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Bauerntheater

Ewiger Lausbua hält ganzes Dorf in Atem

Der Burschenverein Neukirchen mit Mädchengruppe erntet mit seinem turbulenten Schwank viel Beifall. Wir waren dabei.
Von Dietmar Zwick

Bürgermeister, Großbauer und Polizist (hinten v. l.) horchen zu, als Professor und Simmerl (v. l.) über die Erfindung sprechen.  Foto: Dietmar Zwick
Bürgermeister, Großbauer und Polizist (hinten v. l.) horchen zu, als Professor und Simmerl (v. l.) über die Erfindung sprechen. Foto: Dietmar Zwick

Schwandorf.Weihnachtszeit ist Theaterzeit und die Theatergruppe des Burschenvereins Neukirchen mit Mädchengruppe zog wieder die Besucher an vier Abenden und einem Nachmittag, speziell für Kinder, an. Hiermit sorgten sie stets für einen vollen Saal im Gasthaus Schärl. In dem turbulenten Schwank, einem Dreiakter „No amoi a Lausbua sei“ von Franz Schaurer ließen es die Akteure im besten Sinne ordentlich krachen und strapazierten dabei besonders die Lachmuskeln des Publikums.

Kathl Geitinger (l.) und Tante Zenta (r.) sind der Meinung, dass Simmerl krank sei. Foto: Zwick
Kathl Geitinger (l.) und Tante Zenta (r.) sind der Meinung, dass Simmerl krank sei. Foto: Zwick

Im Mittelpunkt der heiter-amüsanten Geschichte steht der Simmerl Geitinger (Josef Rester). Früher war er ein echter Lausbua und zu jedem Unfug aufgelegt. Doch als reiferer Mann hadert Simmerl mit seiner Bestimmung – und insbesondere mit seiner resoluten Ehefrau Kathl (Anne Zitzler). „Wenn dich die Weiber erst einmal in Unterhose gesehen haben, bist für sie nur noch a Witzfigur“, klagt der Bauer über den mangelnden Respekt seiner „besseren Hälfte“.

Mit der Böllerkanone das ganze Dorf erschreckt

Doch dann findet Simmerl die alte Böllerkanone seines Vaters und feuert diese immer wieder ab, dass er sogar den Namen Krachsimmerl bekam. Dies geschah jedoch sehr zum Leidwesen der Dorfbewohner, weil das laute Knallen immer alle erschreckte und schon für einen Aufruhr im Ort sorgte. Kathl traue sich deswegen schon gar nicht mehr aus dem Haus. Deshalb wollen ihm alle sein Hobby ausreden: zum einen der schrullige Bürgermeister (Wolfgang Rester) und auch der ehrgeizige Dorfpolizist (Lukas Mulzer), der inständig auf seine Beförderung hofft; und zum anderen die Erbtante Zenta (Angelika Wagner), die sich angekündigt hat.

„Wenn die kommt, da dreht sogar der Wind und macht sich auf und davon.“

Simmerl über seine Erbtante

Dazu sagt der Simmerl: „Wenn die kommt, da dreht sogar der Wind und macht sich auf und davon.“ Denn sie ist so streng und sittentreu, so dass das Küssen für sie nur vornehmlich mit dem Austausch von Krankheitserregern zu tun habe, mehr als mit Liebe und Leidenschaft. Doch der Polizist, der würde ihr schon gefallen. Einzig Simmerls Neffe Jakob (Stefan Grabinger) bringt Verständnis für seinen wunderlichen Onkel auf, der sich narrisch freut, wenn es immer wieder ordentlich kracht und knallt.

Lebendig werden die Erinnerungen an die frechen Bubenstreiche und Lumpereien, als unverhofft Simmerls alter Spezl Hans (Andreas Rebl) auftaucht. „No amoi a Lausbua sei – das wär das Höchste für mich“, schwärmt er und überredet den Bauern, mit einer List eine alte Rechnung mit Bürgermeister und Großbauer (Stefan Segerer) zu begleichen. Beide schwelgten dabei in alten Erinnerungen. Soweit so gut. Da taucht Hans als renommierter Wissenschaftler und Professor auf und erklärte allen mit wunderbarem sächsischen Dialekt, dass es Simmerl gelungen sei, ein radioaktives Geschoss zu erfinden, das unbegrenzt angewendet werden könne.

Der Burschenverein feierte heuer ein großes Fest. Hier sehen Sie Eindrücke:

Eindrücke vom Burschenfest in Neukirchen

Es könne Hagel in warmen Regen umwandeln. Darüber hinaus konnte der Simmerl mit den radioaktiven Strahlen feststellen, dass es Erdöl unter den Grundstücken gebe. Dass Simmerl eine neuartige Methode zur Hagelverhinderung erfunden habe, sprach sich wie ein Lauffeuer herum. Da ist plötzlich Simmerl ein echter Held und wird mit „Hochwohlgeboren“ und „Sehr geehrter Herr“ angesprochen.

Ein Fest für den Forscher

Bürgermeister und Großbauer wittern eine Sensation für den Ort und gehen dem vermeintlichen Professor auf den Leim. Zu Ehren des berühmtesten Sohnes der Gemeinde und seines bahnbrechenden Forscher-Erfolges wird ein großes Fest veranstaltet. In einem langen Festzug marschiert die Dorfgemeinschaft in das Haus der Geitingers ein. Der Bürgermeister überreichte Simmerl eine Urkunde, in der geschrieben stand, dass er ihm ein Haus schenke. Als Höhepunkt des Fests demonstriert Simmerl mit einer „Gedanken-Fernzündung“ seine Erfindung. Insgeheim staunt er jedoch über die Naivität seiner Mitbürger: „Es ist doch nix zu blöd, dass es nicht geglaubt wird“.

Mitwirkende

  • Die Darsteller:

    Simmerl Geitinger (Josef Rester), Kathl Geitinger (Anne Zitzler, links), Freund Hans Aigner (Andreas Rebl), Bürgermeister (Wolfgang Rester), Großbauer (Stefan Segerer), Erbtante Zenta (Angelika Wagner, rechts; Foto: Zwick), Jakob (Stefan Grabinger), Huber-Bauer (Johannes Merl), Loni Huber-Bauer (Veronika Zitzler), Stasi (Theresa Zitzler), Polizist (Lukas Mulzer), Peter (Sebastian Hauser) und als Blumenmädchen (Maria Roidl)

  • Akteure im Hintergrund:

    Als Souffleur wirkt Andreas Hirzinger, Maria Roidl und Anna Hirzinger sind für die Maske zuständig. Die Technik übernahm Stefan Roidl. (szd)

Hoch her geht es im Schlussakt. Die männerfeindliche Zenta plant ihr spätes Glück und der Huber-Bauer (Johannes Merl) stimmt der Hochzeit seiner Tochter Loni (Veronika Zitzler) mit Jakob zu, um ein Teil der berühmten Erfinder-Familie zu werden. Der Bürgermeister und der geldgierige Großbauer hingegen versumpfen im wahrsten Sinne des Wortes. Doch der Huberbauer und Peter (Sebastian Hauser) kommen den beiden auf die Schliche. Mit Hilfe der einfältigen Stasi (Theresa Zitzler) wendet sich doch noch alles zum Guten für die beiden gestandenen Mannsbilder mit ihrer „Lausbuberei“.

Für das kurzweilige, frische Spiel des Theaterensembles des katholischen Neukirchners Burschenvereins mit Mädchengruppe gab es immer wieder spontanen Szenenapplaus und am Schluss langanhaltenden Beifall. Die flotte Inszenierung war gespickt mit Wortwitz und hintersinnigem, „hochexplosiven“ Humor. Die beiden Regisseure Martin Viehauser und Michael Pirzer setzten den Schwank großartig um, und die Akteure glänzten in ihren Rollen.

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