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Region Schwandorf
Freitag, 21. September 2018 25° 3

Fotovoltaik-Anlagen: Im Brandfall gefährlich

Mit einem herkömmlichen Brand können Feuerwehrmänner umgehen. Wenn jedoch eine Solaranlage auf dem Dach installiert ist, stellt sie der ständige Stromfluss vor neue Probleme.

Solarenergie ist für viele Menschen die Lösung des Energieproblems. Für die Feuerwehren bergen Fotovoltaik-Anlagen auf den Dächern von Privathäusern, Ställen oder Firmengebäuden bei einem Brand unter Umständen enorme Gefahren. Denn, so warnen Experten, auch wenn die Solarmodule nicht am Netz hängen, produzieren sie Elektrizität auf und können mit Spannungen von 1000 Volt und mehr beim Löschen ernsthafte Unfälleverursachen.

Schwandorfs Kreisbrandrat Siegfried Hammerer sagt: „Fotovoltaik ist für die Feuerwehr in so einem Fall nicht ganz ungefährlich“. Hier müsse man vor allem darauf achten, mit genug Abstand zu löschen. Da Wasser elektrischen Strom sehr gut leite, sollte der Wasserstrahl beim Löschen immer wieder unterbrochen werden, damit die Gefahr eines Stromschlags relativ gering bleibe. Die Berufsfeuerwehr München habe zum Löschen von Dächern mit Fotovoltaik-Anlagen extra ein Merkblatt für Feuerwehren herausgebracht. Der TÜV-Süd warnt, bei Lichteinfall seien Module und Kabel der Fotovoltaik-Anlage bis zur Freischaltstelle unter Spannung. Elektrische Leitungen und die sonstigen Anlagenkomponenten dürften nicht berührt werden, ein Abstand von einem Meter sei einzuhalten.

„Wenn ich Einsatzleiter wäre und das Gebäude alleine steht, würde ich es vielleicht auch kontrolliert niederbrennen lassen“, sagt Hammerer. Außerdem bestehe die Gefahr, dass ein Dachstuhl, der mit dem zusätzlichen Gewicht von Solarmodulen belastet sei, kippt. Bei Einsätzen im Landkreis habe er aber „zum Glück“ noch keinen solchen Fall erlebt. „Man sollte diese Gefahr nicht unterschätzen – aber überbewerten auch nicht“, sagt Hammerer.

Ob gefährlich oder nicht – irgendjemand muss den bleibenden Schaden am Haus zahlen. Der Rechtsanwalt Michael Kaplitz rät deshalb jedem, der sich eine Fotovoltaikanlage aufs Dach baut, der Versicherung bescheid zu sagen. Schließlich handele es sich hier um eine „risikoerhöhende“ Baumaßnahme. „Das sind in Null-Komma-Nix sechsstellige Summen! Außerdem ist eine solche Anlage eine teure Sache. Wenn die abbrennt, will ich das ersetzt haben“, sagt Kaplitz. Er ließe das in keinem Fall ungeklärt.

Die Vereinigung zur Förderung des Deutschen Brandschutzes (VFDB) weist in einem Merkblatt die Feuerwehren auf die Gefahren hin, die beim Brand eines Hausdachs mit Fotovoltaik bestehen könnten:

Toxische Gase: Durch die Verbrennung von Kabelisolierungen, Kunststoffen und Bestandteilen der Fotovoltaik-Module können Giftstoffe frei werden und sich ausbreiten.

Herabfallende Teile: Verbundglas könnte durch Erhitzen bersten und Splitter vom Dach fliegen. Durch die Fotovoltaik-Module wird die Dachlast erhöht.

Stromschlag: Die Leitungen vom Modul zum Wechselrichter können nie komplett stromlos geschaltet werden. Durch hohe Gleichspannung besteht die Gefahr eines Lichtbogens. Unisolierte Kabelteile können herabhängen.

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