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Kultur

Fälscher scheiterte an eigener Faulheit

Wolfgang Beltracchi narrte mit seinen Werken die gesamte Kunstszene. Beim Schwandorfer Dokumentarfilmfest „Zwickl“ stand er Rede und Antwort.
Von Thomas Göttinger

Wolfgang Beltracchi (links) erzählte mit seiner Frau Helene beim Zwickl über seine Karriere als Fälscher. Foto: Göttinger

SCHWANDORF.Wolfgang Beltracchi sitzt zusammen mit seiner Frau Helene im Foyer des ehemaligen Metropol-Kinos in der Schwaigerstraße und signiert Plakate. „W. Beltracchi“ kritzelt er schwungvoll aufs Papier. Alles in Ordnung.

Man tut bei dem Mann ja gut daran, genau hinzuschauen, mit welchem Namen er unterschreibt. Er könnte zum Beispiel als Max Ernst, Max Pechstein oder als Heinrich Campendonk signieren. Vor allem als Heinrich Campendonk. Aber das war einmal. Das ist längst Geschichte, Kunst-Geschichte, wenn man denn so böse sein will.

Während Beltracchi draußen also seinem neuen Tagwerk nachgeht, flimmert drinnen im Kinosaal sein altes über die Leinwand. „Beltracchi – Die Kunst der Fälschung“ heißt der Dokumentarfilm, den das „Zwickl“-Festival am Samstagnachmittag zeigt. Eine Kunsthistorikerin schwärmt darin gerade von jenem „Roten Bild mit Pferden“, das vor nicht allzu langer Zeit für so viel Aufregung gesorgt hat.

Was für eine Sensation war das doch: Ein bislang völlig unbekannter Campendonk! Ach was, der beste Campendonk aller Zeiten! Die junge Frau auf der Leinwand verweist auf die Unruhe, die Brüchigkeit, die sich in dem Bild finde und in der sich die Zeit vor dem ersten Weltkrieg widerspiegle. Sie weiß natürlich, dass nicht Campendonk, sondern Wolfgang Beltracchi das Werk gemalt hat. Sie hat sogar ihren Teil dazu beigetragen, das aufzuklären. Und dennoch scheint da noch immer ein verdammt großes Maß an Bewunderung in ihren Worten mitzuschwingen.

Rund 300 Bilder soll Beltracchi gefälscht und für viel Geld in Umlauf gebracht haben. Wobei, das mit dem Fälschen ist in diesem Fall relativ. Er hat nicht einfach nur nach gemalt. Beltracchi hat neue Werke großer Künstler der Moderne geschaffen, vermeintliche oder tatsächliche Lücken ihres Oeuvres gefüllt und damit die Kunstszene genarrt, wie kaum jemand vor ihm.

Wie war das nur möglich?, will „Zwickl“-Chefin Anne Schleicher nach dem Film von ihm wissen. „Ganz einfach“, antwortet er, „die Bilder waren einfach so gut!“ Waren sie tatsächlich. Hätte er nicht – aus Faulheit, wie er selbst sagt – im „Roten Bild mit Pferden“ statt wie sonst ein selbst zusammengemischtes Weiß und nicht Titanweiß aus der Tube verwendet – das Ganze wäre vielleicht nie aufgeflogen. Dummerweise hat ein Kunsttechniker einen Partikel dieses Titanweiß in dem Bild entdeckt, ein Titanweiß, das es zur Zeit Campendonks noch nicht gab.

Helene Beltracchi, im Wesentlichen für den Vertrieb der Bilder zuständig, wird in ihrer Antwort da schon grundsätzlicher. Sie verweist darauf, dass der Kunstmarkt letztlich auch nur ein Markt sei wie jeder andere. Und darauf, dass auf diesem Markt vor allem Illusionen gehandelt würden. Wohl wahr.

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