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Region Schwandorf
Montag, 24. September 2018 13° 2

Bahnverkehr

Fahrdraht und Barrierefreiheit

Der Projektbeirat für den Ausbau der Naabtalstrecke tagte erstmals. Die lange Planungszeit ist nicht das einzige Problem.
Von Reinhold Willfurth

  • Bis ein Intercity-Zug unter Fahrdraht auf einem barrierefreien Oberpfälzer Bahnsteig hält, wird es noch Jahre dauern.Foto: dpa
  • Bahn-Projektleiter Robert HanftFoto: Willfurth

Schwandorf. Die Bahn sucht den Kontakt zu den Betroffenen in der Region: Der Koordinierungsrat für die Elektrifizierung der 180 Kilometer langen Strecke Hof-Regensburg traf sich am Mittwoch zum ersten Mal. Im Sitzungssaal des Schwandorfer Rathauses erhielten die 20 ausgewählten Bürgermeister, Landräte und Vertreter von Bürgerinitiativen Informationen aus erster Hand: Robert Hanft, Projektleiter für den Bahnausbau in Nordbayern, und Klaus-Dieter Josel, Bahn-Bevollmächtigter in Bayern, stellten die einzelnen Schritte des mit 800 Millionen Euro größten Infrastrukturprojekts der Oberpfalz vor.

Grünen-Fraktionsvorsitzender Anton Hofreiter (M.) erläuterte, warum es so langsam vorwärtsgehe beim Ausbau der Bahn. Der Grünen-Kreisverband bereitete ihm einen großen Bahnhof.Foto: Willfurth
Grünen-Fraktionsvorsitzender Anton Hofreiter (M.) erläuterte, warum es so langsam vorwärtsgehe beim Ausbau der Bahn. Der Grünen-Kreisverband bereitete ihm einen großen Bahnhof.Foto: Willfurth

Was die Ratsmitglieder nicht bekamen, war ein Zeitplan. Und das aus gutem Grund, wie Projektleiter Hanft und Bahn-Sprecher Franz Lindemair im Gespräch mit der Mittelbayerischen erläutern. Denn nur wenn einer der neun Schritte von der Grundlagenermittlung bis zur Inbetriebnahme abgeschlossen sei, könne man eine seriöse Prognose über den zeitlichen Ablauf des nächsten Schritts treffen. Und beim Ausbau von Regensburg-Hof sei man gerade einmal bei Schritt eins.

Nadelöhr Genehmigungsamt

Toni Hofreiter, Vorsitzender der Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen im Bundestag, liefert bei seinem Kurzbesuch in Schwandorf am Mittwochnachmittag drei weitere Gründe, warum es so langsam vorwärtsgeht beim Streckenausbau: „Eine verschnarchte Bahn, drei desinteressierte CSU-Verkehrsminister hintereinander und viel zu wenig Personal bei der Genehmigungsbehörde, dem Eisenbahnbundesamt“. In der Tat setzen auch erfahrene Bahn-Leute ein Fragezeichen hinter die für den Ausbau von Regensburg-Hof nötige Planfeststellung durch die Bundesbehörde. MdB Stefan Schmidt, der die Grünen im Projektbeirat vertritt, rechnet denn auch mit „mindestens zehn Jahren“, bis ein Zug unter Fahrdraht durch die Oberpfalz rollt.

Betroffene vor Ort beteiligen

  • Der Plan:

    Die Elektrifizierung der Bahnstrecke Regensburg-Hof wurde 2016 in die höchste Dringlichkeitsstufe des Bundesverkehrswegeplans aufgenommen.Die ertüchtigte, gut 180 Kilometer lange Strecke ist Teil des „Ostkorridors Süd“ von den deutschen Seehäfen nach Südosteuropa. Sie soll die Güterverkehrsstrecken via Rheintal und Fulda-Würzburg entlasten.

  • Der Rat:

    Der Koordinierungsrat für die Elektrifizierung besteht aus rund 20 Vertretern der Bahn, von Mandatsträgern aus der Region und Mitgliedern von Bürgerinitiativen. Das Gremium tagte am Mittwoch erstmals in Schwandorf und soll künftig zweimal in Jahr zusammentreten. Damit sollen alle Betroffenen vor Ort frühzeitig in alle Fragen des 436 Millionen Euro teuren Projekts eingebunden werden.

Die Mitglieder des Kreisverbands der Grünen, die Hofreiter am Bahnhof erwarten, müssen gut zu Fuß sein. Der Zug aus Amberg fährt leidlich pünktlich ein, aber heute mal auf einem anderen Gleis. Nicht auszudenken, wenn man jetzt noch mit Kinderwagen, auf Krücken oder im Rollstuhl unterwegs wäre. Die fehlende Barrierefreiheit auf den Bahnhöfen nicht nur in der Region ist eines der Themen, die Hofreiter umtreiben. Das bayerische Innenministerium habe versichert, dass die Barrierefreiheit in den Bahnhöfen Schwandorf, Amberg und Weiden „höchste Priorität“ habe, sagte dazu MdL Jürgen Mistol. Dumm nur: „Das war 2006. Seitdem ist nichts passiert“. Keine Silbe sei auch in Markus Söders Regierungserklärung von dem zu hören gewesen, was sein Vorgänger Horst Seehofer 2008 mit „Bayern barrierefrei 2020“ propagiert habe.

„Zentrum der Mobilität“ in spe

Hofreiter entwarf seine Vision vom Bahnhof als „Mobilitätszentrum der Zukunft“ mit sicheren Abstellplätzen für Zweiräder, perfekten Anschlüssen zum Bus (oder zum gemieteten Elektroauto), mit einem einzigen Ticketsystem für alle Optionen. Um die Mittel für diesen Umbau ist ihm nicht bange: „Das Geld dafür ist da!“ Die CSU-Verkehrsminister aber versenkten Abermilliarden in Straßenbauprojekte.

Mit der Entscheidung des vormaligen Verkehrsministers Alexander Dobrindt (CSU), die ertüchtigte Bahnstrecke durch das Naabtal mit umfassendem Lärmschutz zu versehen, waren nach Beobachtung von Robert Hanft immerhin alle Mitglieder des Projektrats zufrieden. Nach massivem Druck aus der Region hatte Dobrindt im September seine Einzelfallentscheidung verkündet. Ohnehin werde der Nutzen der Elektrifizierung mögliche Schäden für die Region bei weitem übertreffen, sagt Franz Lindemair. Das reiche von der besseren Anbindung der regionalen Güterverkehrszentren über die umweltfreundliche E-Traktion bis hin zum Anschluss an den lange vermissten Fernverkehr der Deutschen Bahn. Die Bahn hat bereits angekündigt, nach der Elektrifizierung eine Intercity-Verbindung von München nach Dresden einzuführen – mit Halten in Schwandorf und Weiden. MdB Karl Holmeier (CSU), ebenfalls Mitglied im Projektbeirat, will das Problem des behördlichen Genehmigungs-Nadelöhrs mit einem Eisenbahn-Beschleunigungsgesetz lösen, mit dem die Genehmigungsbehörden unter anderem mit mehr Fachleuten asugestattet werden sollen. Holmeier nennt im MZ-Gespräch „2025 bis 2030“ als Geburtsjahr des elektrifizierten Bahnverkehrs in der Oberpfalz.

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