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Region Schwandorf
Mittwoch, 23. Mai 2018 25° 8

Polizeieinsatz

Frau in Maxhütte-Haidhof erschossen

Die 59-Jährige wurde offenbar von einem 44-jährigen Mann getötet. Die Polizei stellte den Verdächtigen. Das Motiv ist unklar.
Von André Baumgarten, Simone Grebler und Josef Schaller, MZ

Maxhütte-Haidhof.Ein großer Polizeieinsatz lief am Dienstag in Maxhütte-Haidhof. Nach mittlerweile gesicherten Informationen unserer Zeitung ist eine Frau in ihrer Wohnung in einem Mehrfamilienhaus Maxhütte erschossen worden. Der Tatverdächtige flüchtete und konnte nach einer halbstündigen Verfolgungsjagd bei Thanstein gestellt und festgenommen werden. Er befinden sich in Polizeigewahrsam und hat möglicherweise sogar schon gestanden.

Die Einsatzzentrale der Polizei wurde kurz vor 9 Uhr von Anwohnern über eine gewaltsame Auseinandersetzung in der Imigstraße informiert, sagte Albert Brück, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Oberpfalz im Gespräch mit unserer Zeitung. Beamte der PI Burglengenfeld fanden bei Eintreffen in der Wohnung im ersten Obergeschoss eine schwerstverletzte 59 Jahre alte Frau, die trotz sofort eingeleiteter Reanimation kurz darauf am Einsatzort starb. Es habe sofort Hinweise auf einen tatverdächtigen 44-jährigen Mann gegeben, der mit einem Auto vom Tatort geflohen sei.

Die Unfallstelle liegt direkt an der Landkreisgrenze zwischen Schwandorf und Cham, zwischen Hebersdorf und Pillmersried. Foto: Sturm

Wie die MZ erfuhr, soll es sogar einen Augenzeugen dieser Gewalttat in dem schlichten Mehrfamilienwohnhaus geben. Zum Tatzeitpunkt soll demnach aber mit dem Tatverdächtigen Enrico L. (Name geändert) nur noch die 15 Jahre ältere Frau gewesen sein. Wie die Frau genau zu Tode kam, muss laut Polizeisprecher Brück eine von der Staatsanwaltschaft angeordnete Obduktion des Leichnams ergeben. Diese fand noch am Dienstag im Institut für Rechtsmedizin in Erlangen statt. Die Ergebnisse lägen aber erst am Mittwoch vor.

Zeugen hörten wohl auch Schüsse

Indizien darauf, dass Marianne H. (Name geändert) erschossen wurde, gibt es: Zeugen wollen Schüsse gehört haben, zudem stellte die Polizei im Auto des mutmaßlichen Täters eine Schusswaffe sicher. Ob sie aber für die Bluttat in Maxhütte-Haidhof überhaupt von Relevanz ist, muss erst geprüft werden. Aufschluss dazu kann laut Brück nur ein entsprechendes Gutachten geben. Ob es sich um eine Pistole oder um ein Gewehr handelte, wollte der Sprecher des Polizeipräsidiums in Regensburg mit Verweis auf die laufenden Ermittlungen nicht sagen.

In Burglengenfeld riegelten kurz nach der Tat offenbar Polizisten mit schusssicheren Westen und Maschinenpistolen im Anschlag auf der Suche nach dem mutmaßlichen Täter das Parkhaus ab. Wie die Polizei mitteilte, war die Arztpraxis eines Psychologen nahe dem Parkhaus eine der möglichen Anlaufadressen des 44-Jährigen. „Das ist ein übliches Vorgehen unseren Ermittlungen“, sagte Polizeisprecher Brück. Das Gebäude wurde nach neuesten MZ-Informationen nicht evakuiert – es gab zu keiner Zeit eine Bedrohungslage in Burglengenfeld, hieß es dazu deutlich. Zeugen hatten in Sozialen Netzwerken von einem Zwischenfall bei einem Arzt in der Nähe des Burglengenfelder Parkhauses berichtet.

30 Streifen verfolgten den Verdächtigen

Der Notarzt landet direkt an der Unfallstelle bei Thanstein und untersuchte den leicht verletzten Fahrer. Foto: Baumgarten

Die Einsatzkräfte verfolgten den Verdächtigen mit mehr als 30 Streifenfahrzeugen quer durch den Landkreis Schwandorf. Die Polizei soll den Fahrer mittels Handyortung aufgespürt haben. Nach Auskunft von Werner Schüssel, stellvertretender Leiter des Präsidialbüros und Sprecher des Polizeipräsidiums, wurde das Fahrzeug des 44-Jährigen dann im Rahmen der ausgelösten Ringfahndung von der Besatzung eines Streifenwagens bei Neunburg entdeckt. Die Beamten versuchten den Flüchtigen um 9.45 Uhr zunächst den Weg abzuschneiden, woraufhin der Mann wendete und flüchtete.

Die Polizeikräfte – nahezu alle mit schusssicheren Westen ausgestattet – stellten den mutmaßlichen Täter dann um 10.15 Uhr zwischen Thanstein, nahe Neunburg vorm Wald, und Pillmersried (Landkreis Cham). Rund 700 Meter hinter dem Ortsteil Hebersdorf, in Fahrtrichtung B22, verlor Enrico L. auf der Flucht vor der Polizei die Kontrolle über seinen schwarzen VW Polo. Das Fahrzeug schoss quer über die Straße, fuhr in eine Böschung und überschlug sich an einem Wasserdurchlass. Der VW kam massiv beschädigt auf den Rädern zum Liegen. Die Fahrbahn war zu diesem Zeitpunkt regennass.

Das Fluchtfahrzeug des Tatverdächtigen landete nach einem Überschlag bei Thanstein wieder auf den Rädern. Foto: Sturm

Auf seiner Flucht fuhr der Mann laut Polizei teils langsamer, teils schneller, offenbar aber ohne ein konkretes Ziel. Bei der Verfolgungsjagd kam es entgegen erster Berichte doch auch zu einigen gefährlichen Situationen. Verkehrsteilnehmer, die am Dienstagvormittag in diesem Bereich durch einen schwarzen VW Polo gefährdet oder geschädigt wurden, sollen sich unbedingt bei der Polizei melden. Der 44-jährige mutmaßlich Täter wurde bei dem Unfall leicht verletzt – dennoch wurde ein Notarzt per Rettungshubschrauber an den Ort des Geschehens geflogen.

Der Mann ließ sich nach dem Crash widerstandslos festnehmen und wurde von der Kripo umgehend vernommen. Eine Schusswaffe wurde laut den Angaben der Polizeibeamten vor Ort im Fahrzeug sichergestellt. Es waren Streifenwagen und Zivilfahrzeuge aus den Landkreisen Schwandorf, Regensburg, Cham sowie von der Bundespolizei im Einsatz. Zwei Feuerwehren kamen zur Absicherung der Unfallstelle zum Einsatz. Insgesamt dauerte die Verfolgungsjagd rund 30 Minuten und führte über einen Strecke von etwa 40 Kilometern von Neunburg bis nach Rötz, wieder zurück nach Neunburg und dann bis zur Unfallstelle bei Thanstein. Auch dort nahm die Spurensicherung bald ihre Arbeit auf.

Opfer war die Ex-Freundin des 44-Jährigen

Großes Polizeiaufgebot in der Imigstraße: Kripo Amberg, ein Einsatzzug des Polizeipräsidiums Oberpfalz und die örtliche Polizeiinspektion waren im Einsatz. Foto: Schaller

In welcher Beziehung der Tatverdächtige und das Opfer stehen, wollte die Polizei nicht näher erklären. „Das müssen noch die Ermittlungen und Befragungen zeigen“; erklärte Brück. Nach den der MZ vorliegenden Informationen war die getötete Frau die Ex-Freundin des 44-Jährigen. Enrico L. wohnte nicht mit in dem Haus – er hatte seinen Wohnsitz aber in Maxhütte-Haidhof. Der gelernte Handwerker war seit längerer Zeit arbeitssuchend. Ein unbeschriebenes Blatt war der nicht, was Polizeisprecher bestätigte. Wie unser Haus erfuhr, war der Verdächtige in der Vergangenheit wegen Alkohol- und Gewaltdelikten mehrfach auffällig geworden. Vermutlich ein Grund, warum die Polizei unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen nach dem Mann fahndete – unter anderem auch in Burglengenfeld.

Nachfragen bei den Anwohnern gehen meist ins Leere: Niemand will etwas gesehen oder Marianne H. näher gekannt haben. Dennoch scheint das immense Polizeiaufgebot in der Imigstraße in Maxhütte-Haidhof niemanden groß zu beunruhigen. Nur sehr wenige Schaulustige finden sich am Schauplatz der Tat in der Siedlung nahe des Maxhütter Bahnhofes ein. Zu den besten Wohnlagen zählt der Teil der 11 000-Einwohner-Stadt jedoch nicht. Die beige-braunfarbenen Häuser mit zehn Wohnungen und je zwei Eingängen sind den Menschen eher als „Problemviertel“ bekannt.

Verdacht eines Tötungsdeliktes – in diesem Mehrfamilienhaus (linker Eingang) in der Imigstraße starb am Dienstag eine Frau. Foto: Schaller

Ermittler des Einsatzzugs in Regensburg, der örtlichen Polizeiinspektion, des Fachkommissariats K1 der Kripo Amberg und der Spurensicherung waren am Vormittag am Tatort in Maxhütte-Haidhof vor Ort. Auch der Leitende Oberstaatsanwalt Joachim Diesch machte sich persönlich ein Bild und koordinierte die Arbeit. Die akribische Tatortarbeit zog sich bis in den Nachmittag hinein; zudem gab es erste Befragungen im Umfeld von Täter und Opfer. Nähere Angaben zu den Hintergründen oder zum Tatablauf könnten aber wegen der laufenden Ermittlungen nicht gemacht werden, hieß es.

Hat Enrico L. bereits gestanden?

Möglicherweise gestand der Verdächtige die grausige Tat bei den Ermittlern zwischenzeitlich sogar: In einer ersten polizeilichen Vernehmung am Dienstagnachmittag machte der Mann laut einer Pressemitteilung des Polizeipräsidiums „umfangreiche Angaben, die den Tatverdacht gegen ihn weiter erhärteten“, hieß es. Voraussichtlich wird der 44-Jährige am Mittwoch dem Ermittlungsrichter am Amtsgericht in Amberg vorgeführt. Bis zu diesem Zeitpunkt bleibt er in polizeilicher Obhut.

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Eine Serie von Verbrechen

  • Fall 1:

    Der neue Fall in Maxhütte-Haidhof reiht sich in eine Verbrechensserie in der Oberpfalz ein. Im Norden Regensburgs soll erst in der vergangenen Woche eine 50-Jährige aus der Konradsiedlung ihre Mutter (73) getötet haben. Die Tochter rief im Bezirksklinikum an und sagte, sie habe die alte Dame umgebracht. Polizisten entdeckten die Seniorin, die durch „massive Gewalteinwirkung“ starb.

  • Fall 2:

    Das zweite Verbrechen zeigt sogar Parallelen zum ersten Fall, es bestünden aber keinerlei Zusammenhänge, sagt die Polizei. Am Samstag begab sich ein Mann (45) zur Behandlung in ein Krankenhaus. Dort berichtete er, dass seine Frau tot in der Wohnung liege. Auch die Frau starb durch massive Gewalt, später gestand der Mann die Tat. Er sitzt jetzt hinter Gittern. (pd)

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  • HS
    Heinrich Stockinger
    31.05.2016 19:19

    Bitte???? Ein Notarzt wurde zu diesem Typen hingeflogen??? Typisch, der "Täter ist das Opfer" zugleich. ts ts ts.... Ich war 1983 am verbluten, da kam kein Notarzt mit dem Rettungshubschrauber! 3 Stunden brauchte es bis das alte klapprige Vehikel an Notartzwagen mich in das Klinikum Großhadern brachte. Mein Leben hing an einem seidenen Faden! Man wird sehen ob dieser Verrückte eine Strafe auf Bewährung oder 1 Monat Knast bekommt...für ein Menschenleben das er ausgelöscht hat und viele andere Menschen in Angst und Schrecken versetzt hat!

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