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Sanierung

Freude über lebendiges Kulturzentrum

Nach gut vier Jahren ist das Werk vollbracht: Der Schießl-Hof in Neukirchen-Balbini wurde seiner Bestimmung übergeben.
Von Ralf Gohlke

Zahlreiche Gäste waren der Einladung zur Einweihungsfeier des Schießl-Hofes gefolgt. Der ehemalige Stall erwies sich dafür als idealer Raum, der auch künftig für Veranstaltungen der verschiedensten Art genutzt werden soll.  Fotos: Ralf Gohlke
Zahlreiche Gäste waren der Einladung zur Einweihungsfeier des Schießl-Hofes gefolgt. Der ehemalige Stall erwies sich dafür als idealer Raum, der auch künftig für Veranstaltungen der verschiedensten Art genutzt werden soll. Fotos: Ralf Gohlke

Neukirchen-Balbini.Aus einer abbruchreifen Ruine im Ortszentrum des Marktes Neukirchen-Balbini ist ein weiteres Musterbeispiel dafür entstanden, wie historische Bausubstanz nicht nur revitalisiert, sondern einer modernen Nutzung zugeführt werden kann. Mut zur Innovation, Durchsetzungsvermögen und ehrenamtliches Engagement bildeten beim Schießl-Hof neben dem Einsatz erheblicher finanzieller Mittel die Voraussetzungen für das Gelingen des Projektes. Was die finanziellen Mittel in Höhe von rund 3, 3 Millionen Euro betraf, war es gelungen, die Förderprogramme der EU und des Freistaates Bayern entsprechend in Anspruch zu nehmen.

Ein Großer Tag für die Gemeinde

„Heute ist ein großer Tag für unsere Marktgemeinde in zweierlei Hinsicht“, unterstrich Bürgermeister Markus Dauch in seinen Grußworten an die geladenen Gäste. Er bezog die doppelte Hinsicht auf den Abschluss eines „großartigen Projektes“ und die damit verbundene Teilnahme von Minister Bernd Sibler als hochrangigem Vertreter des Freistaates. Mit diesem Festakt, so Dauch, werde ein besonderer Markstein für das kulturelle Leben in der Marktgemeinde gesetzt.

Was die Vorfahren mit dem Bau der Erdställe bezweckten, liegt nach wie weitgehend im Dunkeln. Die Verbindung zum Bergbau sollte aber dennoch zum Ausdruck kommen. Daher ließ der Markt ein Bläserquartett der Bergmannskapelle Wackersdorf den Festakt begleiten. Fotos: Gohlke
Was die Vorfahren mit dem Bau der Erdställe bezweckten, liegt nach wie weitgehend im Dunkeln. Die Verbindung zum Bergbau sollte aber dennoch zum Ausdruck kommen. Daher ließ der Markt ein Bläserquartett der Bergmannskapelle Wackersdorf den Festakt begleiten. Fotos: Gohlke

Mit der Eröffnung des Kultur- und Erdstallforschungszentrums könnten der Öffentlichkeit im renovierten Schießl-Hof nicht nur sehr beeindruckende Objekte und ein innovatives Ausstellungskonzept, sondern außerdem auch ein lebendiges Kulturzentrum für alle Bürger und Gäste präsentiert werden. Seine Freude mische sich mit großem Stolz darauf, ein solches Mammutprojekt auf die Beine gestellt zu haben. Es kennzeichne die Aufgeschlossenheit für neue Weg und den Glauben an die eigene Gestaltungskraft der Gemeinde.

Neukirchen blicke trotz vieler Verluste auf ein reiches, vielfältiges kulturelles und kulturlandschaftliches Erbe zurück, das es gelte, den Kindern und Kindeskindern zu hinterlassen. Jedes Denkmal berge eine Geschichte, die allein dafür stehe, aber zugleich für viele Menschen von Bedeutung sein könne.

Das gelte in gleichem Maße für das ortsbildprägende Schießl-Anwesen. Es sei gelungen, einer Ruine neues Leben zu schenken und einen abbruchreifen Leerstand wiederzubeleben. Dauch ließ nicht unerwähnt, dass der Weg des Projektes durchaus von Diskussionen und Zweifeln, aber auch Euphorie gesäumt worden sei. Inzwischen überwiege Begeisterung, auch unter den Kritikern.

Die Pfarrer Gerhard Beck und Theo Schmucker erteilten am Beginn des Festaktes den Gebäuden und allen, die darin arbeiten oder es aus anderen Gründen besuchen werden, den kirchlichen Segen. Der unfallfreie Verlauf der Arbeiten wurde erwähnt.
Die Pfarrer Gerhard Beck und Theo Schmucker erteilten am Beginn des Festaktes den Gebäuden und allen, die darin arbeiten oder es aus anderen Gründen besuchen werden, den kirchlichen Segen. Der unfallfreie Verlauf der Arbeiten wurde erwähnt.

Zusammenfassend bedankte sich der Bürgermeister bei allen Beteiligten, neben den aktiven vor Ort auch bei den Ämtern und Institutionen, die ihren maßgeblichen Anteil zum Gelingen geleistet hätten. Sein größter Wunsch wäre es, wenn diese Revitalisierung entsprechende Nachahmer finden würde. „Wie schön ein altes Haus werden kann, ohne auf die Technik des 21. Jahrhunderts verzichten zu müssen, sehen wir hier“, fasste er zusammen.

Forschungszentrum ist „einmalig in Europa“

Minister Bernd Sibler sprach von dem künftigen Forschungszentrum als „einmalig in Europa“. Es gebe gute Gründe dafür, dieses frühe Siedlungssystem zu erforschen. Als „Denkmalschutzminister“ sei er gerade bei kleinen Kommunen öfter mit der Meinung konfrontiert, „das alte G’lump“ müsse weg. Dem stellte er die Anzahl an künftigen Baudenkmälern in Form von Supermärkten als „eher überschaubar“ gegenüber. Ein Bauwerk wie das Schießl-Anwesen zu erhalten, schaffe einen Ortsmittelpunkt und diene der eigenen Identität. Das Konzept sei zukunftsweisend. Dafür seien die Mittel gut angelegtes Geld.

Viel Lob von Architektin Barbara Wilnhammer

Da es sich nicht um einen Neubau, sondern um eine Sanierung handelte, überreichte die Architektin Barbara Wilnhammer keinen Schlüssel an Bügermeister Markus Dauch. Vielmehr soll nun eine Matalltafel das Projekt zieren.
Da es sich nicht um einen Neubau, sondern um eine Sanierung handelte, überreichte die Architektin Barbara Wilnhammer keinen Schlüssel an Bügermeister Markus Dauch. Vielmehr soll nun eine Matalltafel das Projekt zieren.

Die Architektin Barbara Wilnhammer schilderte die Vorgehensweise für das Projekt, das geradezu ideal für den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) gewesen sei. Wichtig sei es gewesen, dass bereits alle Beteiligten ein Konzept für die spätere Nutzung erarbeitet hatten. In Bezug auf die planungstechnischen und handwerklichen Herausforderungen, sprach sie allen Beteiligten ein großes Lob aus und verwies auf die umfangreiche Dokumentation der Arbeiten. Als Besonderheit meinte sie: „An vielen Orten gibt es hochwertige Architekturobjekte – identitätsstiftende Orte sind eine Seltenheit!“

Flankiert von Bürgermeister Markus Dauch (l.) und Birgit Symader trug sich Staatsminister Bernd Sibler in das Gästebuch des Schießl-Anwesens ein. In seiner Festrede hatte er unter anderem das Alleinstellungsmerkmal als Erdstall-Forschungszentrum betont.
Flankiert von Bürgermeister Markus Dauch (l.) und Birgit Symader trug sich Staatsminister Bernd Sibler in das Gästebuch des Schießl-Anwesens ein. In seiner Festrede hatte er unter anderem das Alleinstellungsmerkmal als Erdstall-Forschungszentrum betont.

Das Alleinstellungsmerkmal des Forschungszentrums stellte auch dessen Leiterin Birigit Symader heraus und erwähnte die Zusammenarbeit mit Tschechien, Österreich, Frankreich und der Schweiz. Von ursprünglich 190 Anlagen seien heute nur noch 30 erhalten. „Römische Mauern haben wir genügend, aber die Erdställe bergen immer noch große geologische Rätsel“, meinte sie, verbunden mit der Bitte um Unterstützung aus der Politik.

Bezirkstagspräsident Franz Löffler und der stellvertretende Landrat Joachim Hanisch sprachen dem Markt Neukirchen-Balbini ein großes Lob für dieses beispielgebende Projekt aus.

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