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Übung

Fliegende Retter in der Not

Einsatzkräfte der Bergwacht-Regionen Bayerwald und Fichtelgebirge zeigten bei Teunz ihr Können. Notfälle wurden nachgestellt.
Von Renate Ahrens

Rettung am Felsen ist Millimeterarbeit: An einer Außenwinde wird der Verletzte hochgezogen. Foto: Ahrens
Rettung am Felsen ist Millimeterarbeit: An einer Außenwinde wird der Verletzte hochgezogen. Foto: Ahrens

Teunz.Der Wetterumschwung kam ganz plötzlich. Heftiger Regen prasselte herab, es donnerte. Der Blitz traf den jungen Mann bei seiner Wanderung ganz unvermittelt. Dieses Unglück ist kürzlich in Spitzing tatsächlich so passiert, erzählt Armin Leuchter, Verantwortlicher der Luftrettung der Region Bayerwald. Zum Glück waren bald die Kameraden von der Bergrettung - alles Ehrenamtliche - mit einem Hubschrauber in dem unwegsamen Gelände vor Ort und holten den Schwerverletzten.

Szenarien wie diese kommen immer wieder vor und müssen geübt werden. Denn die Anforderungen für Bergretter seien hoch, wie auch die physischen und psychischen Belastungen. Schließlich ist die Lage meist dramatisch, wenn ein Hubschrauber anfliegt. Da heißt es Ruhe bewahren. Jährlich nehmen die Bergwacht-Rettungskräfte ein Simulationstraining im neuen, elf Millionen teuren Zentrum für Sicherheit und Ausbildung der Bergwacht Bayern in Bad Tölz teil. Doch das Üben im Echtflugbetrieb sei unerlässlich, betont Leuchter. Die Geräuschkulisse sei hier anders, der Wind bläst stärker. Solche Übungen finden nicht nur im Hochgebirge statt, sondern am Freitag auch am Wildstein bei Teunz.

Kräfte haben viel Verantwortung

Am Boden wird der „Verletzte“ versorgt. Foto: Ahrens
Am Boden wird der „Verletzte“ versorgt. Foto: Ahrens

An drei Stationen an den Felsen rund um die Burgruine üben zwölf Einsatzkräfte der Bergwacht-Regionen Bayerwald und Fichtelgebirge, außerdem fliegendes Personal der Polizeihubschrauberstaffel Roth und ein Notarzt. Immer wieder kreist der Hubschrauber über den angeblichen Unglücksort, nimmt einen „Verletzten“ auf und fliegt wieder ab. Heute seien die Wetterverhältnisse sehr gut, es herrsche auch kein Wind, wird Pilot und Hauptkommissar Sebastian Illini später am Boden erklären. Der 35-Jährige, der in Roth stationiert ist, hat nach seiner Ausbildung im gehobenen Dienst vor neun Jahren ein eineinhalbjähriges Pilotentraining absolviert.

Ein Video von der Übung sehen Sie hier:

Luftretter probten den Ernstfall.

Rettungseinsätze zu fliegen seien immer eine Herausforderung, sagt er. Schließlich geht es ums Überleben der Verunglückten, aber auch um die Sicherheit der Besatzung und der Rettungskräfte am Boden. Der Pilot, der mit dem Hubschrauber über dem Einsatzort kreist, sehe schließlich nicht, was unter ihm passiert. Er müsse sich blind auf den Flugtechniker verlassen, der ihm die Situation beschreibt und ihn anweist - anhand von Handzeichen, die die Rettungskräfte am Boden nach oben geben. „Es ist eine große Verantwortung, die wir alle haben.“ Dieses Zusammenspiel müsse trainiert werden. Gerade wird ein angeblich Verletzter im Bergesack, also der Trage, an der Außenwinde hochgezogen, der Hubschrauber steht dabei in der Luft.

6000 Einsätze bayernweit

„Hubschrauber sind ein nicht wegzudenkendes Rettungsmittel“, erklärt Leuchter, der seit 35 Jahren neben seiner Tätigkeit als Polizeibeamter bei der Bergwacht tätig ist, ebenfalls ehrenamtlich. Zu 6000 Einsätzen werden er und seine Kameraden bayernweit gerufen. In diesen 35 Jahren habe sich viel verändert, sagt er - die Anforderungen sind größer geworden, und auch das Niveau. „Das bringt aber einen nicht unerheblichen Aufwand und auch ein Risiko mit sich.“

Das sind die Aufgaben und Einsatzfelder der Retter aus der Luft:

Eine Herausforderung

  • Aufgabe:

    Die ehrenamtlichen Bergretter werden zu Einsatzorten gerufen, die schwer zugängig und unwegsam sind. Das stellt eine besondere Herausforderung dar, wie eine langwierige Anfahrt. Meist ist das Gelände steil, alle Beteiligten sind der Witterung ausgesetzt und die notfallmedizinische Versorgung von Patienten ist besonders schwierig. Der Pilot kreist über dem Unglücksort und ist auf die Anweisung des Flugtechnikers und der Rettungskräfte am Boden angewiesen.

  • Einsätze:

    Dennoch erwarten Patienten zeitnah eine fachgerechte Behandlung, die dem Stand der Technik und der Notfallmedizin entspricht. So rettet die Bergwacht in den Frühjahrs- und Sommermonaten überwiegend Wanderer, Bergsteiger und Gleitschirmflieger. In den Wintermonaten konzentrieren sich die Einsätze stark auf Wintersportler und die Lawinenrettung. Ganzjährig führt die Bergwacht Luftrettung und Seilbahn-Evakuierung durch.

Gespant verfolgen die Kameraden die Übung. Foto: Ahrens
Gespant verfolgen die Kameraden die Übung. Foto: Ahrens

Leuchter kritisiert die „Halbschuhtouristen“, die auf unwegsamem Gelände oft ohne entsprechende Ausrüstung wie Regenschutz oder Getränken unterwegs seien, manchmal sogar in Badeschlappen. „Auch die Witterung wird oft unterschätzt.“ Häufig sind es leichtsinnige Radfahrer, die in bergigem Gelände verunglücken. „E-Bikes sind schwer. Bergauf geht es noch problemlos, doch die meisten Unfälle passieren beim Bergabfahren, denn ein E-Bike geht nicht leicht zu bremsen.“

„Viele Touristen unterschätzen Umschwünge des Wetters, die sehr schnell und sehr massiv kommen können.“

Armin Leuchter, Verantwortlicher Luftrettung Bayerwald

Die Umstände, die Bergretter bei Einsätzen ausgesetzt sind, seien oft extrem. Im unwegsamen Gelände müssen sie zudem hin und wieder zu Fuß eine längere Strecke überwinden, mit schwerer Rettungsausrüstung im Rucksack und bei jedem Wetter.

Notarzt Gregor Vizetum hilft in oft unwegsamem Gelände. Foto: Ahrens
Notarzt Gregor Vizetum hilft in oft unwegsamem Gelände. Foto: Ahrens

Solche Einsätze hat auch Margit Güll oft erlebt. Die 51-Jährige aus Nabburg war eine der ersten Frauen, die zur Bergwacht zugelassen wurden. Das war nämlich erst ab dem Jahr 1994 der Fall. Seitdem ist sie bei der Bergwacht Schönsee tätig, die für den ganzen Landkreis Schwandorf zuständig ist. Rund 15 bis 20 Einsätze im Jahr haben sie hier, sagt Dieter Güll, ihr Ehemann und der Bereitschaftsleiter in Schönsee. Oft seien es Forstarbeiter, die sich verletzen - in den Wald könnten Feuerwehr- oder Rettungsfahrzeuge meist jedoch nicht fahren, deshalb wird die Bergwacht gerufen. Hier käme dann auch oft ein Hubschrauber zum Einsatz.

Nie wird Margit Güll eine Vermisstensuche vor einigen Jahren vergessen, erinnert sie sich. Lange hatte man einen Tschechen, der sich verirrt und bereits Ausfallerscheinungen gezeigt hatte, in einem großen Waldstück gesucht - und schließlich wohlbehalten gefunden. „Die Bergwacht ist eine leistungsstarke Organisation mit einem komplexen System“, betont Leuchter. „Man erwartet und bekommt von uns eine professionelle Rettung.“

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