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Geschichte

Erfolgsgeschichte zu Ende geschrieben

Grundschulrektor und Autor Oskar Duschinger veröffentlicht sein zweites Buch über den WAA-Widerstandskämpfer Hans Schuierer.
Von Rudolf Hirsch

Altlandrat Hans Schuierer signierte die Bücher, flankiert von den Mitstreitern Irmgard Gietl, Oskar Duschinger und Leo Feichtmeier (von links). Foto: xih
Altlandrat Hans Schuierer signierte die Bücher, flankiert von den Mitstreitern Irmgard Gietl, Oskar Duschinger und Leo Feichtmeier (von links). Foto: xih

Schwandorf.Von Heldentum hält Hans Schuierer nicht viel. Die Heroen der Vergangenheit seien meistens Gewaltverbrecher gewesen. Die „wahren Helden“ sitzen vor ihm. Jene WAA-Widerstandskämpfer, „die damals am Bauzaun den Kopf hingehalten und Schikanen ertragen haben“. Ihnen widmet der Altlandrat das Buch von Oskar Duschinger, das der Autor am Freitag im Konrad-Max-Kunz-Saal vorstellte.

„Hans Schuierer – Symbolfigur des friedlichen Widerstandes gegen die WAA“. Auf über 400 Seiten schreibt der Rektor der Grundschule Maxhütte-Haidhof über den Menschen, Politiker und wehrhaften Demokraten Hans Schuierer. Für den Altlandrat sei „Wackersdorf“ ein Lehrbeispiel, „was der Bürger in einer Demokratie bewegen kann“. Der Widerstand habe die Oberpfalz vor Verödung bewahrt und die Entwicklung zur Vorzeigeregion ermöglicht. Für Schuierer, der sich vier Jahre lang einem Disziplinarverfahren ausgesetzt sah, wäre es an der Zeit, „dass sich die bayerische Staatsregierung für das Unrecht entschuldigt, das sie damals den Bürgern angetan hat“.

Strafversetzung folgte

Oskar Duschinger war 27 Jahre alt, als er sein erstes Buch über Hans Schuierer und die WAA mit dem Titel „Unbestechlich“ geschrieben hat. Es erschien auf dem Höhepunkt der Auseinandersetzung im Jahre 1986. Das bayerische Kultusministerium versetzte den Junglehrer darauf hin an eine Münchner Brennpunktschule. „Ich fühlte mich gleich heimisch, denn da ging es ähnlich zu wie am Bauzaun in Wackersdorf“, schmunzelte Duschinger in Erinnerung an jene aufregenden Jahre.

Die Personen

  • Oskar Duschinger:

    Er ist 1959 in Münchshofen geboren, studierte an der Uni Regensburg Geschichte, Germanistik und Sport für das Lehramt und erlebte den Widerstand vor Ort mit. 30 Jahre später forschte der Grundschulrektor in Archiven, unterhielt sich mit Zeitzeugen und führte Gespräche mit der Widerstandssymbolfigur Hans Schuierer. „Wenn Recht zu Unrecht wird, wird Widerstand zur Pflicht“. Diesen Grundsatz von Berthold Brecht habe sich Schuierer zu eigen gemacht, so der Autor Duschinger.

  • Hans Schuierer:

    Der Altlandrat sei mit seinem Eintreten für Heimat, Recht und Freiheit Vorbild für die Generationen. Hans Schuierer ist derzeit fast täglich mit Wolfgang Nowak in Schulen der Oberpfalz unterwegs und fordert Jugendliche auf, den Politikern die Meinung zu sagen und sich einzumischen. Wackersdorf habe gezeigt, was möglich sei. (xih)

Der Widerstand im Taxöldener Forst drohte damals zu eskalieren. Wären da nicht Männer und Frauen gewesen wie Richard Salzl, Leo Feichtmeier, Irmgard Gietl, Wolfgang Nowak und Hans Schuierer. Der Einsatz habe sich gelohnt, sagt Oskar Duschinger, „wir haben die Strahlenfabrik inmitten unserer Heimat verhindert“. Der Autor hatte ursprünglich den Titel „Der Held des Widerstandes gewählt“. Dagegen wehrte sich Hans Schuierer mit Erfolg, denn: „Ich war weder Held noch Anführer, sondern habe an der Seite der Mitstreiter für Heimat, Recht und Freiheit gekämpft“. Aus dem „Helden“ wurde die „Symbolfigur“.

„Du bleibst unser Held“

32 Jahre nach seinem ersten Schuierer-Buch lässt Oskar Duschinger ein zweites folgen und schreibt die „Erfolgsgeschichte des Widerstandes gegen die WAA“ zu Ende. Gemeinsam mit Hans Schuierer und den Co-Autoren Günther Moser und Wolfgang Nowak, die Bild- und Textmaterial lieferten. „Für mich bist und bleibst du unser Held“, versicherte Duschinger dem Altlandrat, als er ihm das erste Exemplar überreichte. Dieses Stück Zeitgeschichte arbeiten derzeit Schulamtsdirektorin Renate Vettori mit den Lehrkräften Michael Rinn und Alexander Friedl und einer Schüler-Arbeitsgemeinschaft für den Geschichtsunterricht auf.

Zeitgeschichte

Hans Schuierer, ein Held wider Willen

Der Schwandorfer Altlandrat findet den Rummel um seine Person anstrengend. Für die gute Sache nimmt er ihn aber gern in Kauf.

Das Buch ist im Kunstverlag Oberpfalz erschienen und kostet 19,90 Euro. Verlagsleiter Josef Roidl hatte zur Buchpräsentation die Münchner „Gampe-Band“ engagiert, die mit ihrem Song „Hans, bleib do, da woaßt ja niat wia`s Wetter wird „ der Hauptperson des Abends ihre Reverenz erwies. „Eine Region wehrt sich“. In einem Bilderrückblick erinnerte Wolfgang Nowak an die Demonstration und Sternmärsche „der Chaoten, die alles bestreiten, nur nicht ihren Lebensunterhalt“. So habe die bayerische Staatsregierung damals die friedlichen Demonstranten abgekanzelt. 18 Tage lang hielt das Hüttendorf im Taxöldener Forst, ehe es die Polizei räumte. „Wir hatten zwar kein Geld, dafür aber Ideen“, erinnert sich Wolfgang Nowak. An Fasching kamen die Demonstranten maskiert, worauf die Staatsregierung mit einem Vermummungsverbot reagierte. „Wackersdorf war die Topmeldung in jeder Tagesschau“, stellte Wolfgang Nowak im Rückblick fest.

MZ-Spezial: Mehr über den Widerstand gegen die WAA lesen Sie hier.

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