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Fotoaktion für Ai Weiwei

Der Maxhütter Konzeptkünstler Michael Werner engagiert sich für seinen in China verfolgten Kollegen. Am Sonntag findet ein Fotoshooting statt.

Michael Werner mit einem Foto des verfolgten chinesischen Künstlers Ai Weiwei

maxhütte-haidhof/Erlangen. Schon seit Monaten engagiert sich der Maxhütter Lehrer und Konzeptkünstler Michael Werner für seinen berühmten chinesischen Kollegen Ai Weiwei. Ai Weiwei wird in China wegen seiner gesellschaftskritischen Kunst verfolgt. Er lebt unter strenger Überwachung. Auf der dOCUMENTA 13 in Kassel fotografierte Werner im vergangenen Jahr Gruppen als Ai Weiwei-Doubles (die MZ berichtete). „Wenn Ai Weiwei nicht ausreisen darf, dann brauchen wir in der freien Welt viele Leute, die ihn als Double vertreten“, sagt Werner.

Am Sonntag um 17 Uhr realisiert Werner ein weiteres Fotoshooting in der derzeitigen Ai Weiwei-Ausstellung im Erlanger Kunstpalais. Für sein Projekt „weiweicam“ filmt sich Ai Weiwei in seinem Pekinger Atelier beim Essen oder Schlafen als ironische Antwort auf die Video-Überwachung durch den Staat. Die Bilder und kommentierende Texte sendet der chinesische Künstler in seine aktuelle Ausstellung „Freiheit!“ im Erlanger Kunstpalais.

Vor dem Schriftzug „Freiheit!“ verteilt Werner am Sonntag Ai Weiwei-Masken an die Anwesenden. „Hier im Kunstpalais kann man Botschaften von Ai Weiwei live lesen. Und wir antworten ihm mit Fotos von vielen solidarischen Ai Weiwei-Darstellern.“

Ob alles auch so reibungslos funktioniert, könne keiner sicher sagen. Denn Ai ist in China zahlreichen Repressionen ausgesetzt: Manchmal werden die Leitungen in das Pekinger Atelier abgeschaltet. Aber Ai Weiwei findet immer neue Wege, um wieder online erreichbar zu sein. Die Fotos der Erlanger „Alle für Ai Weiwei“-Aktion werden zunächst in die „Freiheit!“-Ausstellung projiziert. Via Twitter wird Ai Weiwei das Fotoshooting miterleben und die Bilder empfangen können.

Werner nimmt genügend Ai Weiwei-Masken von Maxhütte-Haidhof mit nach Erlangen. Diese bestehen aus handelsüblichen Din A4-Blättern, die mit einem Portrait des chinesischen Künstlers bedruckt sind und die sich die Darsteller vors Gesicht halten.

„Die Weiwei-Masken zeigen ein Abbild des chinesischen Künstlers“, erklärt Werner: „Auf seine Stirn habe ich ein Pflaster geklebt. Das erinnert an die Hirnblutung, die Ai Weiwei 2009 bei einem Polizeieinsatz in China erlitt.“ Das entstandene Blutgerinnsel wurde anschließend in einer Notoperation in München entfernt und hinterließ eine große Narbe. „Das Pflaster symbolisiert die existenzielle Bedrohung, denen regimekritische Künstler in China ausgesetzt sind.“

Die MZ berichtete mehrmals über die Aktionen des Maxhütter Konzeptkünstlers. Internationale Beachtung fand Werners Aktion zur EU-Erweiterung, bei der Menschen in 44 Ländern gleichzeitig 10 000 Schirme öffneten. Beim 3. Internationalen Kunstfestival in Magdeburg sprayte Werner 1001 Colaflaschen auf eine Brücke und „übertraf“ damit Andy Warhol. Mit seine Kunstweltrekorden macht der 51-Jährige immer wieder auf das rekordsüchtige Streben unserer Leistungsgesellschaft aufmerksam, das auch vor der Kunst nicht Halt macht.

Übrigens: Jeder kann überall in der Welt als Ai Weiwei-Double auftreten. Die Masken gibt es kostenlos im Internet zum Downloaden. Auch Bilder von zahlreichen Ai Weiwei-Doppelgängern sind unter www.freeweiwei.de veröffentlicht. (ku)

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