MyMz
Anzeige

Geschichte

Erinnerungen an den Ersten Weltkrieg

Kreisheimatpfleger Theo Männer und Neunburgs Stadtarchivarin Christa Scheitinger bringen ein Buch über den Krieg heraus.
Von Karl-Heinz Probst

Am 16. November 1918 wurde der französische Kriegsgefangene Auguste Charuel aus St. Malo im Neunburger Friedhof beerdigt. Er war an einer Lungenentzündung gestorben. Foto: Sammlung Probst
Am 16. November 1918 wurde der französische Kriegsgefangene Auguste Charuel aus St. Malo im Neunburger Friedhof beerdigt. Er war an einer Lungenentzündung gestorben. Foto: Sammlung Probst

Neunburg.Nach dem Attentat auf das österreichische Thronfolgerpaar am 28. Juni 1914 in Sarajewo brach der Erste Weltkrieg aus. Deutschland erklärte zuerst am 1. August Russland den Krieg und zwei Tage später auch Frankreich. Mit diesem epochalen Ereignis beschäftigt sich ein Buch, das Museumsleiter Theo Männer und Stadtarchivarin Christa Scheitinger gerade noch rechtzeitig zum Kriegsbeginn vor 105 Jahren veröffentlichen.

„Im Museum verbirgt sich seit 100 Jahren ein Schatz, der jetzt gehoben wurde“, sagte Theo Männer am Montag bei der offiziellen Buchvorstellung im Rathaus. Der damalige Museumsgründer und Bezirksamtmann Adolf Lieb ließ Kriegserinnerungen aus dem Ersten Weltkrieg in zwei kleinen Büchern handschriftlich aufzeichnen. Der Inhalt setze sich zusammen aus amtlichen Benachrichtigungen von der Front an das Bezirksamt, persönlichen Erlebnissen und Erinnerungen von Frontsoldaten aus dem Bereich des ehemaligen Bezirksamtes Neunburg, Feldpostkarte, Feldpostbriefe, erläuterte Männer. Die Niederschrift erfolgte in deutscher Schrift durch die Soldaten, mitunter durch Kanzlisten und nicht zuletzt durch Bezirksamtmann Lieb selbst. Vor allem dessen schwer entzifferbare Handschrift brachte Stadtarchivarin Christa Scheitinger bei der Transkription zuweilen gehörig ins Schwitzen. Theo Männer hat die Texte redigiert, die Sprache der Verfasser geglättet und lesbarer gemacht.

Üppige Bebilderung

Hilfreich für die Bebilderung des Buches zwei Fotoalben von Josef Wagner („Brunnabeck“) mit zahlreichen Ansichtskarten von Städten und Dörfern an der Westfront, aber auch von Personenfotos von ihm und seiner Einheit. Männer zog zudem Fotos aus seiner eigenen Sammlung, diverse Dokumente aus dem Stadtarchiv sowie Exponate aus der Sonderausstellung anno 2014 hinzu. Aus den Kriegserinnerungen geht hervor, dass die Bevölkerung zunächst die bewaffnete Auseinandersetzung mit großer Begeisterung begrüßte. Diese Stimmung ist jedoch bald verflogen.

Das Buch

  • Umfang:

    196 Seiten

  • Auflage:

    400 Exemplare

  • Preis:

    14,80 Euro

  • Verkaufsstellen:

    Rathaus, Buchhandlung am Tor, Büro- und Pressezentrum, Schwarzachtaler Heimatmuseum

  • Gestaltung und Druck:

    media 9 und Schmidl-Druck, Neunburg (ak)

Die humorvoll gestalteten Feldpostkarten werden weniger, die Todesanzeigen und Verwundetenlisten in den Zeitungen nehmen zu. Am Ende des Ersten Weltkriegs hatte Bayern 180 000 Gefallene und hunderttausende Verwundete zu beklagen. In Neunburg erinnert etwa die 1921 erbaute Kriegerkapelle im Friedhof an die Gefallenen und Vermissten der Pfarrei. In vielen Ortschaften des Bezirksamtes wurden Anfang der 1920er Jahre Kriegerdenkmäler errichtet. Dieser Erinnerungskultur haben Männer und Scheitinger ein eigenes Kapitel gewidmet.

Lobend erwähnten zahlreiche Soldaten, auch aus der weiteren Umgebung, das Vereinslazarett im Distriktskrankenhaus. Die Betreuung durch die Ärzte Dr. Kerschensteiner und Dr. Gradl, die Klosterschwestern, die gute Verpflegung sowie die Herzlichkeit der Neunburger Bevölkerung wurden immer wieder hervorgehoben.

Historie

Gefangenschaft in Bildern festgehalten

Der Kriegsgefangene André Vergnes hat in Thanstein viele Kunstwerke hinterlassen. Zeitzeugen erzählen seine Geschichte.

Theo Männer dankte den Förderern, welche die Herausgabe des Buches erst ermöglicht hätten: Dr. Peter Deml für die Johanna und Dr. Peter Deml-Stiftung, Trudi Stadlbauer für die Landrats Max Stadlbauer-Stiftung und Hans Herl für die Sparkasse im Landkreis Schwandorf.

Aktuelles Thema

Bürgermeister Martin Birner dankte den beiden Autoren, dass sie ein für die Region einzigartiges Buch herausgebracht hätten. Sie hätten die Ereignisse in Neunburg anschaulich zusammengefasst und damit etwas Bleibendes geschaffen. Das Buch sei insbesondere auch für Familien interessant, deren Angehörige vom Ersten Weltkrieg betroffen waren. Barbara und Martin Schmidbedankten sich noch einmal für den Auftrag zu Gestaltung und Druck des Buches. Für sie war auch anhand der Chronologie beeindruckend zu sehen, wie die Euphorie der Bevölkerung in Ernüchterung umgeschlagen sei. Das Thema „Krieg“ sei heute ja wegen der internationalen Sicherheitslage leider wieder top aktuell.

Mehr Nachrichten aus Neunburg vorm Wald lesen Sie hier.

Erhalten Sie täglich die aktuellsten Nachrichten aus der Region bequem via WhatsApp auf Ihr Smartphone.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht