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Theater

Es ist Hexen- und Drudenzeit in Nittenau

Der Henker von Hof, die Hexen von Stefling und die Bierpantscher zu Stockenfels verzaubern wieder bei der Geisterwanderung.
Von Renate Ahrens

  • Hexen- und Drudenzeit ist wieder in Nittenau. Gruselige Hexen tanzen um das Feuer. Foto: Renate Ahrens
  • Das Stück wird heuer temporeicher und lebendiger inszeniert. Foto: Renate Ahrens

Nittenau.Eine unheimliche Nacht hat begonnen. In Nittenau ist wieder Hexen- und Drudenzeit, und vor Geistern müsse man sich in Acht nehmen, so wird gewarnt. Und tatsächlich: Schauriges Gelächter ertönt, Nebel wabert und unheimliche Gestalten erscheinen. Am Samstag fand die erste von drei Aufführungen der weit über die Grenzen des Regentals bekannten Geisterwanderung statt. Sie führt zu drei Burgen, denn dort habe sich nach alten Sagen gar Schauerliches ereignet. Auf spannende und gruselig-schöne Weise wird dies nacherzählt. „Sie dürfen ruhig ein wenig Angst haben“, sagt Fanny Meißel vom Theater- und Festspielverein zu den Zuschauern.

Das Schauspiel beginnt in Hof am Regen. Hier, so erfährt man, habe ein Mord stattgefunden. Ritter Jörg erdolchte sein schönes Weib Adelheid wegen einer Intrige seines Knappen Neidhard. Seitdem spukt er als „Ritter ohne Kopf“ um die Burg - und die Geisterwanderer trafen ihn doch tatsächlich bei einsetzender Dämmerung. Auf einem Pferd irrt er noch immer ruhelos durch die Gefilde zwischen den Burgen Hof und Stefling - und dorthin führte es die Wanderer nach einer Stärkung mit Geisterbier und Würstln.

Ritter ohne Kopf begegnet

Hier findet das Herzstück des Spektakels statt: Immer zu Neumond finden sich im Burghof zu Stefling alle Hexen ein, tanzen bei Feuerschein um Mitternacht und beschwören den Hexeneid. So lautet die uralte Sage. Ungestraft, so mahnt der Erzähler so auch am Samstag, legt sich niemand mit den Hexen an. Und nicht nur der Teufel, sondern auch die Zuschauer wurden sogleich in den Bann der gruseligen Hexen gezogen: Hexe Krötenfuß aus Fischbach, Warzen-Ev vom Wackelstein oder Hexe Rungunkel vom Treidlinger Steinbruch überlisten die beiden Fratres, die sie bannen wollen. Denn die Oberhexe Luzisat hat zum Hexensabbat aufgerufen, der mit einem Hexenschwur endet.

„Nichts ist dem Zufall überlassen worden.“

Albert Meierhofer, Vorsitzender Theater- und Festspielverein

Immer wieder gerne sieht man dieses bunte Spektakel auch nach 36 Jahren. Heuer hatte man mit Christina Fink-Rester erstmals eine professionelle Regisseurin engagiert, die die Szenen lebendiger und actionreicher gestaltete, ohne ihren Charakter verlieren zu lassen. Einiges sei gestrafft worden, erklärt sie.

Die schönsten Bilder von der Nittenauer Geisterwanderung sehen Sie hier:

Nittenauer Geisterwanderung kam bestens an

Albert Meierhofer, Vorsitzender des Theater- und Festspielvereins und Darsteller des Teufels, ist vom neuen Konzept begeistert. „Nichts ist dem Zufall überlassen worden“, sagt er kurz vor der Premiere und blickt unheimlich mit seinen roten Augen, in denen sich das Licht des Feuers spiegelt. Um dieses werden die Hexen gleich tanzen. Hinter den Kulissen herrscht freudig-aufgeregte Stimmung.

Neuerungen motivierten

Viele sind seit Jahren dabei, wie Regina Ebensberger als Hexe Ziegendreck oder Claudia Faltermeier als Warzen-Ev. Von Jahr zu Jahr, so erklärt die erhabene Oberhexe Luzisat (Manuela Kulzer), habe sich das Stück weiterentwickelt. Die Neuerungen habe den Schauspielern nun noch mehr Spaß vermittelt und Motivation gegeben. „Auch das Einzelcoaching hat viel gebracht“, bestätigt Meierhofer. Noch ganz neu ist eine Tanzhexe dabei: Die 16-jährige Marlene Bösl darf erstmals mitspielen, wird beim Hexensabbat von den erfahrenen Hexen angeleitet und lernt das Zaubern.

„Auch das Einzelcoaching hat viel gebracht.“

Albert Meierhofer, Vorsitzender Theater- und Festspielverein

Viel Spaß mache das, erklärt auch Claudia Faltermeier - so richtig „ schön dreckig, alt und hässlich“ dürfe man mal sein. Rund 45 Minuten dauere es, bis man verwandelt sei. Nun stoßen alle noch einmal mit Geisterbräu an und der Tanz kann beginnen. Viele namhafte Nittenauer machen als Darsteller mit, auch parteiübergreifend spuken sie bei der Geisterwanderung, sagt Meierhofer.

Es ist Hexen- und Drudenzeit in Nittenau

  • Tragödie:

    Ritter Jörg erdolcht auf Burg Hof seine Frau in rasender Eifersucht. Das Spektakel ist spannend, aber immer wieder auch komisch. Im Laufe der 36 Jahre hat sich die Geisterwanderung stetig weiterentwickelt. Viele Darsteller sind seit Beginn dabei.

  • Zauber:

    Ob es die erotische Kräuterhexe schafft, die beiden Fratres mit ihren Reizen zu verzaubern? Die Klosterbrüder wollen die Steflinger Hexen endlich bannen. Schaurige Sphärenklänge künden den Hexensabbat an. Mit einem grausigen Hexenschwur endet dieses Spektakel in Stefling.

  • Spannung:

    Das Stück wird heuer temporeicher und lebendiger inszeniert. Erstmals fand ein Schwertkampf auf Burg Hof statt. Von hier geht es nach Burg Stefling zum Hexensabbat und anschließend bei stockfinsterer Nacht zur Geisterburg Stockenfels.

  • Karten:

    Noch zweimal hat man Gelegenheit, an dem gruseligen Spektakel teilzunehmen und mitzuwandern: am 4. August und 1. September. Karten gibt es im Touristikbüro, Telefon (09436) 902733 oder auf www.okticket.de. Alle Infos über die Sagen auf www.geisterwanderung.de .

Gespannt ziehen die Wanderer weiter, nachdem sie sich mit Dämonenblut, Hexenelixier und Hexengulasch vom Feuer gestärkt hatten. Als letzten Ort erreicht man die Geisterburg Stockenfels. Dort zeigt der Geisterkastellan das grausame Schicksal der Verbannten auf. Denn auf Bierpantscher wartet die Panscherhöll, so wird deutlich.

Die Klosterbrüder wollen die Steflinger Hexen endlich bannen. Foto: Renate Ahrens
Die Klosterbrüder wollen die Steflinger Hexen endlich bannen. Foto: Renate Ahrens

Nach einem aufregenden Abend brachten zwei Zillen die Geisterwanderer schließlich über den Regen nach Marienthal. Die Zuschauer waren begeistert, und schön gegruselt hat es sicher jeden - so mancher wird beim Nachhauseweg nach Geistern Ausschau gehalten haben.

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