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Fastengottesdienst mit Pfarrer Hirmer

Michael Hirmer aus Teublitz veröffentlicht immer samstags seine Sonntagsgedanken in der MZ. Heute geht es um Auferstehung.
von Pfarrer Michael Hirmer

Pfarrer Michael Hirmer vor dem verhüllten Kreuz Foto: Pfarrei Teublitz
Pfarrer Michael Hirmer vor dem verhüllten Kreuz Foto: Pfarrei Teublitz

Schwandorf.Wenn ich bei einer Beerdigung an einem Grab stehe, dann ist das mehr als nur ein Loch, das in den Boden gegraben wurde. Das eigentliche Grab reicht tiefer. Es ist das Loch, das im Leben entsteht, wenn ein geliebter Mensch von der Seite geht. Der Tod hinterlässt eine Lücke im Leben. Der Tod eines lieben Menschen gräbt sich in Herz und Seele ein. Ein inneres Grab tief in mir entsteht.

Aber da gibt es noch andere Gräber. Ich denke da einen jungen Mann, der vor dem Grab seiner Depression steht. Tief ist dieses Loch seiner Psyche, in das er oftmals fällt. Eine andere steht vor dem Grab ihrer Alkoholsucht. Diese Frau kam von dort auch im dritten Anlauf nicht heraus. Gräber von Krankheit und Abhängigkeit gibt es viele. Dann wiederum schaufeln wir uns unsere eigenen Gräber.

„Wie oft sind wir unfähig zu vergeben.“

Pfarrer Michael Hirmer

Tiefe Gräben werden aufgerissen durch Intoleranz und Egoismus. Wie oft sind wir unfähig zu vergeben. Lieber verharren wir im Grab unseres Hasses oder unserer engen Denkweisen. Gerne vergraben wir uns selbst unter einer dicken Schicht von Selbstmitleid. Wir verstecken uns hinter Masken, die unsere Seelen und Herzen verhüllen.

Gerne weinen Menschen am Grab ihrer verlorenen Möglichkeiten und verpassten Chancen: „Ach hätte ich damals nur…“. Und ich stehe manchmal vor dem Grab meiner eigenen Unzulänglichkeit. Die eine oder andere charakterlichen Schwäche ließ mich schon tief ins Grab meiner eigenen Erbärmlichkeit fallen.

Den Gottesdienst zu diesen Sonntagsgedanken hat Pfarrer Hirmer für Sie aufgezeichnet:

Ein Fastengottesdienst zum Mitfeiern

Liebe Leserinnen und Leser: Kennen Sie die Gräber ihres Lebens? Wissen Sie um ihre Abgründe und Gefangenheit? Wo stehen Sie vor einem großen Loch im Leben? Wo erkennen Sie es im Leben eines anderen?

An einem Grab stehen auch die engen Freunde Jesu im Evangelium des fünften Fastensonntags. Lazarus, ein guter Freund Jesu ist tot. Seine beiden Schwestern Marta und Maria trauern um ihn. Auch Jesus ist erschüttert und weint um seinen besten Freund. Mitten im Leben sind diese Menschen umfangen vom Tod. Dieser verändert viel. Das gewohnte Leben verändert sich angesichts Todes eines lieben Angehörigen. Auch Marta, Maria und Jesus stehen vor einem Loch, das der Tod des geliebten Bruders und Freundes hinterlassen hat.

Gottesdienst und Brauchtum

  • Brauchtum:

    Traditionell werden an diesem fünften Fastensonntag in den Kirchen die Kreuze verhüllt. Dies ist ein Symbol dafür, dass ich in meinem Leben Gott manchmal nicht mehr sehen kann. Vieles verhüllt meinen Blick auf Gott. Bequemlichkeit und die Sorglosigkeit des Reichtums, harter Schicksalsschläge und persönliches Leid oder auch vieles andere mehr. Am Karfreitag wird das Kreuz dann wieder enthüllt werden. Ein Zeichen dafür, dass wir Christen auf einen mitleidenden Gott blicken, der uns kennt und liebt, selbst dann, wenn ich meine, Gott sei weit weit weg von mir.

  • Zum Mitfeiern zu Hause

    Lesungen: Ez 37,12b-14; Röm 8, 8-11; Evangelium: Joh 11, 1-45; Gotteslob-Lieder: 270, 518, 294, 734, 743, 297, 365.

  • Hoffnungszeichen

    Wenn es nach dem Winter wieder zu grünen beginnt, sind es die Palmkätzchen an den Weiden, die als erstes den Frühling ankündigen. Zu einem Palmbuschen gebunden und ans Kreuz gehängt künden sie von einem ganz anderen Leben, das Christus schenkt. Basteln Sie sich in der kommenden Woche so einen Buschen und hängen ihn am Palmsonntag zu Hause ans Kreuz.

Was dann aber passiert, kann ich Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, naturwissenschaftlich nicht erklären: Jesus ruft den toten Lazarus aus seinem Grab heraus. Aber ich habe eine Erklärung für mich gefunden, die mir Trost und vor allem Hoffnung schenkt. Eine Erklärung aus meinem Glauben heraus. Jesus geht es nicht darum, ein cooler Magier zu sein, der Naturgesetze unterbricht. Es geht ihm vielmehr darum zu zeigen, wie der Glaube an Gott Gräber öffnen kann.

„Gott ist einer, der herausholen und befreien will aus den Gräbern unseres Lebens.“

Pfarrer Michael Hirmer

Jesus verkündet einen Gott, der nicht bei den Gräbern der Menschen stehenbleiben will. Gott ist einer, der zum Leben ruft. Gott ist einer, der herausholen und befreien will aus den Gräbern unseres Lebens. Das zeigt Jesus heute im Evangelium ganz plastisch und eindrücklich. Er ruft Lazarus und der kommt aus dem Grab des Todes heraus. Er ruft aber auch Marta und Maria aus dem Grab ihrer Trauer heraus. Er schenkt Trost und Hoffnung und Leben!

Kirche

Glauben in Zeiten von Corona

Der Teublitzer Pfarrer greift zu ungewöhnlichen Maßnahmen: Online-Gottesdienst und Straßenspaziergang mit Segnung

Lieber Leserinnen und Leser! Hören Sie Christus rufen? Hören Sie, wie Jesus Sie aus den Gräbern Ihres Lebens herausruft? Können Sie seine Stimme in ihrem Herzen hören, die zu Ihnen sagt: „Komm heraus!“ Komm heraus aus dem Grab deiner Eitelkeit. Komm heraus aus dem Grab deiner Angst. Komm heraus aus dem Grab deines Egoismus und deiner Intoleranz. Komm heraus aus dem Grab deiner künstlichen Fassaden, deines Hasses und deiner Trauer. Komme heraus und lebe!

Liebe Leserinnen und Leser! Auferstehung ist nicht nur das, was uns nach dem Tod erwartet. Auferstehung ist eine Wirklichkeit, in der wir uns jetzt und hier schon bewegen können. Diese Wirklichkeit der Auferstehung erfahre ich tagtäglich ganz konkret in meinem Leben. Da ist Josefine, die am Grab ihres Mannes voller Trauer stand. Doch im Glauben hat sie erfahren, dass ihr Mann bei Gott geborgen ist und lebt. Gemeinsam mit Michaela veranstaltet sie jetzt regelmäßig ein „Café für Trauernde“.

Glaube

Ein Gottesdienst zum Mitfeiern

Pfarrer Michael Hirmer aus Teublitz veröffentlicht immer samstags seine Sonntagsgedanken in der MZ. Heute startet die Reihe.

Da ist Marcell, der depressiv veranlagt ist. Im Glauben hat Marcell erfahren, dass er wertvoll ist und geliebt wird. Das ist für mich Auferstehung jetzt und hier. Und da ist noch dieser Mann, den ich noch nie gesehen habe, aber der regelmäßig dasselbe bei mir beichtet. Bei der letzte Beichte meinte er stolz: „Herr Pfarrer, durch das Gebet, das sie mir jedes Mal mitgeben, bin ich schon ein ganz klein wenig ruhiger geworden.“

„Fastenzeit heißt, seine inneren Ohren zu öffnen für den Anruf Christi, der uns schon jetzt zum Leben ruft.“

Pfarrer Michael Hirmer

Ist für Sie Auferstehung schon jetzt eine Wirklichkeit in Ihrem Leben? Haben Sie, liebe Leserinnen und Leser, es schon einmal selbst erfahren, dass der Glaube an Gott Sie aus einem Ihrer Gräber geholt hat? Fastenzeit heißt, seine inneren Ohren zu öffnen für den Anruf Christi, der uns schon jetzt zum Leben ruft: „Komm heraus und lebe!“

Um Jesu Ruf in meinem Leben hören können, ist für mich das tägliche Gebet am Abend wichtig geworden. Ich setze mich still hin, denke über den Tag nach und lege ihn dankbar in Gottes Hände. Gerade in dieser Krisenzeit, in der die Angst vor dem Coronavirus so manches innerliche Grab geschaufelt hat, tut es mir gut im stillen Gebet, Christus in meinem Leben zu entdecken, der auch zu mir sagt: „Ich bin die Auferstehung und das Leben.“

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