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Podiumsdiskussion

Es geht nicht nur um die Biene

In Maxhütte drehte sich alles um Chemie in der Landwirtschaft. Die Bauern sehen den Verbraucher mit in der Verantwortung.
Von Norbert Wanner

Der Einsatz von Pestiziden und Insektiziden schädigt Insekten und damit die Natur „massiv“. Davon ist der Neurobiologe Prof. Dr. Dr. Randolf Menzel überzeugt. Die Frage ist: Ist der Verbraucher bereit, für Produkte zu zahlen, die ohne Chemie in der Landwirtschaft erzeugt worden sind? Foto: Patrick Pleul/dpa
Der Einsatz von Pestiziden und Insektiziden schädigt Insekten und damit die Natur „massiv“. Davon ist der Neurobiologe Prof. Dr. Dr. Randolf Menzel überzeugt. Die Frage ist: Ist der Verbraucher bereit, für Produkte zu zahlen, die ohne Chemie in der Landwirtschaft erzeugt worden sind? Foto: Patrick Pleul/dpa

MAXHÜTTE-HAIHDOF.„Erst wenn der letzte Baum gerodet, der letzte Fluss vergiftet, der letzte Fisch gefangen ist, werdet Ihr merken, dass man Geld nicht essen kann.“ Will man die Podiumsdiskussion anlässlich des „Mutter-Erde-Tags“ am Sonntag in der Stadthalle zum Thema Pestizideinsatz in der Landwirtschaft zusammenfassen, passt dieser alte Slogan der Umweltbewegung gut. Denn weder mangelte es an Problembewusstsein, noch an Einigkeit auf der Bühne, sondern über allem schwebten die Fragen: Wie wollen die Menschen leben? Wie wird sich die Gesellschaft verhalten?

Hochkarätige Expertenrunde

Edmund Hochmuth: Der Vorsitzender der Bayerischen Imkervereinigung Fürth, zeigte Verständnis für die Nöte der Landwirte. „Dem einzelnen Bauern kann kein Vorwurf gemacht werden.“ Politik und Industrie setzten die Rahmenbedingungen.
               Foto: bxh
Edmund Hochmuth: Der Vorsitzender der Bayerischen Imkervereinigung Fürth, zeigte Verständnis für die Nöte der Landwirte. „Dem einzelnen Bauern kann kein Vorwurf gemacht werden.“ Politik und Industrie setzten die Rahmenbedingungen. Foto: bxh

Teilnehmer der Podiumsdiskussion, die vom Pressesprecher der Stadtwerke Burglengenfeld, Michael Hitzek, moderiert wurde, waren Josef Wittmann, Geschäftsführer des Bayerischen Bauernverbands Schwandorf, Michael Raguz, Vorsitzender der Kreisjagdgruppe Burglengenfeld, Edmund Hochmuth, Vorsitzender der Bayerischen Imkervereinigung Fürth, Balduin Schönberger, Wildlebensraumberater am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Amberg, sowie Prof. Dr. Dr. Randolf Menzel, Zoologe und Neurobiologe der Freien Universität Berlin und weltweit anerkannter Experte bei Fragen zum Nervensystem der Bienen.

Die Pole der Diskussion lagen bei Prof. Dr. Dr. Menzel und seinem immensen Fach- und Faktenwissen über die Probleme, die Pestizide im Allgemeinen und Neonicotinoide, hochwirksame Insektizide, im Besonderen, bei Bienen und Insekten verursachen, auf der einen Seite. Auf der andren Seite Wittmann mit der schlichten Feststellung, dass in der guten alten Zeit, als Bauern ohne Kunstdünger, Pflanzenschutzmittel und Insektizide ihre Felder bescherten, die Menschen durchschnittlich „50 Prozent ihres Einkommens für das Essen ausgeben mussten, während es heute zehn Prozent sind“.

Der Neurobiologe Prof. Dr. Dr. Randolf Menzel fordert eine Umgestaltung der Gesellschaft. Foto: Wanner
Der Neurobiologe Prof. Dr. Dr. Randolf Menzel fordert eine Umgestaltung der Gesellschaft. Foto: Wanner

Menzel führte nachdrücklich vor Augen, dass es in der Wissenschaft keinen Zweifel gibt, dass der Einsatz von Pestiziden und Insektiziden Insekten und damit die Natur „massiv schädigt“. Nicht nur Bienen, alle Insekten seien davon betroffen, würden immer anfälliger für Krankheiten und Schädlinge. Letztlich bedrohten diese Gifte auch den Menschen. Er verwies darauf, dass Frankreich Parkinson bei Landwirten als Berufskrankheit anerkannt hat, weil die Anreicherung von Insektiziden im Körper Parkinson und Alzheimer Vorschub leistet.

Auch bezüglich der erwünschten Wirkungen warnte er Wissenschaftler. Das Beizen von Saatgut, also die Behandlung mit Pflanzenschutzmitteln, sei von der Industrie als bahnbrechende Entwicklung vermarktet worden. Binnen 30 Jahren hätten von 21 Schädlingen im Rahmen dieser Methode 20 Resistenzen entwickelt.

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Von Wittmann war in den Details kein Widerspruch zu hören. Wenn Mittel problematisch seien, müsse die Zulassung entzogen werden. Das Aber jedoch lautete, dass die Bauern dann Ersatz bräuchten, und damit war man beim Großen und Ganzen, der Politik, der Gesellschaft und dem Geld.

„Von der Gesellschaft geformt“

Bauern wollen von ihrer Arbeit leben. Ob sie nun für Weizen oder für das Anlegen von Blühstreifen bezahlt werden, sei zweitrangig, so die Botschaft des BBV-Funktionärs. Bei der Frage allerdings, ob die Gesellschaft eine Landwirtschaft ohne Chemie bezahlen wolle, hat er so seine Zweifel. „Die heutige Landwirtschaft wurde von der Gesellschaft geformt“, sagte er und verwies auf offene Märkte: Eine Landwirtschaft, die ohne Chemie produziere, dann aber deutlich höhere Preise verlangen müsse, sei ohne Abschottung nicht möglich. Lebensmittel würden international produziert, und der Verbraucher wolle nun einmal möglichst billig – bei möglichst großer Auswahl.

Edmund Hochmuth stellte die „immensen Verluste an Bienen und Insekten“ aus der Praxis, wie sie die Imker erleben, in den Raum und plädierte dafür, eine Veranstaltung wie die Podiumsdiskussion, bei der alle Beteiligten zusammensitzen, fortzuführen.

Michael Raguz: Der Vorsitzende der Kreisjagdgruppe Burglengenfeld verwies auf die Bedeutung der Jäger für die Natur und Wild. Es gehe um Naturschutz und nicht um „das bloße Töten von Wild“, so seine Botschaft. Foto: bxh
Michael Raguz: Der Vorsitzende der Kreisjagdgruppe Burglengenfeld verwies auf die Bedeutung der Jäger für die Natur und Wild. Es gehe um Naturschutz und nicht um „das bloße Töten von Wild“, so seine Botschaft. Foto: bxh

Schönberger verwies darauf, wie problematisch die Verluste an Insekten für die Nahrungskette wären. Jungvögel benötigten gerade in den ersten Tagen nach dem Schlüpfen tierisches Eiweiß; ohne dieses stürben die frisch geschlüpften Tiere binnen weniger Tage. Raguz pflichtete dem bei und sagte, dass der Rückgang von Fasan, Rebhuhn, Wachtel genau an dieser Problematik liege. Im Schlusswort griff Prof. Dr. Dr Menzel auf, was die Diskussion so offensichtlich gezeigt hatte: Um die Probleme lösen zu können, brauche es nicht weniger als eine „Umgestaltung der Gesellschaft“.

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