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Erste Zusammenarbeit war voller Erfolg

Stadt Nittenau und die Weidener „Max Reger Tage“ boten anspruchsvollen Liederabend

Pianistin Sonja Wischniowski und Bariton Rüdiger Nikodem Lasa begeisterten das Publikum. Foto: ttg

Von Thomas Göttinger

NITTENAU. Unter den verschiedenen Genres, die es im Konzertbetrieb gibt – Solorecital, Liederabend, Kammerkonzert, Serenade, Sinfoniekonzert – rangiert der Liederabend für gewöhnlich unter „ferner liefen“. Man braucht schon die ganz großen Namen, um damit das Publikum hinter dem heimischen Ofen hervor bzw. vom Fernseher weg zu locken. Und selbst dann sollte ein Veranstalter besser keine Wetten darauf abschließen, dass das auch tatsächlich so klappt und er seinen Konzertsaal richtig proppevoll bekommt.

Insofern können die Stadt Nittenau und die Weidener „Max Reger Tage“ bei ihrer ersten Zusammenarbeit schon mal einen schönen Erfolg verbuchen. Rund 90 Besucher waren am Samstag ins Foyer des Rathauses gekommen, um den Bariton Rüdiger Nikodem Lasa und die Pianistin Sonja Wischniowski mit Liedern von Johannes Brahms, Max Reger und dem kompletten, in Deutschland viel zu selten gespielten Zyklus „Songs of Travel“ des englischen Komponisten Ralph Vaughan Williams, zu hören. 90 Besucher – das brachte das zum Konzertsaal umfunktionierte Foyer – den Flügel hatten die Mitarbeiter der Reger-Tage eigens aus Weiden nach Nittenau geschafft – nahe an seine Kapazitätsgrenze und sorgte doch für jene intime Atmosphäre, die einem Liederabend immer gut tut.

Lasa und Wischniowski ließen denn auch keine Wünsche offen. Sicher, die schon sehr direkte Akustik des Raumes im Zusammenspiel mit dem mehr als kräftigen Bariton Lasas dürften vor allem in den ersten Reihen zunächst für gehöriges Erschrecken gesorgt haben, drang das doch mit einer Wucht ans Ohr, die vor allem den Brahms-Liedern – darunter Highlights wie die „Feldeinsamkeit“ Opus 86/2, die „Sapphische Ode“ Opus 94/4 oder auch „Der Tod, das ist die kühle Nacht“ Opus 96/1 – mitunter den Garaus zu machen drohte. Glücklich konnte sich ausnahmsweise schätzen, wer weiter hinten saß!

An Lasas Stimme gab es freilich nichts zu mäkeln. Sehr kernig, sehr markant, dabei erstaunlich leichtgängig und beweglich mit beachtlichem Potenzial sowohl in der Tiefe als auch in der Höhe, präsentierte sich da ein Bariton, der locker zum großen dramatischen Gestus ebenso fähig ist wie zu innigen respektive: verinnerlichten Momenten. Dass er etwa Regers kindlich-naives „Beim Schneewetter“ Opus 76/6 schlicht und ungekünstelt zu einem alles anderen als peinlichen Erlebnis machte, spricht Bände. Den - nennen wir es mal - Aussetzer in „Du meines Herzens Könelein“ Opus 76/1, als er zu früh wieder einsetzen wollte, verzeiht man da gerne.

Höhepunkt des Abends aber war nach der Pause Vaughan Williams Liederzyklus „Songs of Travel“ nach Gedichten von Robert Louis Stevenson. Lasa traf den „englischen Tonfall“, diese eigenartigen Mischung aus offensichtlicher Zurückhaltung und großem Gefühl, der neun Preziosen in jeder Hinsicht perfekt und lieferte eine Deutung ab, die so leicht keinen Vergleich zu scheuen braucht. Bariton-Kultur at it‘s best!

Und hätte es zu diesem Zeitpunkt noch eines Beweises bedurft, welch außergewöhnlich eigenständige und pianistisch hochklassige Begleiterin Sonja Wischniowski am Flügel ist, er wäre spätestens jetzt erbracht worden. Schon die schweren, wandernden Figuren des Auftaktstückes „The Vagabond“ (wen der Zyklus mitunter an Schuberts „Schöne Müllerin“ oder die „Winterreise“ erinnerte bzw. wem Mahlers „Lieder eines fahrenden Gesellen“ in den Sinn kamen, liegt nicht ganz verkehrt, lassen sich die „Songs of Travel“ doch auch als Hommage darauf verstehen) arbeitete sie mit großer Prägnanz heraus, gab sich arabesque-verspielt in „Let Beauty Awake“ und zeichnete auch die vielen kleinen Anspielungen in „Youth and Love“ - das Vogelgezwitscher, den Wasserfall oder auch die Fanfarenstöße - mit bestimmter, aber lockerer Hand.

Eine ungemein lebendige, klangschöne und klangfarbenreiche Begleitung gelang Wischniowski da auf dem wundervollen Kammermusikflügel der Bayreuther Klaviermanufaktur „Steingraeber und Söhne“. Chapeau!

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