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Porträt

„Es hakt an der Kommunikation“

Nach mittlerweile zwölf Jahren CSU-Herrschaft will ÜPW-Kandidat Peter Neumeier (31) im Markt Schwarzenfeld den Neustart schaffen.
Von Cornelia Lorenz

Erinnerungen an seine Reise nach Rom: Peter Neumeier schaut sich gerne Urlaubsfotos an.Foto: scl

Schwarzenfeld.Die Tage von Peter Neumeier sind proppenvoll: Jeden Morgen pendelt der 31-Jährige 80 Kilometer zu seinem Arbeitsplatz bei Siemens in Nürnberg. Abends fährt er wieder heim nach Schwarzenfeld. An einen Umzug hat er nie ernsthaft gedacht. „Dazu gehört ein ordentliches Stück Heimatverbundenheit“, sagt er. Genau aus dieser Einstellung heraus hat er sich jetzt ein großes Ziel gesteckt: Am 16. März will Neumeier als Kandidat der Überparteilichen Wählergruppe (ÜPW) den amtierenden Bürgermeister Manfred Rodde (CSU) ablösen.

Obwohl Neumeier gerade einmal Anfang 30 ist, kann er politisch bereits einiges vorweisen. Er ist Kreistagsmitglied und seit drei Jahren Vorsitzender der ÜPW. „Hier bin ich mit offenen Armen empfangen worden“, freut er sich. Der Schritt, als Bürgermeisterkandidat anzutreten, sei da nur die logische Konsequenz. Viele Leute hätten ihm zwar abgeraten, aber davon habe er sich nicht abschrecken lassen. „Ich bin in der Lage dazu und gern unter Leuten und in den Vereinen – da kann ich auch gleich Bürgermeister werden“, sagt er schmunzelnd.

Ein Hauptproblem in Schwarzenfeld will Neumeier schon vor längerer Zeit ausgemacht haben. „Es hakt an der Kommunikation zwischen dem Rathaus und den Bürgern“, kritisiert er. Man müsse die Einwohner „rechtzeitig ins Boot holen“, bevor im Marktrat Beschlüsse fallen. Überhaupt ist dem ÜPW-Kandidaten der direkte Kontakt zu den Menschen wichtig. „Ich mach’s übers Reden aus“, beschreibt er sich selbst. Sollte er Bürgermeister werden, wäre das auch sein Führungsstil. Sein Plan: „In der ersten Zeit würde ich im Rathaus den Azubi mimen und den Leuten über die Schulter schauen“, sagt er. Er wolle keinesfalls kontrollieren, aber „wissen, was läuft“. Da gebe es für ihn als Neuling in der Gemeindeverwaltung einiges zu lernen.

Seine Ziele für Schwarzenfeld hat Peter Neumeier deutlich vor Augen. Es gebe keinen Ortsheimatpfleger, keinen Jugendbeauftragten, keinen Seniorenbeauftragten, kritisiert er. Mittelfristig brauche die Gemeinde außerdem ein neues Baugebiet, das Platz für junge Familien biete, sagt er. Die ehemalige Brauerei Bauer im Ortskern sei ein Filetstück für die Gemeinde. Mit Hilfe eines Ideenwettbewerbs für Architekten könne man bestimmt eine gute Lösung finden, ist er überzeugt. In Sachen Wirtschaftsförderung sei der Markt leider noch ein unbeschriebenes Blatt. „In Pfreimd und Wernberg dagegen sprießen die Industriegebäude aus dem Boden“, sagt Neumeier. Hier müsse man dringend etwas unternehmen und zum Beispiel in Autobahnnähe ein gut sichtbares neues Gewerbegebiet ausweisen. Aufmerksam beobachten will der ÜPW-Kandidat die Elektrifizierung der Bahnlinie. Falls künftig statt sieben plötzlich 80 oder noch mehr Güterzüge pro Tag auf der Strecke unterwegs seien, müsse man rechtzeitig Maßnahmen ergreifen. „Ich will die Elektrifizierung nicht verhindern, aber wir müssen uns um den Lärmschutz bemühen – das dürfen wir keinesfalls verschlafen“, fordert Neumeier.

Die Wahrscheinlichkeit, dass er etwas verschläft, was direkt in Schwarzenfeld passiert, ist eher gering. Nach dem sonntäglichen Kirchgang trifft sich Neumeier gern mit seinen Sängerfreunden vom Bergchor Sankt Barbara zum Frühschoppen. „Da kriegt man mit, was hier läuft“, sagt er und schmunzelt. Ansonsten probiert er, es am Wochenende ruhiger angehen zu lassen. „Ich gebe jeden Tag Vollgas, aber am Sonntag versuche ich, nichts zu tun“, sagt er.

Wie er den Wahlsonntag verbringen wird, weiß er noch nicht hundertprozentig. Am Vorabend möchte er auf jeden Fall das Schwarzenfelder Starkbierfest besuchen und schauen, ob er heuer „derbleckt“ wird. Dann heißt es am nächsten Tag ab 18 Uhr Zittern. „Mein Ziel bei dieser Wahl? Keine Ahnung. Ich denke, ein Ergebnis zwischen 20 und 55 Prozent ist realistisch“, sagt er. Mit der Resonanz auf seine Kandidatenseite bei Facebook ist er jedenfalls sehr zufrieden. 326 Nutzer haben mittlerweile den „Gefällt mir“-Button gedrückt. Gut unterstützt werde er auch von seiner Familie und seiner Freundin Lisa. Im Freundeskreis werde sie bereits scherzhaft „First Lady“ genannt, sagt er. Seine Freundin sei es auch, die ihm ungeniert seine Schwächen ins Gesicht sage. „Beim Kochen meinte sie vor kurzem, dass ich nicht teamfähig bin, weil ich mich sehr streng ans Rezept halte“, erinnert sich Neumeier. Er selbst sieht das anders und empfindet sich als echten Teamplayer. „Das sieht man bei meinen vielen Vereinstätigkeiten. Ich frage alle vorher und möchte einen Konsens erzielen – und nicht einen diktatorischen Beschluss.“

Sein Alter hält Neumeier für kein Handicap. Als jüngstes Mitglied im Kreistag fühle er sich ernst genommen, auch alle Gemeinderäte kenne er persönlich. „Ich glaube, ich habe mir inzwischen genug Respekt erworben.“

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