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Region Schwandorf
Freitag, 21. September 2018 25° 3

Erinnerung

Erinnerungen an grausame Ereignisse

Erich Zweck bringt mit Stadtarchivar Josef Fischer eine Dokumentation über Hans Freymüllers Fronterlebnisse heraus.

Autor Erich Zweck überreichte der 2. Bürgermeisterin Ulrike Roidl das erste Exemplar seines Buches. Foto: xih
Autor Erich Zweck überreichte der 2. Bürgermeisterin Ulrike Roidl das erste Exemplar seines Buches. Foto: xih

Schwandorf.„Es war im Sommer 1916 an der Somme“. Was wie der Titel eines Liebesromans klingt, sind in Wirklichkeit Erinnerungen an die schrecklichen Ereignisse des Ersten Weltkrieges. Aufgeschrieben hat sie der katholische Geistliche Hans Freymüller, der in Schwandorf als Religionslehrer gewirkt und die Erlebnisse an der Westfront in einer Reihe von Artikeln aufgeschrieben hat. Der Historiker Erich Zweck nahm sich der Schriften an, spürte weitere Quellen auf und brachte in Zusammenarbeit mit Stadtarchivar Josef Fischer eine zeitgeschichtliche Dokumentation heraus.

Kriegsgeschehnisse in 50 Folgen

In 50 Folgen schrieb Hans Freymüller in einer Beilage des „Schwandorfer Tagblatts“ die Kriegsgeschehnisse nieder. „Erschütternd und packend zugleich“ sei es, was darin zu lesen ist, sagte Erich Zweck bei der Buchvorstellung am Donnerstag im Rathaus. Ein Jahr lang hat der pensionierte Studiendirektor recherchiert, Unterlagen im bischöflichen Archiv in Regensburg gefunden, Verwandte des Geistlichen befragt und schließlich Einblick in die Personalakte bekommen.

Hans Freymüller ist 1893 in der Nähe von Straubing geboren und 1914 zum Kriegsdienst eingezogen worden. Er schrieb auf, was er in den Schlachten an der Somme und bei Verdun erlebte. Der Feldwebel und Träger des Eisernen Kreuzes II. Klasse wurde zweimal verschüttet, geriet in einen feindlichen Gasangriff und schließlich in englische Gefangenschaft.

Zeitgenössische Dokumentation

  • Recherche: Ein Jahr lang hat der Historiker Erich Zweck für die Dokumentation über den Schwandorfer Religionslehrer recherchiert. Herausgekommen ist ein 146-seitiges Buch im DIN-A4-Format. Es ist in einer Auflage von 40 Exemplaren erschienen, die zum Preis von 12,90 Euro im städtischen Tourismusbüro erhältlich sind. Der in Regensburg lebende Autor hat bereits zahlreiche Publikationen über die NS- und Kriegszeit in Schwandorf herausgebracht.

  • Teamwork: 2. Bürgermeisterin Ulrike Roidl dankte dem pensionierten Gymnasiallehrer Erich Zweck und dem Stadtarchivar Josef Fischer für die Zusammenarbeit bei der Dokumentation. „Es war im Sommer 1916 an der Somme“. Die Antwort des Autors: „Das macht mir Spaß, da bleibe in geistig flexibel.“ Josef Fischer appelliert an die Bevölkerung, Feldpostbriefe aus dem Ersten Weltkrieg nicht wegzuwerfen, sondern ihm zu überlassen. (xih)

Nach dem Krieg studierte Hans Freymüller Theologie und wurde 1924 zum Priester geweiht. 1930 kam er als Religionslehrer nach Schwandorf und begann, seine Fronterlebnisse in Vorträgen und Schriften zu schildern. Daran erinnert sich noch recht gut der pensionierte Berufsschuldirektor und Stadtrat Franz Sichler, dem der Geistliche in der Katholischen Knabenschule Religionsunterricht erteilte.

Hans Freymüller beschreibt sich selbst als „mutigen Soldaten und tiefreligiösen Menschen“, für den es eine Pflicht gewesen sei, sein Vaterland zu verteidigen. 1941 bewarb sich sich der Theologe um eine eigene Pfarrei und zog weg aus Schwandorf. Am 18. Juni 1967 starb er im Alter von 73 Jahren.

147-seitige Abhandlung

Das Buch von Erich Zweck besteht aus zwei Teilen. Die Erzählungen Freymüllers, ergänzt mit dem Lebenslauf des Geistlichen, umfasst den größeren Teil der 147-seitigen Abhandlung. Der Autor fertigte die Biografie mit Unterstützung „zahlreicher Kontaktpersonen und Archiven“ an und bekam sogar Einsicht in die Personalakte des Priesters. „Sehr wertvoll war die Unterstützung des Schwandorfer Stadtarchivs“, betonte der Historiker und dankte dabei vor allem Archivar Josef Fischer. Die Berichte Freymüllers übernahm Erich Zweck unverändert aus den einzelnen Beiträgen der Zeitungsbeilage.

Der pensionierte Gymnasiallehrer fasst seine Eindrücke mit den Worten zusammen: „Die Darstellungen Freymüllers sind wirklich packend und ergreifend, ja zum Teil erschütternd. Vor allem, wenn er die schrecklichen Kampfszenen beschreibt.“

„Weihnachten ohne Gottesdienst“

Um dem Inhalt Nachdruck zu verleihen, suchte Stadtarchivar Josef Fischer Bildmaterial zusammen, das stellvertretend Schützengräben und Kriegsschauplätze zeigt, die allerdings nicht unmittelbar mit den Schilderungen des Soldaten Hans Freymüller in Zusammenhang stehen.

„25. Dezember 1916 – Weihnachten ohne Gottesdienst“, schreibt der Soldat in seinem Tagebuch. „Alle sehnten sich danach, aber es war nichts zu machen.“ Und Hans Freymüller betete: „Et in terra pax hominibus – Friede den Menschen auf Erden.“

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