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Brauchtum

Fasten kann schwierig werden

Schokolade, Alkohol oder Fernsehen: Viele Nittenauer üben in der Fastenzeit den Verzicht. Ein Geistlicher muss tricksen.
Von Philipp Seitz

In der Fastenzeit verzichten die Deutschen laut einer repräsentativen Umfrage am liebsten auf Süßigkeiten. Astrid Seitz kann das nicht. Foto: Archiv
In der Fastenzeit verzichten die Deutschen laut einer repräsentativen Umfrage am liebsten auf Süßigkeiten. Astrid Seitz kann das nicht. Foto: Archiv

Schokolade ist für Astrid Seitz das tägliche Brot

Laut einer repräsentativen Forsa-Umfrage führen Süßigkeiten die deutsche Fasten-Hitliste in der Fastenzeit an. Für Konditorin Astrid Seitz aus Taxöldern wäre ein Schokoladenverzicht undenkbar: „Das ist mein täglich Brot und geht in meinem Beruf gar nicht.“ Sie müsse regelmäßig ihre Pralinen probieren, damit geschmacklich alles passt. In der Fastenzeit nimmt sie sich aber vor, auf Alkohol zu verzichten. „Zur Brotzeit gibt es in diesen Tagen halt kein Radler“, sagt Seitz. Es gelinge weitestgehend, aber nicht immer, dieses Vorhaben auch in die Tat umzusetzen, gesteht sie.

Lesen Sie mehr: Mehr als die Hälfte der Deutschen hält es einer repräsentativen Umfrage zufolge für eine gute Idee, in der Fastenzeit auf ein bestimmtes Genussmittel oder Konsumgut zu verzichten.

Brucks Bürgermeister Hans Frankl achtet auf die Ernährung

Ein religiöses Ritual habe er in der Fastenzeit nicht, verrät Brucks Bürgermeister Hans Frankl. Er sei sowieso jemand, der gerne Fastenspeisen esse.
Ein religiöses Ritual habe er in der Fastenzeit nicht, verrät Brucks Bürgermeister Hans Frankl. Er sei sowieso jemand, der gerne Fastenspeisen esse.

Ein religiöses Ritual habe er in der Fastenzeit nicht, verrät Brucks Bürgermeister Hans Frankl. Er sei sowieso jemand, der gerne Fastenspeisen esse. In der Fastenzeit achte er darauf, etwas mehr Fisch zu essen. Ansonsten halten sich seine Vorsätze aber in Grenzen. „Ich habe schon seit über einem Jahr für mich das Ziel aufgestellt, zu fasten, mehr Körnerbrot zu essen und fast ausschließlich Wasser zu trinken.“ Vor zwei Jahren sei er gesundheitlich angeschlagen gewesen, was ihn auch geprägt habe. „Ich verstehe die Menschen, dass sie bis Ostern fasten“, betont Frankl. „Das tut bestimmt den Körper und dem Geist gut.“ Danach sollte man sich aber schon ab und an etwas gönnen.

Pfarrer Schöls muss tricksen, um seine Vorsätze zu erfüllen

Pfarrer Schöls muss tricksen, um seine Vorsätze zu erfüllen. Foto: Herzog
Pfarrer Schöls muss tricksen, um seine Vorsätze zu erfüllen. Foto: Herzog

Der ein oder andere Nittenauer wird Pfarrer Schöls beim Fischbacher Starkbierfest schon verwundert angesehen haben. Gut gelaunt hob der Geistliche immer wieder seinen Steinkrug und prostete den Gästen munter zu. Danach stieg der Geistliche ins Auto und fuhr zurück nach Nittenau. Ein Verkehrsverstoß war das aber nicht. Seit seinem 18. Lebensjahr verzichtet der Geistliche in der Fastenzeit auf Alkohol. „Das Schwierigste ist immer das Starkbierfest“, gibt Schöls unumwunden zu. Er müsse da immer etwas tricksen. Einigen ist das aufgefallen. Stadtrat Albert Herzog etwa. „Pfarrer Schöls hatte gar kein Bier im Krug“, sagt der CSU-Rat. Das gibt auch der Nittenauer Seelsorger zu: „In meinem Krug war Limo. Ich habe immer ‚Prost, Prost‘ gesagt und die Leute werden sicher gesagt haben, der trinkt ganz schön viel Alkohol“. Beim Starkbierfest in Nittenau habe er seinen Krug an einen Ministranten weitergegeben, schließlich müsse er sich an seinen Fastenvorsatz halten. Er habe auch noch nie ein Starkbier getrunken. „Nachdem ich das seit dem 18. Lebensjahr mache, ist das ein Ansporn, es durchzuziehen.“

„Das Schwierigste ist immer das Starkbierfest.“

Adolf Schöls, Stadtpfarrer in Nittenau

In der Fastenzeit verzichtet Schöls auch auf Süßigkeiten, wie Schokolade und Kuchen. Ein schwieriges Vorhaben, insbesondere bei den vielen Terminen. Auf Diät sei er aber nicht: „Ich habe bislang noch nicht abgenommen.“ Auslegungssache ist das mit dem Alkohol aber schon: In der Messe ist im Kelch ja weiterhin Wein, denn der Pfarrer auch trinkt. „In der heiligen Messe wird der Wein aber in das Blut Christi gewandelt“, erklärt Pfarrer Schöls. Also dann kein Verstoß gegen den Fastenvorsatz.

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Josef Jakob wünscht sich ein Umdenken der Gesellschaft

Josef Jakob wünscht sich ein umdenken der Gesellschaft. Foto: Archiv/ht
Josef Jakob wünscht sich ein umdenken der Gesellschaft. Foto: Archiv/ht

Der Nittenauer Gastronom und Hotelier Josef Jakob hat sich über Fastenvorsätze keine Gedanken gemacht. „Dafür habe ich zu wenig Zeit.“ Er hätte lieber Wünsche an die Gesellschaft ganz allgemein: „Wir leben in einer verrückter werdenden Welt. Es bräuchte mehr Bescheidenheit und Zufriedenheit.“

Karl Bley kann seinen Vorsatz nur teilweise umsetzen

Karl Bley kann seinen Vorsatz nur teilweise Umsetzen. Foto: Archiv/sl
Karl Bley kann seinen Vorsatz nur teilweise Umsetzen. Foto: Archiv/sl

Nittenaus Bürgermeister Karl Bley hat sich vorgenommen, in der Fastenzeit nach 18 Uhr nichts mehr zu essen und auf Süßigkeiten zu verzichten. „Ich habe mir vorgenommen, mich bewusster zu ernähren und wirklich eine ernsthafte Fastenzeit durchzuziehen“, sagt das Nittenauer Stadtoberhaupt. Doch das ist leichter gesagt, als getan. „Ich habe schon gegen meine Vorsätze verstoßen“, gibt Bley zu. Das lasse sich als Bürgermeister nicht vermeiden, wenn bei einer Veranstaltung oder einem Geburtstag alle Gäste essen.

Erika Rettinghausen übt in der Fastenzeit das Verzichten

Erika Rettinghausen übt in der fastenzeit das verzichten.
Erika Rettinghausen übt in der fastenzeit das verzichten.

Für die Vorsitzende des Nittenauer Frauenbundes, Erika Rettinghausen, ist der Verzicht in der Fastenzeit beinahe schon etwas Normales. Seit vielen Jahren hat sie sich in diesen Tagen das Ziel gesetzt, auf ganz normale „Besonderheiten“, wie sie sagt, zu verzichten. Darunter zählt etwa der Kinobesuch oder ein gutes Essen. „Das ist auch ein Stück Selbstbeachtung in dieser besonderen Zeit“, sagt Rettinghausen. Der Frauenbund nutzt die Zeit auch für einen Einkehrtag. An diesem Samstag treffen sich die Damen im Schönstattzentrum, um gemeinsam mit Pfarrer Adolf Schöls über Zugehörigkeit zu sprechen. Fasten in der Fastenzeit sei aber nicht mehr unbedingt im Trend, sagt Rettinghausen. In ihrer Familie sei sie die einzige, die versuche, einen Fastenvorsatz in die Tat umzusetzen. Laut einer DAK-Studie hat jeder zweite Deutsche schon einmal über längere Zeit hinweg gezielt versucht, Genussmittel oder Konsumgüter zu meiden.

Mittlerweile gibt es verschiedene Formen, wie Menschen während der Fastenzeit den persönlichen Verzicht gestalten. Bistumssprecher Jakob Schötz nennt mögliche Beweggründe dafür:

Eine innere Suche

  • Bedeutung:

    Durch die 40-tägige Fastenzeit vereint sich die Kirche jedes Jahr mit dem Mysterium Jesu Christi in der Wüste. „Fasten ist neben Beten und Almosengeben einer der drei Formen der inneren Buße“, erklärt der Sprecher des Bistums, Jakob Schötz.

  • Sinn:

    Beim Fasten geht es laut Schötz nicht um das Abnehmen im Sinne einer Diät, sondern um die innere Einkehr. In dieser Zeit soll sich der Mensch auf das Wesentliche konzentrieren. Eigene Lebensentwürfe prüfen oder diese auch korrigieren. Es ist auch der Versuch, Gottes Willen zu erkennen.

  • Einkehr:

    „Wer sich von seinen eigenen Bedürfnissen losmacht, schärft seinen Blick für andere Menschen“, betont Schötz.

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