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Region Schwandorf
Samstag, 26. Mai 2018 25° 2

Konflikt

Förster bremsen Kahlschlag

Staatliches Forstamt stellt Vorbereitungsarbeiten für neue Kiesabbaufläche in Klardorf ein – bis eine Genehmigung vorliegt.
Von Reinhold Willfurth

  • Vorerst geht nichts mehr auf dem Gelände des geplanten „Kiesabbaugebiets Ost“ nördlich von Klardorf. Foto: Zwick
  • Ein Harvester der Waldbesitzervereinigung Nabburg-Burglengenfeld hat bis Freitag bereits gut ein Hektar Bäume gefällt. Foto: Zwick
  • Andreas WeinmannFoto: Archiv

Schwandorf. Andreas Weinmann traute seinen Augen nicht, als er vergangene Woche in dem Wald zwischen dem Klardorfer „Südsee“ und der Eisenbahnlinie Regensburg-Hof spazierenging: Ein Harvester hatte in dem Waldgebiet ganze Arbeit geleistet. Die Holzerntemaschine hatte großflächig Bäume abrasiert – ausgerechnet auf einer Fläche, die ein Unternehmer aus dem Landkreis als Kiesabbaugebiet erkoren hatte, für das es allerdings noch keine Genehmigung gibt.

Weinmann, SPD-Stadtrat aus Klardorf, deutet den Kahlschlag als Beginn der Rodungsarbeiten für das gewünschte Abbaugebiet und damit als illegalen Akt. Denn für den Antrag des Unternehmens liege kein Genehmigungsbescheid vor. Weinmann wandte sich an das Landratsamt und erhielt dort die Auskunft, dass der notwendige Planfeststellungsbeschluss tatsächlich noch nicht vorliege. Am Freitag ließ das Amt für Landwirtschaft und Forsten die Fällarbeiten kurzerhand einstellen – bis das Genehmigungsverfahren abgeschlossen ist. Der Harvester der Waldbesitzervereinigung (WBV) Nabburg-Burglengenfeld musste wieder abrücken.

„Vollendete Tatsachen“


Andreas Weinmann, der sich wie andere Klardorfer Bürger seit Bekanntwerden der Pläne vor zwei Jahren vehement gegen ein neues Kiesabbaugebiet wehrt, vermutet, dass mit dem Kahlschlag vollendete Tatsachen geschaffen werden. „Der Waldverlust ist eines unserer zentralen Argumente gegen den Antrag auf Kiesabbau. Wenn der Wald weg ist, weil er beispielsweise gerodet wurde, fällt auch das Argument weg“, teilt der Stadtrat mit. Die Rodungsaktion sei „eine Provokation für alle Klardorferinnen und Klardorfer, die gegen das geplante Vorhaben sind. Sie werden mit dieser Aktion vor den Kopf gestoßen“, so Weinmann weiter. „Ein unglaubliches Verhalten“ sei das.

Hans Prechtl, Sprecher des Landratsamts, bestätigte auf Anfrage der Mittelbayerischen, dass der Planfeststellungsbeschluss für das Vorhaben noch ausstehe. Allerdings müssten zuerst die Zuständigkeiten geklärt werden, bevor über eventuelle Maßnahmen entschieden werde. Wenn die Abholzung Belange des Naturschutzes betreffe, sei das Landratsamt zuständig. Gehe es um die Frage, ob die Abholzung lediglich eine „Waldbewirtschaftung“ darstelle oder einen Kahlschlag mit Rodung und Entfernung der Wurzelstöcke, trete das Amt für Landwirtschaft und Forsten auf den Plan, sagt Amtsleiter Reinhold Witt. Infrage käme zum Beispiel eine Funktion als Klimawald oder zur Verhinderung von Erosion. „Uns ist daran gelegen, dass der Wald seine Funktion erfüllen kann“, so Witt.

Waldrecht contra Baurecht


Am Freitag machten sich Amtsvize Alwin Kleber, der den Bereich Forsten leitet, und der zuständige Förster Reinhold Weigert auf den Weg nach Klardorf, um diese Fragen zu erörtern. Das Ergebnis erläuterte Kleber anschließend der Mittelbayerischen. Demnach dürfe nach bayerischem Waldgesetz ein Waldbesitzer seinen Bestand abholzen, aber nur in einer Größe, mit der benachbarte Bestände nicht gefährdet würden, etwa durch starke Sonneneinstrahlung oder Frost. Die Grenze liege bei zwei Hektar. Bei einem Abhieb von ein bis zwei Hektar wie bislang in Klardorf müsse das Amt einen solchen Schaden prüfen. Die Entscheidung der Förster: Der bisherige Abhieb gehe noch in Ordnung, weitere Fällarbeiten seien aber aus waldrechtlicher Sicht einzustellen.

Für Andreas Weinmann und seine Mitstreiter ist die Einstellung der Fällarbeiten freilich nur „ein kleiner Sieg“. Denn das Landratsamt hat bereits einen positiven Bescheid für den künftigen Betreiber angekündigt. Wenn der Bescheid aus dem Landratsamt vorliege, werde das Waldrecht vom Baurecht abgelöst, erläutert Alwin Kleber. Und das bedeute in der Regel, dass die Fällarbeiten weitergehen könnten. Eine kleine Hoffnung hat Andreas Weinmann noch: Sollte eine Auflage im Genehmigungsbescheid den Waldbestand vorläufig verschonen, hätte man Zeit, eine Klage gegen den Bescheid prüfen zu lassen. Denn diese müsse mit Bedacht vorbereitet werden.

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Streit um neues Kiesabbaugebiet

  • Protest:

    Klardorfer Bürger befürchten durch die Ausweitung der Kiesabbau-Areale vollgelaufene Keller durch eine Anhebung des Grundwasserspiegels und eine weitere „Verschandelung“ der Landschaft. Allerdings sieht der Regionalplan die Region nördlich von Klardorf explizit als „Vorrangfläche für den Abbau von Bodenschätzen“ vor.

  • Grünes Licht:

    Die Stadt Schwandorf hat dem Plan für das neue, rund 13 Hektar große Kiesabbaugebiet das gemeindliche Einvernehmen erteilt, allerdings erst nachdem der Betreiber unter anderem eine Umweltverträglichkeitsprüfung nachreichte.

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