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Unterhaltung

Eros Ramazzotti & Co. ließen grüßen

Mit „Azzurro“ präsentierten „I Dolci Signori“ in der Schwarzachtalhalle Neunburg eine Italo-Pop-Revue von Stefan Tilch.
Von Ralf Gohlke

Natürlich auf einer Vespa machte sich das Trio infernale in dem Musical „Azzurro“ von Italien standesgemäß auf nach Deutschland. Foto: Ralf Gohlke
Natürlich auf einer Vespa machte sich das Trio infernale in dem Musical „Azzurro“ von Italien standesgemäß auf nach Deutschland. Foto: Ralf Gohlke

Neunburg. Die Idee, sich als Musiker nicht nur in Konzerten zu präsentieren, sondern für sich auch andere Genres zu erschließen, ist keineswegs neu. Dabei muss nicht gleich immer ein Juwel wie die Rockoper „Tommy“ von „The Who“ herauskommen. Oft reicht es schon, bekannte Titel in eine Geschichte zu verpacken und die dann, mehr oder weniger gut inszeniert, auf die Bühne zubringen. Mit „Azzurro“ ist einer der besten Italo-Pop-Coverbands „I Dolce Signori“ dieser Schritt hervorragend gelungen. Das war nicht nur dem begeisterten Presseecho nach der Premiere im Winter 2016/2017 zu entnehmen, sondern auch das Publikum in der Schwarzachtalhalle konnte sich nun selbst ein Bild davon machen.

Johann Anzenberger ist der zweite Schauspieler in der Show. Ohne ihn gäbe es keine Mamma Maria, den alten Mann, die bayrische Krankenschwester Dolores, den Koch Enzo, den Impressario Luigi Onesto oder die ausgeflippte Fan-Tussie mit ihrem unerschöpflichen Slipreservoir. Foto: Ralf Gohlke
Johann Anzenberger ist der zweite Schauspieler in der Show. Ohne ihn gäbe es keine Mamma Maria, den alten Mann, die bayrische Krankenschwester Dolores, den Koch Enzo, den Impressario Luigi Onesto oder die ausgeflippte Fan-Tussie mit ihrem unerschöpflichen Slipreservoir. Foto: Ralf Gohlke

Unterstützung hatte die Band bei ihrem Vorhaben von Stefan Tilch, dem Intendanten des Landestheaters Niederbayern, der auch Regie führte. Als schlagkräftige Mitakteure holten sich die Musiker die beiden Schauspieler Alisca Baumann und Johann Anzenberger mit ins Boot.

Reise mit vielen Abenteuern

Die Geschichte beginnt im typischen Umfeld einer Familie in einem kleinen Dorf im mittelitalienischen Umbrien. Dort erhält Rocky die Nachricht, dass seine Jugendliebe Gloria, die in die USA ausgewandert ist, nach dem Willen ihres Onkels einen „Americano“ heiraten soll. Verhindern könnte Rocky das nur, wenn es ihm gelänge, die 20 000 Dollar Schulden, die der Onkel bei einigen Leuten hat, die auch schon mal von „Fingerabschneiden“ reden, zu besorgen.

Rocky Verardo  ist die tragende Stimme bei I Dolci Signori, der den Originalen aus der italienischen Popmusikszene in nichts nachsteht. Das er auch schauspielerisches Talent mitbringt, stellte er in der Titelrolle des „Rocky“ zudem eindrucksvoll unter Beweis. Foto: Ralf Gohlke
Rocky Verardo ist die tragende Stimme bei I Dolci Signori, der den Originalen aus der italienischen Popmusikszene in nichts nachsteht. Das er auch schauspielerisches Talent mitbringt, stellte er in der Titelrolle des „Rocky“ zudem eindrucksvoll unter Beweis. Foto: Ralf Gohlke

Der sieht aber kaum eine Chance, so viel Geld in kurzer Zeit zu verdienen, wäre da nicht der „Nonno“, zu Deutsch der „Großvater“, der sich noch daran erinnern konnte, dass einige in Deutschland bei der Arbeit im Steinkohlebergbau reich geworden seien. Gesagt, getan: Ausgestattet mit reichlich Reiseproviant von der „Mama“ will Rocky gerade mit seiner Vespa Richtung Germania starten, als ihm die etwas durchgeknallte und von ihrem Liebhaber Dante verstoßene deutsche Touristin Frauke buchstäblich über den Weg stolpert. Letztendlich schließt sie sich, ebenso wie sein Kumpel Gianni, an und nun begeben sich alle drei auf eine turbulente Odyssee mit vielen Abenteuern.

Alisca Baumann bezeichnet sich selbst als „singende Schauspielerin“. Mit ihr, in der tragenden Rolle der etwas schusseligen Touristin und mit einem „Heino-Tick“ belasteten Frauke, hat die Band einen echten Glücksgriff getan. Ihr Violinenspiel im Stück ist übrigens echt. Foto: Ralf Gohlke
Alisca Baumann bezeichnet sich selbst als „singende Schauspielerin“. Mit ihr, in der tragenden Rolle der etwas schusseligen Touristin und mit einem „Heino-Tick“ belasteten Frauke, hat die Band einen echten Glücksgriff getan. Ihr Violinenspiel im Stück ist übrigens echt. Foto: Ralf Gohlke

Am Ziel in Gelsenkirchen muss Rocky feststellen, dass mit Steinkohle hier schon lange kein Geld mehr zu verdienen ist. Dafür trifft er auf den Konzertveranstalter Luigi Onesto, der ihm die „große Kohle“ für einen Auftritt mit einer Band verspricht. Tatsächlich gelingt es Rocky, eine Band zu reaktivieren, die Blues-Brothers ließen an der Stelle grüßen, und das Konzert wurde ein Riesen-Erfolg, finanziell allerdings eher für Onesto, der übrigens trotz seines italienischen Namens von der Stimme her eher wie ein berühmter deutscher Poptitan klang.

Der hatte wiederum die Rechnung ohne Frauke gemacht, die den Vertrag genauer studiert und eine Klausel eingeschoben hatte, die den Musikern doch noch zu ihrem verdienten Lohn verhalf. Warum Rocky dann trotzdem nicht in die USA gereist ist, soll dem künftigen Publikum als kleine Überraschung dienen.

Alle Titel live gespielt

Auf dieser rasanten Reise durch Italien nahmen die Musiker von „I Dolce Signori“ Rocky Verardo (Gesang), Gianni Carrera (Gesang und Gitarre), Michael Thomas (Schlagzeug), Richie Necker (Gitarre und Mandoline), Uli Zrenner-Wolkenstein (Bass) und Bernd Meyer (Piano und Akkordeon) das Publikum sehr gerne mit, vor allem mit Klassikern wie „Azzurro, „Senza una donna“ oder „Gloria“, alles natürlich live gespielt und gesungen. Das gelungene Bühnenbild und die Kostüme stammen übrigens von Dorothee Schumacher und Lutz Kemper.

Gianni Carrera gehört mit seinem Gesang und seiner Gitarrenbegleitung ebenfalls zum festen Stamm der Italo-Cover-Band. In der Rolle von Rockys Kumpel bedient er alle Klischees, die einst den „feurigen und glutäugigen Italienern“ nachgesagt wurden. Foto: Ralf Gohlke
Gianni Carrera gehört mit seinem Gesang und seiner Gitarrenbegleitung ebenfalls zum festen Stamm der Italo-Cover-Band. In der Rolle von Rockys Kumpel bedient er alle Klischees, die einst den „feurigen und glutäugigen Italienern“ nachgesagt wurden. Foto: Ralf Gohlke

Sogar die beiden Schauspieler brachten sich dabei mit ein, Alisca Baumann an der Viloine und Johann Anzenberger mit einem tollen Klarinettensolo. Anzenberger erwies sich zudem als das „Chamäleon“ des Abends, gemessen an der Zahl der Rollen, die er verkörperte, von der „italienischen Mama“ bis zum durchgeknallten Fan der Band, mit einem schier nicht enden wollenden Reservoir an Unterhöschen, die auf der Bühne landeten.

Das Publikum war von der Inszenierung und der Leistung der Akteure schlicht hingerissen und brachte dies auch mit entsprechendem Szenen- und Schlussapplaus zum Ausdruck. Die Akteure ließen natürlich gern zu einigen Zugaben animieren, bei den denen auch im Saal noch einmal kräftig mitgeklatscht wurde.

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