfer Stadtgebiet verlaufen werde, müssten beide Trassen unter der Erde gebündelt werden.

Bisher zeigt Tennet jedoch nur wenig Neigung, das Votum zu berücksichtigen. Man verweist auf die fehlende gesetzliche Grundlage und mangelnde Erfahrungswerte mit einer Kombi-Verkabelung von Gleich- und Wechselstrom. Genau hier setzt eine Petition an, die die Bürgeraktion vor einigen Wochen beim Bayerischen Landtag einreichte. Gefordert wird darin eine „ganzheitliche Betrachtung beider Projekte“. Es sei nur folgerichtig, den Ostbayernring „über eine begrenzte Strecke ebenfalls als Erdkabel zu bauen“. Dafür müssten die gesetzlichen Grundlagen im Bundesbedarfsplangesetz geschaffen werden, wie es der Bundesrat 2015 angeregt habe.

Denn Wechselstromtrassen unter der Erde sind in Einzelfällen bislang nur in Norddeutschland vorgesehen, nicht aber in Bayern. Das muss sich ändern, sagt die Bürgeraktion und fordert für Ostbayernring und Südost-Link ein „erstmaliges Pilotprojekt mit gleichzeitiger und gemeinsamer partieller Erdverkabelung“. Dafür spricht laut Ostheim, dass ein Unternehmen beide Projekte verantwortet, aber auch der geplante zeitliche Ablauf: „2023 und 2025 sollen die beiden Trassen in Betrieb gehen. Das müsste sich doch koordinieren lassen.“

Auf jeden Fall nach München

Die Initiatoren gehen davon aus, dass die Petition nach der Sommerpause im Landtagsausschuss behandelt wird. Die Beratungen sind öffentlich, und Ostheim wie sein Mitstreiter Johann Winklmann wollen dazu auf jeden Fall nach München fahren. Auch eine Petition auf Bundesebene hat die Bürgeraktion in petto.

So schlecht scheinen ihre Erfolgsaussichten gar nicht zu sein. Die Politik steht auf unserer Seite, auf allen Ebenen und parteiübergreifend“, sagt Ostheim. Und Winklmann erzählt vom Brief, den der Bayerische Finanzstaatssekretär zum Thema Schwandorf an Horst Seehofer geschrieben hat. „Ich bitte Dich“, heißt es in dem Schreiben vom 12. Juli, „Dich bei etwaigen Koalitionsverhandlungen im Bund ganz entschieden dafür einzusetzen, dass auch bayerische Bürger durch den Einsatz von Erdkabeln im Wechselstromnetz entlastet werden können. Auch sollte ernsthaft geprüft werden, ob mehrere Leitungsvorhaben, die denselben Raum betreffen, in diesen Bereichen zu einem Vorhaben zusammengefasst werden können. Dein Albert Füracker“.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht